Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Sal Kaye erzählt von ihrer Migräne

Das hier ist der zweite Artikel der Serie: Erzähl deine Geschichte.
Mit dieser Serie lade ich andere Migräniker ein, von sich zu erzählen.
Vielen Dank an Sal Kaye, die in diesem Blogpost von ihrer Migräne berichtet.
Sal Kaye ist zu finden unter ihrer Facebook-Adresse: http://www.facebook.com/StillDarkAtHeart

1. Wie nennst du deine Migräne, welche Worte hast du dafür?

„Olle Migräne“

2. Seit wann hast du Migräne und wie hat sie sich über die Jahre verändert?

Mir ist erst im Sommer 2010 bewusst geworden, dass ich Migräne habe, nachdem ich bei dem ständigen extremen Wetterwechsel (heiß, kühl, Gewitter…) nur noch Schmerzen hatte und kaum aus den Augen sehen konnte. Ich bin daraufhin auch ziemlich bald zum Arzt gegangen und habe die Migräne diagnostizieren lassen.

In den Jahren zuvor litt ich vermutlich auch unter Migräne, da die Attacken aber seltener und weniger heftig auftraten, waren das für mich immer „starke Kopfschmerzen“ (die vllt. 1x im Monat auftraten und sich meist noch mit 2-3 Ibuprofen 400 behandeln ließen).

Irgendwann wurden die Attacken aber so schlimm, dass rezeptfreie Mittel nicht mehr halfen und ich regelmäßig zwischen 2 – 5 Tagen ausgeschaltet war. Zwischen den Attacken lagen plötzlich nur noch 2 oder 3 Tage Pause, dann ging es wieder los. Im Laufe der Zeit sind diese Attacken wieder weniger geworden, konkret seit ich beruflich die Abteilung gewechselt habe. Zur Zeit habe ich ca. alle 2 bis 3 Wochen Migräne, komme aber gelegentlich auch ohne Triptane aus, was früher gar nicht ging. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass ich zu Hause bin und nichts Anstrengendes zu tun habe, also viel ausruhen und liegen kann. Sobald ich auf der Arbeit oder unterwegs bin, habe ich keine Chance, die Stärke der Attacke zu beeinflussen.

3. Würdest du sagen, deine Migräne ist eine Krankheit?

Ja, eindeutig.

4. Wie bewältigst du Migräne-Attacken am Arbeitsplatz?

Ich bemühe mich darum, rechtzeitig meine Tabletten zu nehmen. Je nach dem, wie „rechtzeitig“ ich das hinbekomme, schließe ich mich 30+ Minuten auf der Toilette ein, setze mich auf den geschlossenen Deckel, schließe die Augen und hoffe, dass ich nicht umkippe oder mich übergeben muss.

Es kann aber auch vorkommen, dass ich mich krankmelden muss. Wenn es so weit kommt, ist es manchmal grenzwertig, da ich entscheiden muss, ob ich noch Autofahren kann oder nicht. Ich muss zugeben, dass ich mindestens einmal nach Hause gefahren bin, obwohl ich kaum etwas erkennen konnte, das war allerdings noch zu einem Zeitpunkt, als ich nur von einem Ende des Kaffs, in dem ich arbeitete, zum anderen fahren musste. Heute sind es 35 km und diese Strecke ist mit Migräne manchmal nicht zu bewältigen, weshalb mich auch schon eine Kollegin nach Hause gebracht hat.

5. Was und/oder wer hat dir am meisten geholfen, mit der Migräne umzugehen?

Als ich mir sicher war, dass ich wahrscheinlich unter Migräne leide, habe ich Ärzte in der näheren Umgebung gegoogelt. Bei einem stand ein kleiner Vermerk: „Hat mir kompetent mit meiner Migräne geholfen“ oder so ähnlich. Es handelte sich dabei um einen Internisten, der auch hausärztlichen Dienst anbietet. Da die Praxis keine 100 Meter von meiner damaligen Wohnung entfernt lag, bin ich dort hingegangen und kann die Bewertung aus dem Internet nur bestätigen. Ich wurde sofort ernst genommen, ausführlich beraten (sogar darüber, dass es bei Migräne noch viele unerforschte Unbekannte gibt) und er machte verschiedene Tests um auszuschließen, dass es irgendein anderes Problem sein könnte. Zuerst verschrieb er mir Sumatriptan, das war und ist für mich aber absolutes Teufelszeug. Nach der Einnahme geht es mir erstmal noch schlechter. Zwar lässt der Schmerz nach, dafür fühle ich mich aber so elend, dass ich trotzdem noch zwei Tage flachliege. Daraufhin empfahl der Arzt mir Maxalt, welches direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen wird und dadurch bei mir nicht so große Übelkeit auslöst. Gegenüber Sumatriptan würde ich auch sagen, dass die Wirkung von Maxalt bei mir gut 1-2 Stunden eher eintritt.

6. Was hat dir am wenigsten geholfen, mit der Migräne umzugehen? Was war der nutzloseste Ratschlag, den du jemals bekommen hast?

An sich sind aus meiner Sicht die meisten Hausmittelchen, die einem empfohlen werden, nutzlose Ratschläge. Asiatisches Öl auf die Schläfen reiben? Da wird mir noch übler von. Sich keinen Stress machen? Meditieren? Sport treiben? Mit Sport bringt man mich um, wenn ich Migräne habe. Jeder vernünftige Arzt rät einem davon ab, bei einer Migräneattacke auch noch sportlich aktiv zu werden (zumindest meiner). Aber der bescheuertste Rat war, ich solle meine Füße in Eiswasser stellen, weil dann das Blut aus dem Gehirn ja in die kalten Füße fließt. Ich als Frau habe noch nie erlebt, dass mein Körper jemals Blut in meine kalten Füße gepumpt hätte… 😉

 7. Was ist die absurdeste/lustigste/schrecklichste/denkwürdigste Situation, in die die Migräne dich gebracht hat?

Die schlimmste Situation war, als ich vor meinem Chef heulend zusammengebrochen bin, weil vor lauter Schmerz nicht mehr ging.

 8. Was würdest du anderen Menschen mit Migräne empfehlen?

Geht zum Arzt, quält euch nicht mit Hausmitteln und rezeptfreien Schmerzmitteln. Lasst abchecken, was ihr habt, es muss ja keine Migräne sein. Lasst euch ggf. auch auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten testen, auf eingeklemmte Nerven etc. Und wenn ein Medikament nicht wirkt oder alles schlimmer macht, lasst euch ein anderes verschreiben. Schaut euch auch in der eigenen Familie um: hat noch jemand Migräne? Oft, wie auch in meinem Fall, hat man die Anlagen, eine „olle Migräne“ zu bekommen, geerbt.

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