Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Nie mehr Kaffee – 1,5 Jahre später

Nie mehr Kaffee ! ? ! Kein schwarzer oder grüner Tee? Ausgeschlossen.
So oder so ähnlich reagieren wahrscheinlich viele, die sich das erste mal mit Dr. Buchholz Diät befassen. Für mich war das der einzige Moment an welchem ich überlegt habe, das Buch ganz schnell wieder in die Ecke zu schmeißen und auszusteigen. Kaffee—hmm, dieser warme, würzige Duft. Dieses dunkle Gebräu, das gerade uns Migräne-Menschen den Kopf so herrlich durchpusten kann. Darauf verzichten?

Aber mit der Migränediät ist es wahrscheinlich wie mit den Therapiebedürftigen, von welchen Freud behauptet hat, dass sie sich nur dann einer Psychoanalyse unterziehen würden, wenn der Leidensdruck hoch genug sei. Mein Leidensdruck war jedenfalls hoch genug. So hoch, dass ich zumindest gesagt habe: „Ok, ich versuche diese Methode und solage gibt es eben kein Koffein mehr. Später entscheide ich dann neu.“ Zur Angstreduzierung hatte ich noch andere, interssante Gedankengänge wie: „Vielleicht spielt Kaffee doch keine so große Rolle bei mir, wie bei anderen. Vielleicht kann ich ja ab und zu einen Kaffee trinken.“ Guter Trick. Aber egal, es hat funktioniert und ich habe die Diät begonnen.

Im Laufe der Diät habe ich festgestellt, welch zentrale Rolle Koffein bei Migränekranken spielt. Wenn man für ausreichend lange Zeit keinerlei Stoffe mehr zu sich nimmt, die Gefäße zusammenziehen (Kaffee, Tee, Cola, Schokolade, Triptane etc), dann entwickelt man eine interessante Sensibilität. Wenn ich jetzt ab und zu mal Triptane nehme, dann merke ich deren Wirkung noch tagelang nachdem ich sie genommen habe. Meine Hirnzellen werden nervös, ich spüre dann wieder, dass sie da sind und Signale aussenden. Nach dem Zusammenziehen und dann Ausdehnen versuchen sie, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Quietsch, qietsch.

Dr. Buchholz macht in seinem Buch unmissverständlich klar, dass Koffein für Migränekranke Gift ist. Das habe ich gar nicht gerne gehört. Das war wie: ab jetzt stehst du jeden morgen um vier Uhr auf, so wie die meisten Amis auch. Aber im Laufe der Zeit habe ich mich seiner Meinung angeschlossen. Er hat recht. Koffein ist Gift für Menschen mit Migräne. Wenn ich eine kaputte Leber habe, dann trinke ich auch keinen Alkohol und denke: Mein Wein schmeckt mir so gut, da will ich nicht drauf verzichten. Wenn ich Diabetes habe, dann fange ich auch nicht morgens zum Frühstück schon mit Schwarzwälder Kirsch Torte an. Es scheint uns geradezu absurd, so zu denken. Die Beispiele machen auch klar, wie schwer es uns fällt, Migräne als Krankheit anzuerkennen.

Seit ich mit der Migränediät begonnen habe, habe ich nur ein einziges mal Kaffee getrunken. Danach habe ich mich gefühlt, als hätte ich eine Überdosis Aufputschmittel genommen. Und dann die darauf folgenden Tage: ein Jahrmarkt im Kopf, hüpfende Flöhe und Autoscooter. Wow. Muss ich nicht so oft machen, habe ich dann ganz ohne Druck von außen beschlossen.

Nur ab und zu, manchmal, da stehe ich trotzdem neben dem geschätzten Lebenspartner, der sich gerade eine frische Tasse Espresso gebrüht hat und frage: „Kann ich mal deine Tasse haben?“ Während er mir stirnrunzelnd zuschaut stecke ich dann meine Nase in die kleine Tasse und atme ganz langsam, ganz tief ein. Bis er sagt: „He, gleich ist nur noch schwarzes Wasser drin.“

10 Antworten zu “Nie mehr Kaffee – 1,5 Jahre später

  1. Brigitte Knobel Juni 27, 2013 um 03:31

    Ich habe letzte Woche den Entzug von Relpax gemacht. Tag 5 ohne Migräne nach über 2 1/2 Jahren täglicher Migräne mit Einnahme von Relpax! Vielen lieben Dank für Deinen wertvollen Block, er hat mir sehr geholfen. Ich habe mir das Buch kommen lassen, habe trotz Übersetzungshilfen und etwas Englischkenntnissen Mühe vieles genau zu verstehen. Ist es beim Kaffe nur das Koffein? Kann ich koffeinfreier Kaffe trinken? Liebe Grüsse Brigitte

    • dasmigraeneprojekt Juni 27, 2013 um 11:59

      Da bekomme ich ja eine Gänsehaut, bei deiner Geschichte. Umwerfend toll, dass du das gemacht hast.
      Stell dich darauf ein, dass deine Hirngefäße noch ein paar Monate brauchen werden, um sich endgültig zu beruhigen. Ich würde auch von decaf abraten, denn es sind immer noch kleine Reste coffein drin. Ich schreib die Tage nochmal einen Post über Koffein, wollte ich sowieso tun.

  2. Martina März 24, 2014 um 10:14

    Ich verzichte jetzt seit sechs Monaten auf Kaffee, schwarzen Tee und alles andere mit Koffein. In der Drogerie ist mir jetzt löslicher Malzkaffee in die Hände gefallen, der zu 100% aus gemälzter Gerste besteht. Das dürfte doch keine Probleme verursachen, oder was meinst du? Mal abgesehen davon, dass es wohl nicht wie Kaffee schmecken wird, aber einen Versuch wäre es wert.

    • dasmigraeneprojekt März 24, 2014 um 13:27

      Malzkaffee hat kein Koffein, aber ist voll mit Glutamat. Da für die meisten Migräniker Glutamat ein starker Trigger ist, würde ich empfehlen, da extrem vorsichtig zu sein. Liebe Grüße.

  3. Iris Papp Oktober 2, 2014 um 13:12

    ja, aber…
    Meine zeitweise tägliche Migräne versuche ich möglichst medikamentefrei zu ertragen. Nur ab und an greife ich zu Ibuprofen oder Triptanen.
    Seit einigen Wochen bin ich stutzig geworden. Erst war es eine (selten konsumierte) Cola, die mir spontan und anhaltend gegen die Schmerzen half, dann fand ich heraus – mit starkem schwarzen Tee funktioniert es auch und last but not least – auch mit Kaffe.
    Vielleicht bestätigt ja nur die Ausnahme die Regel. Egal, jeder von Migräne Betroffene ist heilfroh etwas zu finden, das ihm hilft, oder?

    • dasmigraeneprojekt Oktober 2, 2014 um 14:46

      Solange das noch funktioniert, würde ich es wahrscheinlich auch so machen. Ich werde nie vergessen, wie ich vor vielen, vielen Jahren auf ner Messe war und Standdienst hatte und eine Migräne kam. Eine Frau hat mir empfohlen, ein großes Glas lauwarme, abgestandene Cola auf Ex zu trinken. Und es hat geholfen, zusammen mit Aspirin allerdings. Die Cola, bzw das Koffein haben einen ähnlichen Effekt wie die Triptane, sie ziehen nämlich deine schmerzenden Gefäße zusammen—und alles wird besser. Das Problem mit dem Koffein ist der Langzeiteffekt, nicht der unmittelbare. Es gibt Leute, die setzen Koffein komplett ab und haben damit ihre Migräne gelöst. Ich gehöre leider nicht zu dieser Gruppe. Nur eine Anmerkung noch am Rande: vorsicht mit dem Schmerzen ertragen. Je mehr Schmerzen du erträgst, desto schneller kann sich die Migräne dauerhaft einnisten. Und ich stimme dir zu: wir alle (müssen) experimentieren und schauen, was geht. Liebe Grüße!

  4. Patricia Lüning-Klemm November 6, 2014 um 02:04

    Ich möchte mich an dieser Stelle für die umfassende Bereitstellung von Informationen und für den Erfahrungsaustausch bedanken – seit vier Wochen verzichte ich auf Kaffee und grünen Tee ( 1 Liter am Morgen) – und habe seit vier Wochen keinen Migräneanfall zu verzeichnen.
    In der Vergangenheit traf es mich alle zwei bis drei Wochen jeweils 36 bis 48 Stunden mit all den Begleitsymptomen. Triptane halfen nur noch für ca. 8 Stunden, während sie früher den Anfall komplett stoppen konnten. Auch drei Wetterwechsel, die in der Vergangenheit auch oft zu einem Anfall führten, habe ich problemlos überstanden.
    Ein herzliches Dankeschön!
    Habe die Seite schon mehrfach weitergeleitet!

  5. Angelika August 15, 2016 um 02:06

    Seit ca 2 Jahren leide ich unter Migräne mit Angszuständen. Vermutlich ausgelöst durch einen Überdosis STRESS! Eine üble Sache. Mit der Zeit, stellte ich fest, das wenn ich Kaffee getrunken habe, eine Migräne ATTACKE, Angst, nicht lange auf sich warten lassen haben. Manchmal ging es mir tagelang schlecht. Schon der Gedanke an diese schlimme Zeit, machte mir Angst. Von Cola kann ich es jedoch nicht sagen…. bin auch da vorsichtig geworden… trinke bis heute Koffein freien Kaffee… aber dann irgendwie läst mich der Gedanke nicht los… dass da immer noch Koffein drin ist, und er manchmal für meine Angst, Unruhe verantwortlich ist!? Habe auch früher gerne, vor allem im Winter, Tees getrunken.. Schwarzen Tee. Jetzt geht es auch nicht mehr. Frage mich… wie kann es sein das man früher alles getrunken hat und keinerlei Probleme hatte, und jetzt, so plötzlich???

    • Violetta August 15, 2016 um 15:12

      Die Mysterien des Körpers. Mir ist dieser Effekt nicht unbekannt, dass plötzlich irgendetwas nicht mehr geht. Zuletzt massiv die Geschichte mit dem Schwefel, die ich mir nur so erklären kann, dass sich dieser genetische Defekt (CBS), den ich da entdeckt habe, plötzlich aktiviert hat. Man nennt das auf Englisch „to express“. Es gibt da viele Möglichkeiten. Falls du experimentierfreudig bist: Du kannst es bei Angst und Unruhe mal mit Niacin (harmloses Vitamin) in Form von Nicotinsäure (nicht Niacinamid oder andere) versuchen. Das hilft, die Catecholamine des Kaffees abzubauen. Ebendiese können Angstzustände auslösen. In 25mg Einheiten langsam aufstocken. Beste Grüße.

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