Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Abschied vom Migräne Count und vom Kopfschmerztagebuch

Seit einer ganzen Weile überlege ich, was ich an meinem Blog ändern sollte. Ich blogge immer seltener, was ein klarer Ausdruck dafür ist, dass es an der Zeit für eine Veränderung ist. Den ersten Schritt, den ich gehen möchte ist, meinen Migräne Count hier im Blog und mein Kopfschmerztagebuch zuhause abzuschaffen. Irgendwie spiegelt das alles nicht mehr richtig meine Migränewelt wieder. Ich werde mal versuchen, das zu erklären.
Ich mache die Migräne Diät jetzt seit Anfang letzten Jahres. Viel hat sich geändert seitdem, ich bin weit gekommen und finde, dass unter dem Strich die ganze Sache eine großer Erfolg für mich war und ist.

Vor über zehn Jahren habe ich angefangen, ein Kopfschmerztagebuch zu führen. Es war mein Migräne-„Coming-Out“, als ich mir selber eingestanden habe, dass ich da ein Problem habe, um das ich mich mal aktiv kümmern sollte. Das genaue dokumentieren, wann ich Kopfschmerzen hatte and wie intensiv die Kopfschmerzen waren, war ein wichtiger Prozess der Bewußtwerdung. Als ich mir damals die Ergebnisse der ersten Monate angesehen habe, habe ich nicht schlecht gestaunt: „Oh,“ dachte ich. „So oft habe ich Kopfschmerzen? Ist mir gar nicht aufgefallen.“

Die Belege meines Leidens waren auch wichtig, um Ärzte zu überzeugen. Manche Ärzte damals kniffen ein wenig skeptisch die Augen zusammen. Ich fühlte förmlich, wie sie mich auf ihrem Bewertungsraster hysterischer Simulantinnen einschätzten. Einer hat es mal ganz direkt gesagt: „Ich denke, sie sollten eine Psychotherapie in Betracht ziehen.“ Heute wissen wir, dass Migräne eine genetisch vererbte neurologische Störung ist. Die Störung ist eine chemische, keine psychologische (Dieses Thema steht übrigens auch noch auf meiner Artikel-Liste).

Dr. Buchholz hat in seinem Buch geschrieben, dass er denkt, man solle kein Kopfschmerztagebuch führen. Man würde sich zu sehr auf die Migräne konzentrieren als auf die migränefreie Zeit. Das Ziel wäre es, dass die Migräne in den Hintergrund rücke und eben ab und zu in mehr oder weniger abgeschwächter Form auftrete.
Als ich das las, habe ich wahrscheinlich das einzige mal, als ich das Buch las laut ausgerufen: „Was? Was für eine blöde Idee, kommt gar nicht infrage. Ich brauche meinen Kopfschmerzkalender. Woher weiß ich sonst, wie oft ich Migräne habe und ob es besser oder schlechter wird?“

Jetzt – über 1,5 Jahre später hat sich das von ganz alleine entwickelt. Ich habe immernoch meine Migränen. Aber so anders. Die meisten sind meine Mini-Migränen, über die ich schon viel geschrieben habe. Die nerven, aber sie sind nicht dramatisch und verschwinden dann auch wieder. Richtige peinigende Migränen sind selten geworden. Und selbst dann, wenn ich eine höhere Dosis Triptane nehmen muss, verschwindet der Anfall meist vollständig und ohne große Nebenwirkungen. Manchmal weiß ich nicht, ob eine Mini-Migräne jetzt wirklich aufgeschrieben werden sollte oder nicht. Die meisten habe ich nicht mehr aufgeschrieben. So ist über die Zeit die Migräne tatsächlich weiter in den Hintergrund gerückt. Ab wann ist jetzt eine Migräne noch eine Migräne, die ich aufschreiben soll? Sind vier Tage Mini-Migräne im Monat, die ich mit einem Ibuprofen beseitige wirklich vier Einträge in meinem Kopfschmerzkalender wert? Irgendwie nicht. Im Moment.

Ich habe das Gefühl, ich kann so weiter leben und fühle mich migränetechnisch sehr frei. Und deshalb habe ich keine Lust mehr, mich jeden morgen als allererstes hinzusetzen und zu überlegen: Habe ich jetzt Kopfschmerzen oder nicht? Setze ich meinen Zähler kopfschmerzfreier Tage hoch? Ich möchte morgens gar nicht mehr an meinen Kopf denken. Ich möchte meinen Anhang im Bett neben mir knutschen und dann frühstücken. Fühlt sich besser an.

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