Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Label lesen

Im Moment besteht mein Leben vor allem aus Label lesen. Alles, was ich nicht essen darf, steht auf einer langen Liste. Weil viele Stoffe davon Teilstoffe irgendwelcher Produkte sind, muss ich die Inhaltsangaben sehr genau lesen und identifizieren. Wir wundern uns jetzt nicht, warum ausgerechnet dieser Text auf den Produktetiketten der kleinste ist. Deshalb muss ich zum Lesen tatsächlich eine Brille aufsetzen, weil ich sonst nach dem zehnten Label das Gefühl habe, neue Augen zu benötigen.

Zuerst habe ich mich durch meinen eigenen Kühlschrank und den Vorratsschrank gearbeitet. Ein Ereignis, das der Superhund übrigens sehr interessiert beobachtet hat. Solch ein Verhalten kennt er nur bei anstehenden größeren Ereignissen. Das Ergebnis meiner Inventur war niederschmetternd. Und das, obwohl fast alle Produkte aus dem Bioladen waren. Es gibt jetzt einen großen Stapel Lebensmittel auf der einen Seite, den ich meinem geschätzten Lebenspartner zur vollständigen Selbstverwaltung überlassen habe. Und dann gibt es einen kleinen Stapel auf der anderen Seite, der besteht aus Dingen, die auch ich essen kann. Ich hoffe, dass sich in ein paar Monaten die Relation der beiden Stapel zueinander umgekehrt hat.

Das Einkaufen im Supermarkt oder im Bioladen ist a pain in the ass. Keine Routinen mehr, die das Leben erleichtern, ich muss alles von vorne lesen und bewerten und entscheiden, ob ich es kaufe oder nicht. Ich stehe mitunter Stunden im Laden. Letztes mal war die Mayonnaise eine besondere Herausforderung. Ich stand ewig vor dem Regal und habe jedes einzelne Produkt genau studiert. Nachdem ich sie alle durch hatte, habe ich von vorne angefangen. Und dann nochmal. Das ganze war begleitet von Kopfschütteln, den Mund verziehen oder Selbstgesprächen, weil ich mir bei so vielen Bezeichnungen von Inhaltsstoffen einfach nicht sicher war. Zwischendurch kurvten angenervte Kunden mit ihren Einkaufswagen umständlich um mich herum und machten mit dem üblichen „Sorry“ deutlich, dass sie auch mal Mayonnaise einkaufen wollten. Zielsicher schnappten sie sich innerhalb von drei Sekunden eine Mayo und weg waren sie. Verdammt. Jetzt habe ich eine Mayonnaise zuhause stehen, bei der ich noch immer überlege, ob ich sie wirklich guten  Gewissens essen kann. Ich glaube, ich mach das Zeug einfach selbst. Ich träume davon, irgendwann auch wieder meine Einkaufsroutinen zu haben, mit Standardprodukten, die einfach nur wieder aufgefüllt werden müssen.

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