Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Wie lange dauert die Entzugsphase und wie bereite ich mich darauf vor?

Molli hat einen Kommentar geschrieben und gefragt, wie lange wohl diese erste Phase des Entzugs dauert. Wer einen engen Terminkalender hat, will diese unangenehme Phase natürlich auch einigermaßen planen. Ich werde im folgenden meine Erfahrungen und das, was ich darüber gelesen habe zusammenfassen.

Was bedeutet eigentlich Entzug in diesem Zusammenhang?  Entzug bedeutet, dass alle koffeinhaltigen und Gefäße zusammenziehenden Stoffe abgesetzt werden, damit sich die entzündeten Gefäße im Hirn beruhigen und heilen können. Vor allem für die, die so viele Schmerzmittel nehmen, dass sich daraus eine chronische Migräne entwickelt hat, ist es wichtig, diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen. Kaffee, Tee (schwarzer und grüner), Kakao, Triptane, Kombinationspräparate mit Koffein und alle anderen Gefäße zusammenziehenden Stoffe bewirken, sobald ihre Wirkung abklingt, dass sich das Gefäß aus seiner chemisch bedingt straff zusammengezogenen Form löst und in die Gegenbewegung geht. Die Gefäße erweitern sich stark und lösen die schmerzhafte Gefäßerweiterung aus, die in den Migräneschmerz führt. Dr. Buchholz beschreibt diesen Mechanismus als den schlimmsten für alle Migräniker, der unabhängig von sonstigen Triggern die Basis allen Übels ist. Das Ziel ist es, die Gefäße über die Zeit wieder in einen normalen Zustand zu bekommen, ohne permanentes Zusammenziehen und Erweitern und somit entzündlichen Prozessen. Eine Tasse Kaffee oder ein Glas Cola kann durchaus von leichten Kopfschmerzen befreien oder einen dicken Kopf freipusten. Das Koffein bewirkt, dass sich die entzündlich geweiteten und schmerzenden Gefäße wieder zusammenziehen. Dies ist aber immer nur eine momentane Lösung, die den chronischen Kreislauf in Gang hält. Für die meisten Menschen sind die gefäßzusammenziehenden Stoffe kein Problem. Für Migräniker aber ist das die Grundlage für ewiges Leiden.

Bevor ich mit dem Migräne Projekt begonnen habe, habe ich überlegt, ob ich mir das antun möchte: durch diesen Entzug gehen, ohne Triptane leben und dann noch auf meinen geliebten Kaffee verzichten. Diese Gedanken hat wahrscheinlich jeder. Die Wahrheit ist aber, dass es da nicht viel zu entscheiden gibt: wer seine Krankheit überwinden will, muss etwas dafür tun. Krankheiten fordern immer einen Preis, und meiner Ansicht nach ist eine Diät, die funktioniert, ein geringer Preis.

Was also kommt auf einen zu, wenn man all diese gefäßverengenden Dinge mit einem mal weg lässt? Jepp, Migräne. Die durch chemische Stoffe zusammengehaltenen Gefäße weiten sich entsetzt und gehen erst einmal in ihren natürlichen Zustand, den Zustand, den man seit Jahren mit sich herumgeschleppt hat: einen entzündeten. Aber der Körper hat wunderbare Selbstheilungskräfte. Lassen wir also die Entzündung von alleine abklingen, dann ist der Heilungprozeß eingeleitet. Wie lange dauert das? Dr. Buchholz meint in seinem Buch dass es bis zu 14 Tagen dauert. Ich denke, das ist zum einen sehr personenabhängig, zum anderen liegt es aber auch daran, wie intensiv man in dem oben beschriebenen Abhängigkeitskreislauf steckt. Wer fast täglich Schmerzmittel nimmt hat natürlich einen intensiveren chemischen Prozeß im Körper zu kurieren als jemand, der nur ab und zu auf Schmerzmittel zurück greift.

Bei mir hat die ganze Chose nur ein paar Tage gedauert. Ich hatte gerade Zeit und nachdem ich das Buch gelesen hatte war ich entschlossen, sofort anzufangen. Vielleicht gab es einen Vorteil zu dem Zeitpunkt, zu welchem ich begonnen habe: ich war gerade in einer Phase zwischen zwei Migränen. Bei mir stellen sich die Migränen immer relativ regelmäßig ein. 5 Tage nach einer Migräne ist bei mir die Wahrscheinlichkeit immer relativ gering, gleich nochmal einen großen Anfall zu bekommen (obwohl es auch das schon gegeben hat).

Am ersten Tag hatte ich durchschnittliche Kopfschmerzen, dann kam die Migräne. Aber in ihrer intensiven Form dauerte sie dann auch nur 2 weitere Tage, so lange wie sonst auch immer. Danach wurde alles besser, obwohl ich sagen muss, dass es noch viele Tage danach ein langsames Abklingen gab, das sich dann Stück für Stück immer weiter in den Hintergrund bewegte. Ich persönlich habe also bei weitem keine 2 Wochen gebraucht, eine war mehr als genug.

Würde ich mich mit Urlaubstagen darauf vorbereiten? Ja, ich würde das tun. Es geht schließlich daraum, eine Abhängigkeit zu überwinden, die krank macht. Wer das ernst nimmt, kann nichts besseres für sich tun, als die Heilung gut zu organisieren. Für mich persönlich war das auch ein Anerkennen, dass ich etwas ändern will. Ich wollte vom ersten Tag an gut für mich sorgen, sodass die Heilungschancen möglichst gut sind. Ich habe mir ein paar Ibuprofen neben das Bett gelegt. Nicht dass die viel geholfen hätten, aber es war eine psychologische Unterstützung, um mich nicht ganz so ausgeliefert zu fühlen. Dann habe ich alles ums Bett herum aufgebaut, was ich irgendwie brauchen könnte. Meine Schlafbrille zum abdunkeln der Augen, Wasser, Handtücher, und so weiter. Für mich war auch hilfreich, dass ab und zu mal jemand nach mir geschaut und Mut zugesprochen hat. Ich weiß nicht wie es anderen geht, aber starke Migränen lösen bei mir stets ein art pessimistisches Elend aus. Es gibt einige dunkle Stunden während dieser Entzugsphase, aber ich kann allen, die es versuchen wollen nur sagen: steht es durch, es lohnt sich. Tut euch selber einen Gefallen und nehmt diese Chance wahr.

22 Antworten zu “Wie lange dauert die Entzugsphase und wie bereite ich mich darauf vor?

  1. molli September 1, 2011 um 23:15

    Das ist alles sehr ermutigend, was du schreibst. Ich will es auf jeden Fall auch selbst ausprobieren. Im Oktober kann ich zwei Wochen Urlaub nehmen, die habe ich jetzt dafür eingeplant.
    Die Zeit bis dahin will ich folgendermaßen nutzen:
    1. Ich habe schon seit ein paar Tagen mit der Diät begonnen. Das fällt mir nicht schwer, nur die Tomaten vermisse ich jetzt schon. Etiketten lesen bin ich schon gewöhnt, weil ich mich seit Jahren schon fast nur von selbstzubereiteten Speisen ernähre, ich kaufe fast nie irgendwelche Sachen, die irgendwie aus Tüten oder Dosen stammen oder sonstwie vorbereitet sind. Nicht mal Kekse! Aber ich habe durch die Verbots-Liste aus dem Buch doch viel Neues gelernt, Zwiebeln hatte ich z.B. bislang nicht im Verdacht, oder Joghurt. Außerdem habe ich das Kaugummikauen eingestellt, dann es war Aspartam darin enthalten.
    2. Ich habe schon angefangen, meinen Kaffeekonsum einzuschränken. Als Unterstützung habe ich die Kaffeemaschine in den Müll geworfen. Ich lebe allein, und da ich ja nun bis an mein Lebensende keinen Kaffee mehr trinken darf, brauche ich sie nicht mehr. Jetzt brühe ich jeden Becher umständlich per Hand, das dauert länger und ist mir manchmal zu doof, – dann trinke ich eben keinen. Außerdem habe ich Zucker und sämtliche Süßstoffe aus dem Haushalt entfernt und trinke den Kaffee jetzt schwarz. So schmeckt er mir gar nicht, und ich trinke automatisch weniger. Beim Umsteigen auf Früchtetee habe ich festgestellt, dass sehr viele Sorten Zitronen- und Orangenschalen enthalten, die sind jetzt bestimmt auch verboten. Ich hoffe, dass ich meinen Kaffeekonsum bis Anfang Oktober so weit reduzieren kann, dass der endgültige Entzug dann nicht ganz so grausam wird.
    3. Sollte mich eine Migräne überfallen, nehme ich Triptane nur dann noch, wenn es sich um einen Arbeitstag handelt. An meinen freien Tagen werde ich mich ins Bett verkrümeln und das Elend über mich ergehen lassen. Ich habe unregelmäßige Arbeitszeiten, arbeite oft am Wochenende und habe dann zum Ausgleich freie Wochentage, und leider hatte ich meistens Migräne an meinen freien Tagen. Ich hatte bislang viel öfter Migräne als du, meistens ein- bis zweimal pro Woche (ein typischer Fall von „rebound“). Aber ich möchte meinen Triptan-Konsum in den nächsten vier Wochen schon mal ein bisschen reduzieren.

    Also, ich bin ganz hoffnungsfroh und auch extrem neugierig, wie es bei mir ausgehen wird. Ich werde mich hier gelegentlich wieder melden und berichten.
    Liebe Grüße
    molli

    • dasmigraeneprojekt September 2, 2011 um 11:14

      Hallo Molli,
      spannend! Ich freue mich darauf zu hören, wie es dir ergangen ist. Ja, das Umlernen und neue Routinen finden ist ein wenig aufwendig, wird aber nach einer Weile viel leichter. Einfach schon mal mit der Diät anfangen ist eine ganz gute Idee finde ich, dann weißt du wenigstens, dass du quasi mit dem Entzug schon deine Lebensmitteltrigger eleminiert hast. Ich weiß nicht, ob du das Buch schon ganz zuende gelesen hast. Falls sich so gar keine Erfolge einstellen wollen, dann ist die Stufe 3 eine sehr gute Chance, doch noch alles zum Guten zu wenden. Aber so wie du schreibst, leidest du unter klassischem rebound. Damit, würde ich sagen, sind deine Chancen auf prompte Besserung (wenn sich alles wieder beruhigt hat) ziemlich gut.
      Das mit dem Früchtetee ist ein Thema, das mich auch immer wieder beschäftigt. Ich habe mit einigen Kräutertees experimentiert, aber leider gibt es hier nicht so schöne wie in deutschen Bioläden. Und die meisten sind auch aromatisiert oder eben, wie du auch schreibst, mit Zitrus oder Orange versetzt. Manchmal trinke ich zum Frühstück einfach nur Apfelsaft.
      Jedenfalls: Ich wünsche dir viel Erfolg!
      Violetta

  2. Claudia Lutz Oktober 5, 2011 um 12:42

    Hallo!
    Ich komme soeben aus der Klinik – drei Wochen stationärer Entzug von Triptanen.
    Ich kann nur sagen, ich hätte das nie! zuhause machen können. Es ging mir immer wieder sehr schlecht und wäre ohne Pflege vor Schmerzen durchgedreht. Mir hat die Krankenkasse (den Grossteil) des Aufenthalts bezahlt. Ich habe sehr starke chronische Migräne, 15 Tag pro Monat mindestens. Ich empfehle echt, in eine Klinik zu gehen!

    • dasmigraeneprojekt Oktober 6, 2011 um 17:50

      Hallo Claudia,
      das ist sehr interessant, danke für deinen Kommentar. Ich glaube, es ist nicht so richtig bekannt, dass Triptane den gleichen rebound (ich weiß da gar kein deutsches Wort dafür…) Effekt haben können wie andere Schmerzmittel auch. Mich würde sehr interessieren, ob deine Migräne nach dem Entzug besser geworden ist und wie es jetzt für dich weitergeht, was so der Behandlungsplan ist.
      Viele Grüße
      Violetta

  3. Thomas Schneider März 1, 2013 um 07:06

    So einfach ist das nicht !
    Ich bin mal mit 4 Triptanen im Monat angefangen. Doch schon da trat bei dem Mittel eine Gewöhnung auf, anfangs war der Schmerz weg und kamm nicht wieder.
    Doch bald kamm es nach Stunden jedesmal zum Wiederkehrkopfschmerz.
    Dann Wechsel auf ein anderes Triptan.
    Das ging besser, doch im Laufe von 8 Jahren stieg der Verbrauch auf immer mehr Einnahmen im Monat, trotz versch. Prophylaxe.
    Entzug zu hause über 13 Tage brachte garnichts, auch am 13. Tag ließ der Schmerz nicht nach !
    Gern hätte ich länger gemacht, habe ich aber nicht ausgehalten.
    Kortison zu Erleichterung darf ich nicht nehmen.
    Und nun ???

    Gruß
    Tom

    • dasmigraeneprojekt März 2, 2013 um 12:00

      Hallo Tom,
      danke für deinen Beitrag. Was du jetzt machen solltest, weiß ich natürlich auch nicht. Auf jeden Fall klingt das sehr, sehr ernst.
      Ich weiß aber, was ich machen würde, wenn ich so Symptome hätte wie du. Erstens würde ich das Thema Migräne in meiner Prioritätenliste ganz nach oben setzen und mit dreizehn Ausrufezeichen versehen. Bei mir bedeutet das, dass ich nicht locker lasse, bis das Problem gelöst ist. Dann würde ich mir den besten Neurologen suchen, den ich finden kann. Jeden Arzt, der mit den Schultern zuckt und sagt, weiß ich nicht, müssen wir mal abwarten, würde ich sofort verlassen und mit einem anderen ersetzen. Ich würde auch ganz genau abchecken, ob ich einen Tumor oder irgend etwas anderes habe. Oder ob irgendwelche Medikamente, die ich nehme, die Migräne auslösen. Nebenher würde ich sofort alle Trigger absetzen, die bei Dr. Buchholz auf der Liste stehen. In erster Linie Koffein. Warum? Weil Koffein, ich habe es in einigen Artikeln beschrieben, für die Gefäße eine sehr ähnliche Wirkung hat wie Triptane. Es kann sein, dass deine Gefäße so dermaßen entzündet sind, dass Kaffee, Cola, Tee usw ausreichen, um den Kopfschmerz-Kreislauf in Gang zu halten. Wenn überhaupt gar nichts hilft, nicht mal die besten Uni-Ärzte in Deutschland, dann würde ich an die John Hopkins Universität nach Baltimore gehen. Die haben schon die verrücktesten Migränefälle geknackt und sind meiner persönlichen Ansicht nach international die besten, wenns um Kopfschmerzen geht.
      Was auch immer das richtige für dich ist, Tom, nachdem was du geschrieben hast ist zumindest eines klar: so kanns nicht bleiben und du musst einen Plan entwickeln. Welchen, kannst natürlich nur du selber wissen. Bei Leuten, die richtig krank sind, ist es ja immer das gleiche Elend: wir müssen am Ende selbst zu Spezialisten werden um kompetent entscheiden zu können, was für Unterstützung wir uns holen und ob die Unterstützung, die wir haben, die richtige ist.
      Allerbeste Grüße
      Violetta

    • Heike Weichler April 15, 2015 um 23:41

      Hallo Tom,

      ich weiß nicht, ob Du das hier noch jemals lesen wirst, mein Kommentar kommt ja über zwei Jahre später. Deine Problematik kenne ich zu genau, ich stecke in dem selben Dilemma. Wenn Du Kortison nicht nehmen darfst, funktioniert eine Infusion mit Doxepin (Antidepressivum zur Schmerzdistanzierung und macht wunderbar müde) und MCP (gegen die Übelkeit) hervorragend! Ich hatte das kürzlich in der Schmerzklinik in Kiel. Ich habe die Attacke fast komplett verschlafen und in den kurzen Momenten der Wachheit war da nur ganz entfernt ein Drücken im Hinterkopf wahrzunehmen. Ohne medikamentöse Unterstützung könnte ich auch keine Attacke mehr aushalten.

      Lieben Gruß,
      Heike

      • Thomas Schneider Februar 8, 2017 um 05:32

        Hallo Heike,
        lese es jetzt erst durch Zufall.
        Ja, in Kiel setzen sie AD als Infusion ein, neben Mitteln gegen Übelkeit.
        Mein Problem ist, das die 14 Tage Aufenthalt dort nicht reichen !
        Ich habe das zuhause ausprobiert, ich brauche wohl eine weit längere Pause.
        Nur geht das dort nicht, ich war ja ambulant schon dort.
        So schlage ich mich weiter mit Triptanen durch, ein furchtbarer Zustand.
        Mir konnte bisher keiner einen Plan machen.
        LG
        Tom

      • Heike Weichler Februar 9, 2017 um 02:23

        Hallo Tom,

        schön, dass Du meinen Beitrag noch gelesen hast.

        Es geht vielen so, dass sie mit der 14-Tage-Triptanpause nicht ausreichend zurecht kommen. Eine Möglichkeit wäre, gleich im Anschluss eine Reha zu machen. Ich glaube, das bietet zum Beispiel die Berolina Klinik in Löhne in Westfalen an. Oder gleich vier Wochen dort. Es geht ja in erster Linie darum, vier Wochen lang ohne Triptane zu überleben und entsprechend jederzeit eine Infusion bekommen zu können – und weniger um das Beiprogramm. Dazu gibt es in Kiel sicher auch Informationen. Dr. Heinze, der dort ambulant und prä- wie poststationär die Patienten betreut, hatte mir auch schon mal den Vorschlag gemacht.

        Alternativ könntest Du den Fall mal mit der Patientenberatung Deiner Krankenkasse besprechen. Also schildern, dass Du einen Entzug nicht vier Wochen ambulant machen kannst und was sie vorschlagen.

        Eine weitere Variante ist zum Beispiel die Multimodale Schmerztherapie der Asklepios Klinik Nord in Hamburg. Das Konzept ist ähnlich wie in Kiel, nur sind hier auch Patienten mit Rücken- oder anderen chronischen Schmerzen. Mir hat es dort aber besser gefallen als in Kiel. Es ist eine sehr gute Betreuung von ärztlicher und pflegerischer Seite, auch nachts sind immer Neurologen im Haus (in Kiel ja nicht), da es ein normales Akutkrankenhaus ist. Der Leiter hat selber Migräne, wenn auch leicht, und war auch Stationsarzt in Kiel. Kannst das ja mal googeln. Ich war dreimal dort und immer sehr zufrieden. Dort kannst Du auch drei Wochen bleiben.

        Was sonst vielleicht noch ein Trost ist: Ich nehme derzeit an einer Studie mit den ganz neuen Prophylaxemitteln teil, die einmal im Monat als Antikörper gegen den Neurotransmitter CGRP gespritzt werden. Das hilft SEHR GUT, auch bei chronischer Migräne. Vier Pharmaunternehmen sind derzeit in Phase III-Studien, mit etwas Glück kommt das erste Medikament aus dieser Klasse im nächsten Jahr auf den Markt. Ebenso wird in Phase III-Studien eine Triptan-Alternative getestet, Lasmiditan. Auch das kommt hoffentlich im nächsten Jahr auf den Markt und könnte, mit Triptanen im Wechsel genommen, vielleicht das elende Problem mit dem MÜK beseitigen. Auf jeden Fall jede Menge Hoffnung für uns alle.

        Viel Erfolg und lieben Gruß,
        Heike

      • Thomas Schneider Februar 9, 2017 um 02:42

        Hallo Heike,

        danke für die guten Tipps !
        Wo nimmst Du an der Studie mit den ganz neuen Prophylaxemitteln teil ?
        Ich habe mich dafür am UKE HH beworben, aber ob das klappt ?
        Auch müßte man gerade nicht in der Placebo- Gruppe sein, um profitieren zu können.
        Habe sensationelles von meinem Doc, eine seiner Patienten gehört.

        HG
        Tom

      • Heike Weichler Februar 9, 2017 um 02:48

        Hallo Tom,

        ich muss jetzt mal bis heute Nachmittag aus dem Haus und schreibe Dir dann ausführlich. Es gibt ja auch noch andere Studienorte, zum Beispiel Berlin. Ich melde mich…

        Bis nachher,
        Heike

      • Thomas Schneider Februar 9, 2017 um 03:04

        Nachtrag :
        Machen die in der Asklepios Klinik Nord in Hamburg auch Triptan- Entzug ?
        Wenn, wie läuft der ab ?
        Ich habe schon geschaut, aber nicht davon gelesen.

        HG
        Tom

      • Heike Weichler Februar 9, 2017 um 04:30

        Hallo Tom,

        ich mache meine derzeitige Studie mit dem Prophylaxe-Serum Galcanezumab des Herstellers Eli Lilly in Bielefeld und fahre dafür einmal im Monat von Hamburg aus hin.

        Die Studie in Hamburg findet ja im Clinical Trial Center North statt, dass auf dem Gelände des UKE liegt und auch mit denen kooperiert, aber eigenständig ist. Hast Du noch nichts von denen gehört? Es lief wohl eine TV-Sendung mit der Info, dass man dort an einer Studie teilnehmen kann und danach muss der Zulauf enorm gewesen sein. Ich würde an Deiner Stelle ruhig mal freundlich nachhaken. Soweit ich weiß, geht es um die selbe Studie von Lilly, an der ich auch teilnehme.

        Die Kieler sind auch in einigen Studien involviert. Da könntest Du im Sekretariat von Dr. Heinze auch mal Nachfragen, wie der Stand der Dinge ist und ob sie noch Probanden suchen.

        Käme denn nur Hamburg für Dich als Studienort in Frage?

        Die Firma Alder plant ebenfalls eine Studie in Deutschland, die haben das CTCN am UKE auch kontaktiert. Noch gibt es aber keinen Starttermin. Initiiert werden soll das Ganze aber wohl demnächst. Auch da könntest Du beim CTCN noch mal nachfragen. Es geht um die Studienmedikation Eptinezumab.

        Natürlich kann es sein, dass man in der Placebo-Gruppe landet. Aber bei allen Studien, die ich kenne, kann man eine Verlängerung machen und bekommt dann SICHER die Studienmedikation. Je nach Studie ein Dreiviertel Jahr oder sogar länger. Es lohnt sich also in jedem Fall.

        Die Asklepios Klinik Nord/Heidberg macht auch Triptanentzug. Dafür war ich ja da. Das ganze Beiprogramm brauche ich nicht. Die gehen da sehr individuell auf jeden Patienten ein. Es werden auch andere Schmerzmittel entzogen. Triptanentzug ist viel leichter als andere Substanzen. Wenn es Dir möglich ist, könntest Du also zum Beispiel drei Wochen stationär gehen, was wirklich okay ist, ich habe mich dort sehr wohl gefühlt. Und dann könntest Du versuchen, noch eine Woche ambulant zuhause zu machen, in dem Du mit Deinem Arzt absprichst, dass er Dir vielleicht ambulant Infusionen gibt. So dass Du irgendwie diese vier Wochen schaffen kannst.

        Lieben Gruß,
        Heike

      • Thomas Schneider Februar 9, 2017 um 04:43

        Hallo Heike,

        beim Clinical Trial Center North versuche ich gerade durchzukommen, der Andrang ist wohl groß.
        Ich bin flexibel, könnte auch woander hin fahren.
        Warst Du dafür schon aus dem MüK, bzw. muß man das sein ?

        Die Asklepios Klinik Nord/Heidberg macht dann Infus. welcher Art ?
        Kortison darf ich ja nicht.

        HG
        Tom

      • Heike Weichler Februar 9, 2017 um 06:52

        Ich bin jetzt nicht ganz auf dem Laufenden. Bist Du Chroniker oder Episodiker? Ich bin Morgen wieder in Bielefeld und kriege mein Serum gespritzt. Ich könnte fragen, ob sie noch Probanden suchen für die Studie. Es wird immer unterschieden, ob für Chroniker, also mit mehr als 15 Migränetagen im Monat, oder für Episodiker, da nehmen sie Leute mit vier bis 14 Schmerztagen im Monat. Ich fühle da gerne für Dich vor. Das ist das Neurozentrum in Bielefeld, eine Familienpraxis mit drei Neurologen. Sehr nett. Ich habe das gerne auf mich genommen die ganze Zeit. Wenn der Leidensdruck groß genug ist, kann man auch einmal im Monat von Hamburg nach Bielefeld reisen.

        Man darf für die Studie im MÜK sein, war ich auch. Aber ich würde sehr empfehlen, nach Möglichkeit VORHER eine Triptanpause zu machen, weil man dann viel besser vom Wirkstoff profitieren kann.

        Die Asklepios Klinik gibt dann Doxepin 25mg und MCP 10 mg als Infusionen, nach Bedarf bis zu dreimal am Tag.. Wirkt wunderbar, man schläft fast die ganze Zeit. Ich habe gerade am letzten Wochenende eine Pause gemacht. Mir hilft schon, wenn ich mal EINE Attacke mit Infusionen durchstehe. Ich habe das Glück, dass mir da ein Arzt aus der Nachbarschaft und seine Frau, Krankenschwester, geholfen haben. Die Frau hat mir eine Braunüle gelegt und drei Infusionen vorbereitet, mein Mann hat mir dann die Infusionen gelegt. Ist ja kein Hexenwerk. Bei der zweiten Infusion war der Zugang leider verstopft. Normalerweise kommt da so ein Plastikstäbchen rein, damit genau das nicht passiert. Der Arzt hat dann den Zugang mit Kochsalzlösung nachgespült, dann ging’s wieder. Sonst muss man halt einen neuen Zugang legen. Ich brauchte diesmal aber auch nur zwei Infusionen. Aber das passiert in der Klinik alles nicht, da sind sie ja bestens ausgerüstet.

        Lieben Gruß,
        Heike

      • Thomas Schneider Februar 9, 2017 um 07:10

        Hallo Heike,

        super Info, danke Dir !

        Bei mir wurde jettzt zuletzt von chr. Migräne gesprochen, ich erfülle die Kriterien wohl dafür.
        Es wurde über die Jahre immer schlimmer, ich nehme die Triptane ja schon lange.
        Wäre klasse, wenn Du dort mal anfragst.

        Doxepin hilft so gut gegen den Schmerz ?
        Erstaunlich, weil als Tbl. vorbeugend hat es mir nicht geholfen, Saroten auch nicht.

        Wäre es möglich, das wir gelegentlich mal tel.?
        thom-62@gmx.de

        Herzlichen Gruß,
        Tom

  4. Mira Dezember 22, 2015 um 05:19

    Hallo Violetta

    Ich hoffe du liest diese Kommentare noch und kannst dazu Feedbacks geben. ich stehe unmittelbar vor einem Entzug bevor. Nach Silvester nehme ich das in Angriff. Ein guter Zeitpunkt, da ich Ferien habe. Ich nehme mittlerweile fast jeden Tag Triptane und bin sehr eingeschränkt.

    Lebst du immer noch Kopfschmerzfrei??

    • Violetta Dezember 22, 2015 um 14:29

      Danke für deinen Kommentar! Obwohl mir die Diät sehr geholfen hat, lebe ich nicht migränefrei. Tja, schön wärs. Ganz im Gegenteil, im Laufe der Jahre hat sich die Migräne langsam aber sicher verschlimmert. Ich denke aber, dass mich das Meiden der Lebensmitteltrigger (hinzugekommen sind Histamine und Tannine) vor der totalen chronischen Migräne gerettet haben. Trotzdem kämpfe ich jeden Tag. Ich hatte besondere Verschlimmerungen zwei mal, nachdem ich wegen einem verklemmten Ischias mit einem Opiat behandelt wurde. Meine Migränetage sind danach sprunghaft angestiegen. Ich hoffe, dass ich dir jetzt nicht den Mut genommen habe. Aber wie du vielleicht anderen Kommentaren in meinem Blog entnehmen konntest hat der Buchholz Ansatz vielen Menschen geholfen. Wichtig ist einfach, nicht aufzugeben und weiterzusuchen. Es gibt viele Ansätze und viele können helfen. Ich drück dir die Daumen. Melde dich doch mal, wie es so läuft.

  5. Lars Januar 20, 2016 um 02:08

    Liebe Violetta,

    Erst danke für diese tolle Webseite. Es hilft sehr seinen Körper zu verstehen als nur die Mittel zu schlucken die die Schulmedizin verschreibt. Deine Studien geht weit über das hinaus was hier in meiner Stadt sog. Neurologen und kopfschmerzkliniken zu bieten haben. Es ist erschreckend mit welcher Oberflächlichkeit und Leichtigkeit das Thema Migräne abgetan wird.

    Ich hätte jedoch 2 fragen zum Thema. Gefässverengung:

    1.es leuchtet ein, dass die „chemische“ Verengung der Gefäße (durch Koffein oder Triptan) nur kurzfristig anhält und nach Abklingen der Wirkung sogar das Gegenteil bewirkt, zusätzlich zum abtrainieren der gefässeigenspannung. Doch noch eine Frage, wie mag es sich mit „physikalischer“ Unterstützung verhalten ? Bei mir lindert ein eng gebundenes Kopftuch o. Stirnband und vor allem Abbrausen des Kopfes mit eiskaltem Wasser den Schmerz sofort. Doch kann es sein, das ähnlich wie beim Kaffee, nach Abklingen der gefässverengenden kälte, die Gefäße wieder aufmachen und die Migräne auslösen ? Wie sind da deine Erfahrungen ?

    2. da ja Sauna/Dampfbad bekannt ist die Gefäße zu trainieren, sollte sowas doch (nat. nur an schmerzfreien Tagen) als prophylaxemassnahme empfehlenswert sein. Was meinst du ?

    • Violetta Januar 20, 2016 um 11:57

      Danke für deinen interessanten Kommentar. Tja, das mit den Gefäßen ist so eine Wissenschaft für sich. Deine Erfahrung mit dem Druck oder Gegendruck am Kopf kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen – manchmal verschafft auch mir das Linderung, wobei diese Linderung auch seine Grenzen hat. Ein Wundermittel war das für mich bisher nicht. Ich habe das aber in amerikanischen Blogs häufig gelesen, dass sich Migräniker Tücher um den Kopf binden. Das ist eines dieser wunderbaren Rätsel, es funktioniert, manchmal und bei manchen zumindest, aber keiner weiß warum. Das mit der Sauna habe ich nicht nicht gehört. Ich weiß aber, dass sehr viele Migräniker sensibel auf Hitze reagieren und diese nicht gut abhaben können. Für manche ist Hitze ein Trigger. Ich denke, bei allen Maßnahmen gilt: auf den eigenen Körper hören und dem folgen. Wir sind alle unterschiedlich. Beste Grüße !

      • Lars Februar 3, 2016 um 13:37

        Danke für dein Feedback, hab in der Zwischenzeit auch mit dem coffein-Entzug angefangen. Seit 3 Wochen nun keinen Kaffee, Cola oder Triptane. Habe zwar noch immer ca. 1x die Woche Migräne, ABER ich empfinde sie schwächer und vor allem wirkt es etwas was seit Jahren nicht mehr gewirkt hat: Schlaf ! Zum ersten Mal seit 2 Jahren scheint der Körper wirklich wieder sich selbst zu heilen. Vielen Danke für deine tolle Seite ohne die ich wahrscheinlich weiterhin versucht hätte mit Unmengen cola und Medikamenten die Schmerzen zu lindern.
        Nur eine Frage habe ich noch: an beruflich. Stressigen Tagen komme ich leider noch immer nicht ganz ohne Schmerzmittel aus, Triptane habe ich im noch Schrank, jedoch nur für absolute Notfälle. Mittlerweile habe ich „Aspirin Migräne“ in der Apotheke empfohlen bekommen, da dies wohl trotz der migränetypischen magenblockade aufgenommen wird. Wirkt zwar trotzdem erst nach 2-3h hält aber lange bzw. endgültig an. Nun erwähnst du oben den rebound Effekt von Schmerzmitteln. Ist damit Aspirin auch gemeint ? Ich meinte gelesen zu haben lediglich „gefässverengende“ Mittel würden die Gefäße 1. wieder in deine schmerzrückkehr treiben und 2. ihre Spannkraft ab-trainieren ?

      • Violetta Februar 3, 2016 um 20:10

        Das ist toll zu hören, ich freue mich, dass es dir besser geht.
        Nach allem, was ich gelesen habe, ist Aspirin noch die beste Lösung. Aspirin Migräne war auch immer mein Mittel der Wahl. Wirkung nach 2-3 Stunden, das ist aber lange. Du könntest darüber nachdenken, ein Mittel gegen Übelkeit zusammen mit Aspirin zu nehmen. Das kann die Aufnahme verbessern. Inwieweit man mit Aspirin in den Rebound rutschen kann weiß ich auch nicht. Der Mechanismus wäre dann aber ein andere als der, den du gerade mit deinem Entzug bekämpft hast. Die schlechteste Lösung ist mit Sicherheit Paracetamol, weil es extrem toxisch ist und die ganze Biochemie aus dem Ruder wirft.
        Ich wünsche dir, dass alles so gut bleibt!

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