Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Migräne und Sport – Der Migräne davonlaufen? Ein Gastbeitrag von Alex

Wer von uns träumt nicht davon: von heute auf morgen die Migräne, so wie sie einst kam, auch wieder los zu sein. Unmöglich? Ich möchte mit diesem Beitrag berichten, wie ich durch tägliches, einfaches Walking meine Migräne losgeworden bin. Hier ist meine Geschichte.

Ich leide seit 2003 unter Migräne. Nach einer leider vorzeitig geendeten Schwangerschaft bekam ich bereits im Krankenhaus den ersten Anfall, den ich damals als solchen noch gar nicht wahrnahm. Nachts wurde ich wach, der Nacken schrecklich verspannt, der Kopf pochend. Die ungeduldige Nachtschwester, hielt mich wahrscheinlich nur für anstrengend, gab mir dann ein Schmerzgel um den Nacken einzureiben und rauschte aus dem Raum. Das war der Startschuss für meine Migränekarriere.

Von da an besuchte sie mich regelmässig und ich ging zum Arzt. Die Gefäße am Hals wurden per Doppler-Sonografie untersucht. Kein Befund. Ein Hirn-MRT wurde gemacht. Ebenfalls nichts. Ich zuckte die Schultern, nahm Migralave, Paracetamol oder auch mal ein Schmerzmittel mit Koffein drin und hielt die Anfälle damit in Schach. Denn zu Beginn waren sie noch leicht, vielleicht 1-2 mal pro Jahr auch mal schwer und mit Übelkeit verbunden.

Das änderte sich im Laufe der Zeit jedoch. 2007 erreichte die Migräne ihren Höhepunkt, sie kam nun nicht mehr während oder kurz nach der Periode in moderater Form, sie kam auch noch einmal in der Mitte des Monats, diesmal mit Übelkeit und Erbrechen verbunden.

Ich ging zu einer Heipraktikerin und liess mich mit Tees und Akupunktur behandeln. Die Anfälle gingen zurück, aber einmal pro Monat kam die Migräne immer noch, mal mit, mal ohne Übelkeit, immerhin weniger heftig, aber doch so lästig, dass ich immer alles um diese Tage herum planen musste.

Im Sommer 2008 musste ich eine sehr schwere, unangenehme Trennungsphase verarbeiten. Ich hatte ständig das Gefühl mir fällt die Decke auf den Kopf, ich hielt es in der gemeinsamen Wohnung nicht mehr aus. So begann ich im Park gegenüber zu walken. Ich begann mit 35 Minuten und steigerte das auf täglich 70 Minuten.

Jeder Rentner mit Nordic Walking Stöcken war schneller als ich, ich legte keine sportliche Glanzleistung hin, aber ich wanderte regelmässig flotten Schrittes durch die Natur und merkte wie alles irgendwie in Fluss kam. Nach einem Monat fiel mir auf, dass ich gar keine Migräne bekommen hatte. Auch nach 2 und 3 Monaten nicht. Nichtmal Kopfschmerzen. Stattdessen lief ich und lief und fühlte mich gut und hatte nach 4 Monaten 20 Kilo abgespeckt.

Mein Kopf war frei wie nie.

Das alles schob ich auf die Trennung und nicht auf die Bewegung, denn das davon die Migräne weggehen sollte, hatte ich noch nie gehört. Im Gegenteil, wenn ich Migräne hatte war jeder Schritt zuviel. Ich war kraft- und energielos.

Die Migräne blieb weiterhin weg. Insgesamt 13 Monate. Dann begann ich in einem neuen Job zu arbeiten. Ich hatte Stress, begann massenhaft Kaffee zu trinken und lief nicht mehr. Die Migräne kehrte schon nach 1 Monat im neuen Job zurück. Heftig und mit Übelkeit, nur schlafen und Tabletten halfen. Ich wechselte in eine andere Firma. Noch mehr Stress, noch mehr Kaffee, noch weniger Zeit für mich und keine Lust mehr auf Sport. Die Migräne kam nun häufiger. Ich nahm immer mehr freiverkäufliche Tabletten, die immer nur einen Anfall lang halfen, dann wieder nicht mehr.

Irgendwann stand die Entscheidung an so weiterzumachen und wahrscheinlich durchzudrehen oder jetzt grundsätzlich etwas zu verändern. Und jetzt erst wurde mir klar, dass der Sport und meine Migräne irgendwie zusammen hängen mussten. Dass die neue Ernährung aus Kaffee und Fastfood nicht wirklich gesundheitsförderlich sein konnten, gestand ich mir auch endlich ein.

Meine Ärztin schrieb mich erstmal krank und ich begann wieder ab und an zu laufen. Meinen Job kündigte ich und machte mich selbstständig.

Die Anfälle die ich heute habe sind heftig, aber nicht mehr mehrmals im Monat. Wenn der Schmerz langsam losgeht laufe ich meist eine Stunde und lege mich danach hin, mache mir selbst eine Akupunktur oder nehme ein paar Kräutertabletten. Die Migräne entwickelt sich dann oftmals nicht weiter. Schmerztabletten nahm ich zuletzt Anfang Oktober 2011.

Ich hatte dann von Anfang Dezember 2011 (sehr schwerer Anfall) bis Ende Januar 2012 (ebenfalls schwerer, aber kurzer Anfall) Ruhe, das gab natürlich Anlass für viel Hoffnung auf grundsätzliche Heilung, die sich aber vor 3 Wochen wieder zerschlug. Der letzte Anfall Ende März legte mich 3 Tage lahm und bescherte mir weitere 2 Wochen mit immer wiederkehrendem Kopfschmerz und Übelkeit.

Dass ich momentan eine Hormontherapie mache, ist natürlich keine optimale Voraussetzung für die Migräne. Ich halte diesen Faktor für den Haupttrigger, der zusammen mit anderen Triggern (Kaffee, Schmerzmittel, Stress, Fastfood, Wetter, Zyklus) die Migräne weiter am Leben erhält.

Ich denke aber trotzdem, dass man der Migräne mit moderater, sehr regelmässiger Bewegung beikommen kann und die Anzahl der Anfälle und deren Heftigkeit betreffend auf jeden Fall Verbesserungen erzielen wird.

Statt freiverkäuflicher Medikamente habe ich mir Novaminsulfon verschreiben lassen, gegen die Übelkeit habe ich Zäpfchen bekommen. Momentan betreibe ich also Schadensbegrenzung solange ich nicht den Hormontrigger ausschalten kann. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass die Migräne sich aktuell wieder zum besseren verändert, was ich auf den niedrigeren Stresspegel und die vermehrte Bewegung zurückführe.

Ich bin gespannt ob ich es so doch noch schaffe die Migräne irgendwann ganz los zu werden, indem ich ihr einfach davonlaufe.

6 Antworten zu “Migräne und Sport – Der Migräne davonlaufen? Ein Gastbeitrag von Alex

  1. Sal Kaye April 20, 2012 um 05:10

    Hallo.

    Ein sehr interessanter Gastbeitrag, vielen Dank dafuer. Ich glaube, ich mache aehnliche Fehler wie hier beschrieben. Ich ernaehre mich schlecht und ausser dreimal Gassigehen am Tag bewege ich mich kaum. Nun will ich das aendern und wieder Sport machen. Der Anfang ist aber verdammt schwer.

  2. Alex Mai 6, 2012 um 07:48

    Hallo Sal,
    ja, der innere Schweinehund ist schon oft so eine Sache. Und Migräne macht (zumindest mich) auch auf Dauer lustlos und schlapp.

    LG

    Alex

  3. Alex Mai 6, 2012 um 07:53

    Maria fragte: „Jeden Tag walken? Nordicwalken oder ohne Stöcken? Und wielange täglich bist du gelaufen?“

    Wenn man es zeitlich einrichten kann, ist jeden Tag Bewegung ideal. Nach einer Weile wird man sowieso regelrecht süchtig. Ich habe festgestellt, dass mein Körper sich nicht nur (leider) daran gewöhnt faul zu sein, auch an Bewegung gewöhnt er sich und fordert sie nach 1-2 Wochen regelmässigen Laufens regelrecht ein.

    An dem Punkt bin ich aber leider noch nicht wieder. Muss mich momentan auch quälen.

    Ich laufe ohne Stöcke, weil ich das mit den Stöcken einfach doof finde. kann man aber sicher auch machen, warum auch nicht. Angefangen habe ich damals mit 35 Minuten täglich und hab dann die Runde erweitert. Für die große Runde brauchte ich zunächst 70 Minuten, später dann nur noch 50 Minuten.

    VG

    Alex

    • Maria Raum Mai 7, 2012 um 02:14

      Hallo Alex,
      erst mal vielen Dank für die Rückmeldung.
      Meine Migräne hat im Jahr 2000 nach meiner 4.Schwangerschaft ( die 1. mußte ich leider auch abbrechen, weil mein ungeborenes ein sehr starke Behinderung hatte ) begonnen, hat bei mir auch was mit Hormonen zu tun.
      Mit walken meinst du einfach strammes Spazierengehen ohne die Armbewegungen?
      Was mich noch interessieren würde, was für Kräutertabletten sind das?
      viele Grüße,
      Maria

  4. Alex Mai 9, 2012 um 04:16

    Hallo Maria,
    genau ich meine strammes Spazierengehen. Armbewegungen mache ich automatisch, manchmal auch absichtlich angewinkelt, aber nicht die ganze Zeit.
    Die Tabletten die ich nehme sind eine gepresste Rezeptur aus der Chinesischen Medizin. Ich bin ja Heilpraktikerin für TCM. Den Gang zu einem guten Behandler der mit Kräutern und Akupunktur arbeitet kann ich nur empfehlen. Bleibt mir momentan aber verweht, weil ich mich in einer Kinderwunschbehandlung befinde und gegen die dort gegebenen Hormone kann man nur begrenzt was machen. Vieles darf man auch, genau wie in der SS, dann gar nicht geben.

    Aber nach der SS natürlich wieder in vollem Umfang.

    VG

    Alex

    • Maria Raum Mai 10, 2012 um 03:45

      Liebe Alex,
      ok, vielen Dank erst mal. Ich wünsche dir viel Erfolg mit deiner Schwangerschaft!
      viele Grüße,
      Maria

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