Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Im Steakhaus

Seit Wochen gelüstet es mich nun nach Fleisch – ein für mich durchaus ungewöhnliches Verlangen. Ich stehe ja nicht so auf Fleisch und ausserdem bevorzuge ich Biofleisch, das gibts hier, wo ich wohne, weit und breit in keinem Restaurant. Aber nachdem vor ein paar Tagen der erste Versuch, mexikanisch essen zu gehen nicht funktioniert hat, stand dieses Wochenende ein frisch gegrilltes, dickes, saftiges, typisch amerikanisches Steak auf meinem Wunschzettel. In der Nähe gibt es einen alten, stillgelegten Bahnhof, der in ein Restaurant umgewandelt wurde. Der Laden ist bekannt für seine franco-amerikanische Küche (also Fleisch) und ich kenne die Karte recht gut. Mit meinem Migräne-Diätplan im Kopf machten wir uns also auf zum Dinner und ich dachte mir: das müsste klappen heute – und zwar ohne stundenlange entnervende Diskussionen mit der Kellnerin über die Zutaten zu führen.

Ich wählte ein Porterhaussteak und und bat die Kellnerin einfach, auf jegliche Art Soße oder Extra-Würzung zu verzichten. Ein bisschen ins Grübeln brachte mich dann die obligatorische Frage: Soup or Salad. Suppe ist viel zu riskant, ein Brühwürfel reicht aus, um eine Ladung Glutamat für drei Wochen ins Essen zu transportieren. Salat also, und beim genaueren Nachdenken über die Art der Salatsoße wurde mir auch klar, dass ich weder die nötige Diskussion führen, noch irgendein Risiko eingehen wollte. Also auch hier: ohne jegliche Art von Soße, bitte. Nun, ja, der Salat war ein bisschen trocken und ich dachte mir, wenn die vier Monate um sind, dann werde ich hellen Essig oder Zitrone im Restaurant versuchen. Der Steakteller war – jam, wie erhofft. Ein Stück Fleisch so groß wie ein ganzer Teller frisch vom Grill, dazu eine gegrillte Kartoffel mit Möhrchen und Zucchini. Ich hatte dann doch Bedenken wegen der Gemüse – die Möhren waren ganz klar glasiert und gesüßt (was ist da wohl noch dran) und die Zucchini waren mit ein wenig Tomate und anderen Dingen angebraten. Aber da gabs dann wirklich kein Zurückhalten mehr, den Teller habe ich ratzeputz leer gemacht.

Später abends dann hatte ich irgendwie einen dicken Kopf. Waren das die Tomaten in den Zucchini, was hätte ich besser beachten sollen oder habe ich einfach zu viel gegessen, habe ich mich dann gefragt. Aber ich glaube, ich bin zur Zeit auch ein wenig Migräne-hypochondrisch, denn ich will ja, dass sie mit meinem Migräne Projekt unbedingt verschwindet jetzt. Der Genuss blieb aber dann doch ohne Reue, alles hat sich wieder verflüchtigt und am nächsten morgen war mein Kopf so wunderbar klar wie die immer die letzte Zeit. Ich habe mir vorgenommen, einen Weg zu finden, wie ich mit den Kellnern mehr über die Zutaten diskutieren kann – ohne dabei den ganzen Essenstisch zur Verzweiflung zu treiben.

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