Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Janine erzählt von ihrer Migräne

Das hier ist der fünfte Artikel der Serie: Erzähl deine Geschichte.
Mit dieser Serie lade ich andere Migräniker ein, von sich zu erzählen.
Vielen Dank an Janine, die in diesem Blogpost von ihrer Migräne berichtet.

1. Wie nennst du deine Migräne, welche Worte hast du dafür?

Eine konkrete Beschreibung habe ich eigentlich nicht dafür.
Das Problem ist, dass viele Leute immer noch denken, ich würde überteiben, deswegen gebe ich ihr wohl auch nicht wirklich einen Namen. Zwischenzeitlich habe ich durchaus schon mal das Zitat aus dem Film Shutter Island benutzt:
„Es fühlt sich so an, als würde man den Kopf aufschneiden, ein paar Rasierklingen hineinlegen und kräftig schütteln“.
Ich fand, das passt ganz gut. Auch wenn ich keinen originellen Namen dafür parat habe.

2. Seit wann hast du Migräne und wie hat sie sich über die Jahre verändert?

Migräne habe ich seit der Geburt meiner Tochter vor 9 Jahren. Sie kam mit den selben Symptomen das erste mal, wie ich sie auch heute noch habe. Oder, ich kann mich einfach nicht mehr daran erinnern. Denn die Intervalle sind im laufe der Jahre kürzer geworden. Zumindest denke ich das. Ärtze konnten mir damals, und auch heute nicht sagen, woran es liegt, weshalb ich mittlerweile auch schon mit rollenden Augen empfangen werde, wenn ich meine „Drogen“ abhole. Neurologen und auch das Krankenhaus hat/haben mich mehrmals durchgecheckt, sprich: Blutbilder, Röntgenuntersuchungen, MRT etc. Befund: Psychisch bedingt, ich soll doch bitte einen Psychologen aufsuchen, da die Symptome körperlich nicht zu finden sind.

3. Würdest du sagen, deine Migräne ist eine Krankheit?

Natürlich.
Auch wenn bei mir nichts gefunden wird, was direkte Rückschlüsse auf sich zieht, so bin ich mir sicher, dass es eine Krankheit ist. Überhaupt finde ich, dass dieses Wort sehr dehnbar ist. Man macht sich nur nicht die Mühe eine so „simple“ Krankheit genauer zu untersuchen. Zumindest kommt es mir in meinem Fall so vor.

4. Wie bewältigst du Migräne-Attacken am Arbeitsplatz?

Irgendwie gar nicht.
Ich habe meinen ersten Arbeitsplatz wegen dieser Krankheit nach einem persönlichem Gespräch und per Aufhebungsvertrag beendet, weil ich eine Migräne-Phase hatte, die schier unertragbar war. Und da die meisten Arbeitgeber die ich bisher hatte, keinerlei Verständnis für „die paar Kopfschmerzen“ hatten, war es schwierig für mich, einen richtigen Fuß zu fassen. Teilweise hatte ich erhebliche Angst, bei jedem kleinen Drücken oder Pieksen, dass ich Migräne bekomme und meinem Arbeitgeber wieder das selbe erzählen muss und auf absolutes Unverständnis stoße. Tabletten halfen da nur teilweise und auch nur sehr spät. Man sollte erwähnen, dass ich Friseurin bin und mit Migräne keinen Tag freundlich lächelnd durchhalte – ich habs versucht. Heute ist es Gott sei Dank besser, da mein jetziger Chef die Krankheit von seiner Schwester kennt und mich wenigstens ein bissl verstehen kann.

5. Was und/oder wer hat dir am meisten geholfen, mit der Migräne umzugehen?

Am meisten Unterstützung erhalte ich eigentlich nur von meinem Mann. Er ist live dabei wenn es mir schlecht geht und kümmert sich (sofern ich nicht meine Ruhe haben will) rührend um mich. Die Tabletten (Rizatriptan) helfen nur bedingt. Normale Schmerzmittel gar nicht. Da kann ich auch genau so gut einen Placebo nehmen. Von den Ärzten in näherer Umgebung erwarte ich mittlerweile schon keine Hilfe mehr und habe mich momentan in mein Schicksal gefügt. Ich mache es mir nur ertragbarer, solange ich noch nicht die richtige Therapie/Behandlung gefunden habe. ABER: Ich suche noch. Auch, wenn ich um die halbe Welt reisen muss, einen Arzt wird es geben, der mir helfen kann.

6. Was hat dir am wenigsten geholfen, mit der Migräne umzugehen? Was war der nutzloseste Ratschlag, den du jemals bekommen hast?

Das Nutzloseste? Nun, ich würde sagen, da ich bisher nur den Ratschlag des Psychologens erhalten habe, den ich auch anrief um mir einen Termin machen zu lassen, würde ich sagen, der war am nutzlosesten. Die Dame am Telefon war so irritiert und hat mir ein paar Standartfragen gestellt. Das Ergebnis war, dass der Psychologe bei weitem nicht der richtige Anlaufpunkt war und sie mich bat, nochmal mit dem Neurologen oder einem anderen Arzt zu sprechen.

7. Was ist die absurdeste/lustigste/schrecklichste/denkwürdigste Situation, in die die Migräne dich gebracht hat?

Diese Frage bleibt vermutlich leer, denn in der Regel geht es mir so ekelhaft, dass ich entweder meine Umwelt nicht wirklich wahrnehme, den Klogeist besuche, oder ich mich im Bett auskuriere.

8. Was würdest du anderen Menschen mit Migräne empfehlen?

Nicht aufgeben.
Auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass einen keiner versteht. Nach der individuellen Therapie für sich suchen, auch wenns vermutlich eine ganze Weile dauern wird. Alle Möglichkeiten ausschöpfen die sich einem bieten. Auch ich suche noch, aber aufgeben werd ich noch nicht. So viele Jahre liegen noch vor mir, die ich vielleicht bald auch, mit der richtigen Behandlung, größtenteils schmerzfrei leben werde. Genau das wünsche ich auch allen anderen Migränikern.

Eine Antwort zu “Janine erzählt von ihrer Migräne

  1. Jay Oktober 16, 2013 um 07:09

    Hallo,
    ich selbst leide Gott sei Dank nicht unter Migräne, hatte dieses Thema aber mit meinem Physiotherapeuten. Er erklärte mir das viele Frauen nach der Schwangerschaft Migräne bekommen oder bereits vorhandene Migräneintervalle kürzer werden, weil sich durch die Schwangerschaft einiges im Körper verschiebt, welches wieder in die richtige Position gebracht werden müsse (die Fachbegriffe habe ich mir nicht gemerkt) > es liegt wohl meistens an der Hüfte oder/ und den Füßen. Physiotherapeuten müssen darauf spezialisiert sein, um das behandeln zu können, aber das wäre wohl in 2-3 Sitzungen zu machen.
    Viel Glück!

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