Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Wenn der Ernährungsansatz nicht (genug) hilft

Zugegeben, ich bin mittlerweile ein wenig manisch geworden. Mein subjektiv als durchschlagend empfundener Erfolg mit der Migränediät hat dazu geführt, dass ich meine Erwartungen sehr, sehr weit nach oben geschraubt habe. Es reicht mir nicht mehr, nur noch halb so oft wie früher Migräne zu haben. Ich will mehr, oder anders herum: gar nicht mehr. Ich hatte lange, schmerzfreie Phasen, in welchen es sich angefühlt hat, als wäre die Migräne weg, besiegt, für immer. Ein so ungewohnt wie wunderbares Gefühl von Unbeschwertheit und Freiheit. Und das nicht nur im Kopf, das ganze Leben fing an sich zu drehen und zu wenden. Die Migräne trat immer weiter in den Hintergrund, ich dachte immer weniger an sie, vergaß sie gar an einem Punkt. Selbst der geschätzte Lebenspartner fragte nicht mehr alle paar Tage, was denn mein Kopf so mache. Ich fühlte mich so frei, dass ich die Prophylaxe, die ich lange vor dem Migräne Projekt begonnen hatte, absetzte. Es war natürlich nicht so, wie ich gehofft hatte, dass eine Prophylaxe im Zusammenhang mit der Migräne Diät bei mir keinen Unterschied macht.

Fast einfältig kommt mir das jetzt vor. Nicht umsonst schreibt Dr. Buchholz, dass Prophylaxen die Migränegrenze nach oben verschieben und sie deshalb ein excellentes Mittel sind, wenn die Diät alleine nicht oder nicht gut genug hilft. Ich denke, ich wollte einfach alles, was mit Migräne zu tun hat auf einmal loswerden und mit allem nichts mehr zu tun haben. Nachdem nun das Propranolol aus meinem System entfernt war, sackte meine Migränegrenze wieder Stück für Stück nach unten. Migränen wurden häufiger und stärker. Aktuell fühlt es sich so an, als hätte ich wieder einen stabilen Migränerythmus. Es ist bestimmt nicht so häufig wie früher. Aber. Ich muss sagen, so gefällt es mir nicht. Da ist wieder diese Labilität, viele Tage, an welchen ich dieses Ziehen in meinem Kopf habe, dieses es könnte eine Migräne kommen, begleitet von Zerstreutheit und leichtem Unwohlsein. Da gibt es auch wieder starke Migränen ab und zu, so stark, dass ich wiederholt nach Triptanen gegriffen habe. Ich überschreite die von Dr. Buchholz angesetzte Grenze von zwei Anwendungen im Monat nicht, aber ich wollte eigentlich ganz und dauerhaft davon wegbleiben. Ich spüre den „rebound“ Tage danch, auch wenn er bei mir immer schwach und eher im Hintergrund war und immernoch ist. Ich habe auf diesem Level zwar eine Besserung – aber ich komme nicht an den Punkt, wo ich eine gewisse innere Ruhe habe und richtig dauerhaft Kraft schöpfe.

Kurz zusammengefasst: Ich bin trotz allem Erfolgs extrem unzufrieden. Und so habe ich schweren Herzens die Entscheidung getroffen, doch wieder mit einer Prophylaxe zu beginnen. Ich beginne wieder mit dem Propranolol, allerdings auf einem niedrigen Niveau, hoffe, dass das zusammen mit der Migränedät ausreicht, um Häufigkeit und Intensität der verbliebenen Migränen zu minimieren. Zusätzlich nehme ich Melatonin, das ist unser Schlafhormon. Es gibt wenige Studien über Melatonin und natürlich hier wieder widersprüchliche, aber eine Studie hat extreme Verbesserungen für Migräniker aufgezeigt, die Melatonin als Prophylaxe geommen haben. Ich habe das mit meinem Arzt abgesprochen, der keinerlei Bedenken hat. Ich weiß, dass man da in Deutschland aus irgendeinem Grund wieder kompliziert ist, aber egal. Hier gibt es das Zeug billig im Supermarkt und ich schlafe extrem gut damit und wache wunderbar erholt auf, deshalb wird das jetzt erst mal Teil meiner neuen Prophylaxestrategie sein. Das entlockt mir doch ein großes Seufzen. Einmal Migränikerin, immer Migränikerin, so ist das.

2 Antworten zu “Wenn der Ernährungsansatz nicht (genug) hilft

  1. Tina November 26, 2011 um 02:38

    Hallo Leidensgenossin, habe zufällig vor einigen Wochen Deinen Blog entdeckt und die Artikel gelesen.
    Schade, dass Du seit Ende Oktober nichts mehr über Deine Fortschritte oder Rückschläge geschrieben hast. In vielen Deiner Artikel finde ich mich – auch mit meiner Migränegeschichte – wieder. Da bei mir die Migräne hormonell bedingt ist, habe ich jetzt – nach vielen anderen erfolglosen Versuchen – angefangen, bioidentische Progesteroncreme (in Deutschland verschreibungspflichtig, in USA nicht) zu nehmen, da durch Hormontests ein Progesteronmangel festgestellt wurde und damit einhergehend ein hormonelles Ungleichgewicht (Östrogendominanz). Progesteronmangel ist nicht nur ein Thema für Frauen in der Pre-Meno- oder Menophase; das kann auch schon früher der Fall sein. Bisher habe ich (ich nehme seit 6 Wochen Progesteroncreme) noch keine Verbesserung bemerkt; aber es heißt auch, erst nach 2 bis 3 Monaten stellt sich der Körper um.
    Vielleicht ist das ein Tipp für die ein oder andere Migränegeplagte. Wer sich dafür interessiert, sollte nach „natürliches Progesteron“ googeln. Es gibt auch Bücher dazu und Ärzte/Heilpraktiker, die sich damit beschäftigen. Also auch ich probiere und ziehe immer wieder aus die Migräne (bin seit mehr als 20 Jahren Migränikerin mit mittlerweile 4 bis 8 Anfällen pro Monat) zu besiegen.

    • dasmigraeneprojekt November 28, 2011 um 10:20

      Hallo Tina,
      an dem Thema Progesteroncreme habe ich mich auch schon versucht. Es ist tatsächlich interessant, dass dieses Thema Premenopause so wenig beachtet und kommuniziert wird. Zum Beispiel auch im Zusammenhang mit dem Thema Migräne, aber eben auch die vielen anderen Symptömchen, die damit so einher gehen: Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Veränderung der Sexualität etc. Dr. Buchholz hat auch einen Abschnitt dazu geschrieben, er meint, dass solange man die Progesteroncreme nimmt, man mit vermehrten Anfällen rechnen muss. Wenn dann aber der Hormonspiegel wieder ausgeglichen sei, wäre alles wieder ok. Ich muss es nochmal nachlesen, vielleicht schreibe ich mal einen Beitrag dazu. Danke für die Anregung.
      Violetta

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