Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Wie oft hast du denn Migräne?

Wie oft hast du denn Migräne?Eine Bekannte, die keine Erfahrungen mit Migräne hat, fragte mich letztens, wie oft ich Migräne hätte. Ich war etwas verwirrt über diese Frage, sie kam ein wenig unvermittelt und war die einzige Frage, die sie mir jemals über Migräne gestellt hat. Warum, dachte ich mir, stellt sie mir ausgerechnet diese Frage? Ist die Häufigkeit der Migräne tatsächlich der Hauptindikator, um sie einschätzen zu können?

Ich denke zurück an mein Kopfschmertagebuch (das ich jetzt nicht mehr führe). Dieser Kalender, der für jede neue Migräne ein Kreuzchen bekommen hat. Es ist zwar so, dass man auch die Dauer und die Stärke der Migräne kodiert. Aber, so habe ich irgendwann gemerkt, wenn ich später mal den ganzen Stapel nehme und mir einen Überblick übers Jahr verschaffen will, dann ist die Häufigkeit doch wichtiger als die Intensität. Denn ich registriere vor allem das Kreuzchen an sich. Wen interessiert dann schon, dass das Kreuz in der Spalte A anstatt B ist?

Ich weiß, dass die Frage nach der Häufigkeit meiner Migräne gut gemeint war. Meine Bekannte hat ganz offensichtlich versucht, ein Gefühl für mein Leiden zu bekommen. Was also antworte ich einem Menschen, der meine Migräne verstehen will? Wie mache ich mich verständlich, ohne der Verführung zu erliegen, meine Krankheit mit Übertreibungen zu belegen?

„Stell dir einfach vor du denkst dein Kopf zerplatzt, du kotzt und hast Durchfall gleichzeitig, dir ist schwindelig und du hast Panik, weil du denkst, du stirbst. Keiner darf dich ansprechen und es muss dunkel sein. Und das dauert zwei Tage.“

Diese extremen Erfahrungen hatten wir Migräniker fast alle schon, aber zumindest in meinem Fall ist das nicht immer der Fall. Im Gegenteil, seit ich die Diät mache und seit meine Hormone beschlossen haben, zu machen was sie wollen, scheine ich sehr viele verschiedene Arten von Migräne entwickelt zu haben.

Also müsste ich differenzieren. Ich müsste die kleinen Migränen beschreiben, die nicht so schlimm sind, aber schlimm werden, wenn sie zu lange andauern. Ich müsste die mittleren beschreiben, die mir alle Energie abziehen aber oft mit Ibuprofen in den Griff zu bekommen sind. Wenn die Tabletten helfen, dann komme ich mit ein wenig weichen Knien durch den Tag. Wenn sie nicht genug helfen dann wird’s eine Quälerei. Manche von denen münden dann in die Monstermigräne. Manche verschwinden wieder. Und dann die verschiedenen Monstermigränen. Die, die auf Triptane reagieren. Die, die nicht reagieren. Die, die lange dauern. Die, die am nächsten Tag wieder weg sind. Es gibt noch so viele mehr.

Wenn ich jetzt von jeder dieser Migränen eine im Monat hatte, dann weiß ich ein Jahr später, wenn ich in mein Kopfschmerztagebuch schaue, auch nicht mehr, ob sich der Monat insgesamt gesehen ok oder furchtbar angefühlt hat. Und was meine Bekannte anbelangt: Die Situation war jetzt nicht so, dass längere Erläuterungen angemessen gewesen wären. Ich wollte auch nicht ins Detail der „tausend Migränen“ gehen.  Wie also beantwortet man so eine Frage knapp, aber richtig und so, dass ein authentischer Eindruck entsteht?

Ich denke, es ist nicht möglich. Ich habe jedenfalls gleich aufgegeben, bevor ich richtig angefangen habe und geantwortet:

„Meine Migräne kommt alle ein bis zwei Wochen mindestens ein mal.“

Mit der Antwort hat sie erwartungsgemäß nichts verstanden. Aber, so dachte ich mir, es war eine aufrichtige Kommunikation. Und dann haben wir beide uns umgedreht, die Schultern gezuckt und gedacht: naja, ich habs versucht.

Eine Antwort zu “Wie oft hast du denn Migräne?

  1. freches Ding August 15, 2013 um 04:40

    Nur zu gut kenne ich solche Konservationen. Jemand ohne Migräne versteht es schlichtweg nicht. Tja, bleibt nur, sich umzudrehen und Schulterzuckend davon gehen. 😉

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