Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Was tun, wenn man abhängig von Triptanen ist

elektrolichtsÜber das Thema Triptane habe ich hier schon oft geschrieben. Es ist ein wichtiges Thema, denn im Moment sind Triptane für uns Migräniker die einzigen Medikamente, die wirklich Erleichterung versprechen. Nur, was macht man, wenn man das Gefühl hat, man ist abhängig, wenn die Migräne immer schneller wieder kommt, sobald man keine Triptane mehr nimmt? Wie ich in anderen Artikeln schon geschrieben habe, ist das Risiko, dass das passiert, bei Triptanen leider exorbitant hoch.

Dass das Risiko real ist, sehe ich in meinem Blog schon an den Suchausdrücken. Ich bekomme täglich eine Statistik, die mir aufzählt, welche Begriffe Menschen in Suchmaschinen wie Google, Bing oder anderen eingegeben haben. Nur um Ängsten vorzubeugen:  Natürlich weiß ich nicht, wer diese Begriffe eingegeben hat. Das weiß nur die NSA. Die häufigsten Suchausdrücke sind: „Abhängigkeit von Triptanen“, „Triptan Abhängigkeit was tun“ und ähnliche. Die Häufigkeit dieser Suchbegriffe deutet darauf hin, dass mit den Triptanen ein neues Problem aufgetaucht ist.

Ich denke, das ist auch kein Wunder. Abhängigkeit von Triptanen ist ein klarer Ausdruck dafür, dass wir dringend mehr Migräneforschung brauchen, denn ein einziges Mittelchen gegen Migräne ist eben nicht geeignet, Menschen zu helfen, die intensiv darunter leiden. Wer einmal im Monat zur Menstruation Migräne hat, kann sich ein Triptan einwerfen und dann gut über die Runden kommen. Wer einmal in der Woche für ein bis zwei Tage Migräne hat, bei dem sieht das schon anders aus. Für diese mittelschweren bis schweren Fälle sind Triptane nicht geeignet, weil sie eben so schnell in einen Abhängigkeitskreislauf führen, der den Schmerz noch schlimmer macht.

In diesem Zusammenhang taucht ein weiteres Problem auf, nämlich die Pharmaindustrie. Auf den Beipackzetteln steht, dass man Triptane gefahrlos 10 mal im Monat einnehmen kann. Und alle Ärzte erzählen das gleiche. Das ist meiner Ansicht nach schlichtweg FALSCH. Vielleicht steckt mein cardiovaskulares System das weg, meine Leber und die anderen Organe. Das heißt, ich hole mir nicht noch eine zusätzliche Krankheit (was für einen unbekannten Prozentsatz an Menschen auch nicht stimmt). Aber: das Risiko, in einen Rebound zu rutschen, also in einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz, das ist extrem hoch. Dr. Buchholz betont immer wieder, dass die Anzahl der Triptane, die man wirklich gefahrlos im Monat nehmen kann, bei 2 (ja, zwei) liegt. Nicht mehr. Ich persönlich komme damit meistens auch nicht hin und strecke das bis zu vier.

Wobei wir wieder bei dem oben beschriebenen Problem sind: Menschen mit häufiger und starker Migräne, die also, die wirksame Medikamente am nötigsten haben, sind hier komplett unversorgt. Sie haben nur zwei Möglichkeiten: entweder sie nehmen nur zwei Triptane im Monat und sind für den Rest der Zeit invalide, müssen sich also krank melden. Oder sie nehmen die Triptane (was völlig nachvollziehbar ist) und rutschen in die Äbhängigkeit. Auch Ärzte lassen einen hier alleine, zum einen weil sie das Probem nicht erkennen, zum anderen, weil sie keine Alternativen anbieten.

Ich habe letzt zu meinem Arzt gesagt: „Ich brauche eine Alternative, wenn ich keine Triptane nehmen will.“ Ich muss erwähnen, dass das viele Ibuprofen schon fast ein Loch in meinen Magen gefressen hat und ich jetzt zum Gastrologen muss. Seine Antwort war die: „Es gibt nichts mehr. Die nächste Stufe wären Opiate, und die verschreibe ich ihnen nicht.“ Medikamentell unversorgt. So bin ich nach hause gegangen. Und nehme weiter Ibuprofen. Was mir der Gastrologe jetzt demnächst verbieten wird.

Es gibt so eine Art Abhängigkeitsmanagement, das ich lange betrieben habe, bevor ich die Diät angefangen habe. Ich habe die Triptane bei den schlimmen und häufigen Anfällen, die bei mir meistens zwei Tage oder mehr gedauert haben genommen. Dann habe ich direkt danach den Rebound (also den Abhängigkeitseffekt, der wiederum zu Kopfschmerzen führt, meistens erst mal deutlich leichter als ein richtiger Migräneanfall) ausgehalten und sozusagen gleichzeitig den Entzug gemacht. Das war besser auszuhalten als die Migräne. Aber, das ist keine Lösung und auf die Dauer verschlimmert es die ganze Chose trotzdem.

Abgesehen davon, dass ich mir wirklich wünschen würde, dass die Ärzte hier mal aufwachen und etwas mehr Unterstützung anbieten, möchte ich trotzdem eine Art Empfehlung abgeben.

Der Schlüssel liegt darin, dass die Migräne schlichtweg reduziert werden muss. Das klingt erstens banal und zweitens unrealistisch, ist es aber nicht ganz. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass wir Migräniker uns davor scheuen, das Problem aggressiver anzugehen. Das liegt unter anderem daran, dass wir so schlechte Erfahrungen mit Ärzten machen, liegt aber auch an der gesellschaftlichen Bewertung von „Kopfschmerzen“.

Und damit sind wir gleich auch bei unsere eigenen Bewertungen. Vielleicht hilft das Beispiel mit der Eiterbeule im Gesicht. Wenn ich eine schmerzhafte Eiterbeule im Gesicht habe, dann werde ich garantiert von Pontius zu Pilatus rennen und alles an Maßnahmen in Kauf nehmen, nur um dieses Ding wegzubekommen. Die Migräne ist nicht anders (eher schlimmer), aber wir halten sie versteckt und verhalten uns passiv. Zum Beispiel damals, als ich beim Schmerzspezialisten war, hat er mir Topamax, das Epilepsiemittel verschrieben. Ich habe die Nebenwirkungen gelesen und habe es dann nicht genommen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das ein Fehler war. Wenn ich meine Migräne als schwere Krankheit akzeptiert hätte, dann hätte ich das Medikament nämlich genommen. Wahrscheinlich hätte ich drei Monate später, so wie bei allen anderen Prophylaxen auch, festgestellt, dass es nicht mehr hilft. Es geht aber ums Prinzip. Darum, alles menschenmögliche zu versuchen, um die Migräne zu bekämpfen. So habe ich mich verhalten, als hätte ich Heuschnupfen: ach nee, nehme ich nicht, geht schon so.

Wir dürfen nicht nachlassen und müssen einen Weg finden, um die Migräne unter Kontrolle zu bekommen. Ich habe mich früher immer gefragt, was das heißt: die Migräne unter Kontrolle haben. Jetzt erst, mit der Diät, weiß ich es. Es bedeutet, dass die Schmerzen nicht immer maximal schlimm sind und es ausreichend Momente gibt, wo ich zwischen verschiedenen Maßnahmen wählen kann.

Alle, die sich abhängig fühlen von Triptanen, stehen mit dem Rücken an der Wand. Die Migräne ist schlimm und das einzige was hilft, sind die Triptane. Kein Spielraum.

Wem das so geht, dem steht ein Kampf bevor, auf mehreren Ebenen. Erstens: aufhören, Triptane zu nehmen und einen Entzug machen, am besten alle Koffeine gleich mit ausspülen, denn die hauen in die gleiche Kerbe. Zweitens: eine Prophylaxe finden, die hilft (schwer) oder die Diät ausprobieren.

Drittens: die Ärzte finden, die eine dauerhafte Lösung finden. Das ist ein kniffliger Punkt und hier liegt es an uns selbst, nicht an den Ärzten. Ich meine das so: die Welt ist voll von Ärzten, die uns nicht helfen können, meistens weil ihnen die Expertise fehlt. Selbst ausgemachte Migräneärzte, Schmerzspezialisten oder Migränekliniken haben nicht unbedingt den Ansatz parat, der der jeweiligen Migränepatient/-in individuell hilft. Jeder Mensch ist anders. Das bedeutet: Wenn der Arzt oder die Klinik nach einem halben Jahr nicht geholfen hat, dann ist sie definitiv mit ihrem Latein am Ende. Egal was dann dort gesagt wird („es gibt jetzt leider keine weiteren Behandlungsansätze mehr.“). Das ist der Moment wo man weitergehen muss. Zum nächsten Arzt, zur nächsten Klinik. Und nicht nachlassen, egal was die erzählen. Wir selbst sind für unsere Gesundheit verantwortlich, wir müssen zusehen, dass wir alles menschenmögliche tun, damit sich etwas ändert. Wenn irgendeine Klinik in Deutschland behauptet: „das wars“, dann war es das meiner Ansicht nach noch lange nicht. Oder wenn man das Gefühl hat, man wird immer wieder herzitiert, aber es tut sich nichts: Man muss kritisch sein, auch Spezialisten wollen Geld verdienen. Wenn Deutschland am Ende ist, dann ist das nächste Land dran. Nach allem, was ich aktuell weiß, ist der beste Ort die Johns Hopkins Klinik in Baltimore. Aber das mag daran liegen, dass ich in den USA wohne und ich vielleicht einfach keine weiteren Informationen habe. Aber eins weiß ich: die drehen im Moment gerade den Migränebehandlungsbetrieb in den ganzen USA um, weil die in Baltimore am weitesten sind.

Nur wir selbst können zu dem Entschluss kommen und sagen: So kann es nicht bleiben. Und wir selbst sind dafür verantwortlich, dass etwas passiert. Allen Widerständen und schlechten Perspektiven zum Trotz.

3 Antworten zu “Was tun, wenn man abhängig von Triptanen ist

  1. majorneryz Oktober 10, 2013 um 02:07

    Huhu Violetta! Hast Du mein Mail nicht bekommen …? Ich hatte so viel zu tun, sonst hätt ich mich schon früher gemeldet. Ich hoffe, Dir gehts gut! Liebe Grüße, Susanne

  2. Melle Februar 3, 2015 um 06:32

    nochmal ich 🙂 😉

    vorab möchte ich sagen, dass medikament für mich NUR notfallbehandlungen sind, und ich ansonsten diese überhaupt nicht befürworte.

    da die migräne mit einem –> entzündungsprozess verbunden ist (aderwände, austretendes, was schmerzt), wirken schmerzmittel sehr gut, die entzündungshemmend sind. (Naproxen, Ibuprofen).

    die schmerzklinik kiel empfiehlt, ab anfallsbeginn (abpassen) eine hohe dosis.
    dagegen habe ich mich gewehrt, da ich 10 jahre (!!!) einen medikamenteninduzierten dauerkopfschmerz hatte (von normalen schmerzmitteln).

    doch gibt es die THEORIE, die ich auch schon dreimal bestätigend erlebt habe, dass eine optimal abgepasste dosis, die mirgäne dann eleminiert.
    bei mir ist es immer zu folgeschmerz gekommen, und kommt es leider immer noch (seltener).
    deren theorie (einmal richtig „drauf“) besagt, dass die medis bei einmaliger (!!!) einnahme komplett für diesen anfall (tagelang bei mir…) 100% beseitigen soll (bis auf nebenwirkungen, müdigkeit, die migräne es schon selbst verursacht).

    ein TRAUM, wie ich finde.
    hat schon funktioniert. (kombi von Zolmitriptan und Naproxen oder eben Ibuprofen).

    ansonsten steht die PROPHYLAXE und sensibilisierung an erster stelle.

    und wenn es sich anbahnt –>
    –> sich aus allem rausziehen (nur um sich selbst kümmern, egal was wo wie (eine KUNST)).
    –> einen liter wasser trinken (hochwertiges, wie geroldsteiner bspw. aus glasflaschen),
    –> magnesiumcitrat
    –> etwas GUTES essen
    –> dehnen, akkupressur, dehnen, entspannen, liebe, selbstannahme… hilft in jedem fall.

    LOVE, eure melle

    • Violetta Februar 3, 2015 um 17:33

      Das ist auch meine Erfahrung. Es gibt Anfälle, die sind so schwer, dass sie sich über Tage ziehen und beim besten Willen nicht mit einer Dosis wegzubekommen sind. Allerdings kann es sein, dass wir da zuhause auch Grenzen unterliegen, die vielleicht nicht da sind, wenn man eine vernünftigere Notfallmedizin hätte. In der Notaufnahme z.B. bekommt man meistens noch Cortison oder ein anderes sehr starkes, entzündungshemendes Medikament zusätzlich. Vielleicht ist es damit möglich, Anfälle besser und nachhaltiger abzubrechen. Eine solche Empfehlung habe ich aber für die Heimanwendung noch nicht gehört. Wär mal interessant, warum eigentlich. Und wir wollen ja nicht jedes Mal, wenn wir einen Anfall haben, in die Notaufnahme gehen.
      Die Geschichte mit dem Folgeschmerz kann ich auch bestätigen. Bei starken Anfällen und mehrmaliger Triptaneinnahme habe ich immer einen Folgeschmerz und muss mich da dann noch durchkämpfen, ohne MEdikamente, bis ich endlich am anderen Ende des Tunnels wieder herauskomme.

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