Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Migräne und die Pille

PilleBei vielen Ärzten ist leider immer noch nicht angekommen, dass man mit der Pille, der Minipille und allen anderen hormonellen Gaben Migräne verursacht, nicht bekämpft. Und das, obwohl sogar der deutsche Blätterwald immer häufiger davon berichtet. Und dann dieses:

Eine Freundin schreibt mir, dass sie gerade von ihrer Naturheilärztin die (Mini-) Pille gegen ihre nicht enden wollende Migräne verschrieben bekommen hat. Und das, wo man fast von selbst drauf kommen könnte, denn sie weiß, dass ihre natürlichen, hormonellen Schwankungen Migräne auslösen. Sie kann fast die Uhr danach stellen, kurz vor ihrer Menses kommt der Anfall. Aber: die Migräne ist nicht nur auf diese Zeit beschränkt, sie kommt auch sonst noch gerne und immer öfter. Sie steht vor einer bekannten Situation: hat schon viele Prophylaxen erfolglos versucht und weiß einfach nicht mehr weiter.

Deshalb sinkt wahrscheinlich der Widerstand vor Behandlungsansätzen, die sie früher vielleicht abgelehnt hätte. So gehts vielen. Je tiefer man in der Migräne Spirale sinkt, desto hilfloser fühlt man sich und desto mehr gibt man die eigene Entscheidungskraft ab, mehr und mehr überlässt man sich den Ideen der Ärzte. Selbst wenns wider besseren Wissens ist. So wie bei meiner Freundin. Vor ein paar Jahren noch hat sie nichts anderes als Homöopathie und Bachblüten an sich herangelassen. Und jetzt das. Der Untergang ihrer eigenen Grundsätze. Und warum: aus Verzweiflung. Leider wird es dadurch aber nicht besser, sondern immer nur schlechter.

Weil der Stand der Forschung so extrem unklar und kontrovers ist, trifft man bei verschiedenen Ärzten immer wieder auf andere Behandlungsansätze. Aufgrund fehlender, eindeutiger medizinischer Erkenntnisse schon alleine über die Ursache von Migräne, wählen die Ärzte einen subjektiven Ansatz.

Sie behandeln so, wie sie persönlich denken, dass es vielleicht helfen könnte. Damit sind sie meinem Verständnis nach nicht viel weiter als ich selbst, wenn ich morgens mit dem geschätzten Lebenspartner am Frühstückstisch sitze und rätselrate, ob meine Migräne nun diesmal am Wetter, am Stress oder am anstehenden Besuch von Verwandten liegt. An jeder dieser Schrauben könnte man mal drehen und sehen, ob es hilft: Das Wetter und die Verwandten abbestellen oder wenns am Stress liegt gleich kündigen. Dass diese Behandlungen nicht eingebettet sind in ein Konzept oder ein schlüssige Theorie stört dabei keinen.

Es werden munter die heftigsten Medikamente verschrieben, seien es Hormone, Antidepressiva, Antiepileptika; andere Migräneleidende fangen teure Therapien an, arbeiten an ihrer inneren Einstellung, machen Yoga oder andere Entspannungstechniken (ich liebe Yoga, aber geheilt hats mich bisher nicht), reiben sich irgendwas auf die Stirn, essen kein Fleisch mehr oder noch viel mehr (meine hier beschriebene Diät inbegriffen) und ich gehe jede Wette ein, dass es irgendwo andere Verzweifelte gibt, die irgendeinem Dämon oder Heiligen, wies grad beliebt, Opfergaben bringen. So siehts aus in Deutschland. Finsteres Mittelalter.

Es ist furchtbar. Es gibt Millionen von Migränepatienten und alle gehen durch dieses Kraut- und Rüben an Versuchs-Behandlungen (selbstbehandelt oder von Ärzten initiiert), die eine einzige Logik haben: versuchen wir mal, ob das jetzt hilft.

Millionen an Leuten nehmen teure Medikamente ein, manche davon offizielle Prophylaxen, die vielleicht sogar ein bisschen helfen—meistens aber nicht. Pillen über Pillen. Das geht immer ein paar Monate am Stück, nur um zu merken, dass das eine Medikament nicht oder nicht mehr hilft und dann probiert man das nächste. Die Pharmaindustrie verdient dabei Milliarden. Wenn dieses Geld konzentriert in die Forschung gesteckt worden wäre, anstatt die Menschen permanent mit irgendwelchen Versuchen in Pillenform vollzustopfen, dann lägen jetzt vielleicht schon weiterführende und bessere Ergebnisse vor. So, Ende der Schimpftirade. Zurück zum Thema, und zwar sachlich.

Zurück nämlich zur Behandlung mit der Pille. Dr. Buchholz warnt eindrücklich davor, Migräne mit der Pille bekämpfen zu wollen. Oft gäbe es bei dieser Behandlung herbe Rückschläge, indem nach einiger Zeit die Migräne immer schlimmer werde. Ich zitiere:

The use of continuous (noncyclical) hormonal therapy to suppress menses altogether and thereby avoid associated menstrual headaches has a rational foundation but more often acts as fuel, rather than a blanket, on the fire of migraine. The episodic triggering effect of menses may be eliminated, but continuous hormonal contraception itself may act as a trigger on a continuous basis thereby raising your baseline trigger level and making headaches and other migraine symptoms worse overall.

Wer also die Pille nimmt und unter sehr häufigen Kopfschmerzen leidet, kann diese getrost auf die rote Liste der Hauptverdächtigen setzen. Bei mir persönlich hört der Spaß ja schon vor dem Pille nehmen auf – und zwar grundsätzlich. Und trotzdem wünsche ich meiner Freundin, dass es vielleicht doch hilft. Wenn nicht, dann schicke ich ihr später den Link zu meinem Artikel hier.

6 Antworten zu “Migräne und die Pille

  1. maria März 22, 2011 um 08:17

    Hallo,
    gibt es das Dr.Buchholz Buch auch in Deutsch?
    Viele Grüße,
    Maria

    • dasmigraeneprojekt März 22, 2011 um 10:26

      Hallo Maria,
      soweit ich weiss, leider nicht. Aber du bekommst die englische Ausgabe bei Amazon.de in Deutschland. Link hier.
      Ich persönlich finde es sprachlich sehr prägnant geschrieben, sodass man es auch mit normalem Schulenglisch durchaus gut verstehen kann.
      Beste Grüße
      Violetta

  2. Martina Juli 12, 2013 um 07:49

    Hallo,
    auch wenn es jetzt schon zwei Jahre her ist… Zu dem Thema Migräne und Pille. Ich habe sowohl Migräne mit als auch ohne Aura, seit ich 10 Jahre alt war. Mir wurde auch die Pille verschrieben, damit es besser wird – wurde es auch einige Zeit. Dann bin ich umgezogen und zu einem anderen Frauenarzt gegangen. Der hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, da es bei Migräne mit Aura verboten ist die Pille (mit Östrogenen) zu verschreiben. Dann besteht ein stark erhöhtes Schlaganfallrisiko, weshalb sich der Arzt wohl sogar strafbar machen würde (Zitat des Arztes).
    Ich würde damit also sehr sehr vorsichtig sein.
    Ich selbst habe dann eine zeitlang die einzig erhältliche Minipille ohne Östrogene genommen – was wochenlang durchgehende Blutungen zur Folge hatte. Von daher hab ich auch die abgesetzt. Und natürlich erkenne ich auch einen Zusammenhang zwischen meiner Menstruation und der Migräne – aber es gibt auch viele andere Zusammenhänge, wenn man denn welche sucht.
    Lieber Gruß,
    Martina

    • dasmigraeneprojekt Juli 12, 2013 um 11:42

      Hallo Martina,
      interessante Geschichte mit deinem Frauenarzt.
      Dass die Pille bei Migräne mit Aura einen Schlaganfall auslösen könnte und deshalb nicht verschrieben werden soll habe ich noch nie gehört. Ich würde in solchen Fällen, wo man eine Aussage eines Arztes seltsam fndet, immer eine zweite Meinung einholen von irgendjemandem, der sich noch besser mit der Materie auskennt. Am besten jemanden, der sich mit Migräne gut auskennt, oft sind das Neurologen. Die Erfahrung ist leider, dass sich so wenige Ärzte gut mit Migräne auskennen, dass man sehr vorsichtig sein muss. Nicht dass ich jetzt behaupten würde: das stimmt nicht. Es ist nur so schwer, das Gefühl zu bekommen, auf dem richtigen Weg zu sein und die richtige Unterstützung zu bekommen. Vielen Dank für die Info!
      Violetta

  3. Martina Juli 18, 2013 um 01:54

    Hallo Violetta,
    ich habe mich nach der Aussage natürlich noch weiter erkundigt, mein jetziger Frauenarzt vertritt jedenfalls auch diese Meinung und auch wenn man die Packungsbeilagen genau studiert wird man dort fündig, genauso wie auf diversen Websites.

    Hier mal ein paar Links für die, die es interessiert/betrifft. U.a. von der Migräne-Liga Deutschland, der Deutschen Migräne-und Kopfschmerzliga und dem Focus.
    http://www.migraeneliga-deutschland.de/die-auraphase.htm
    http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/kopfschmerz/news/migraene_aid_131303.html
    http://www.dmkg.de/sites/default/files/PM-antibabypille-migraene.pdf

    Beste Grüße
    Martina

    • dasmigraeneprojekt Juli 18, 2013 um 11:48

      Vielen Dank Martina,
      das ist wirklich extrem interessant. Vielen, vielen Dank für die wertvolle Info. Ich werde mich mal ein bischen mehr reinvertiefen und vielleicht einen Blogpost dazu machen. Aber auf den ersten Blick auffällig ist, dass die einzigen zwei wirklichen Authoritäten, die wir in Deutschland zu dem Thema haben, sich in diesem Punkt auch noch widersprechen. Das ist ja wieder mal klasse.
      Violetta

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: