Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Leo erzählt von seiner Migräne

Das hier ist der sechste Artikel der Serie: Erzähl deine Geschichte.
Mit dieser Serie lade ich andere Migräniker ein, von sich zu erzählen.
Vielen Dank an Leo aus den Niederlanden, der in diesem Blogpost von seiner Migräne berichtet.

1. Wie nennst du deine Migräne, welche Worte hast du dafür?

Einsamer Schmerz….

2. Seit wann hast du Migräne und wie hat sie sich über die Jahre verändert?

Hat schleichend begonnen mit ca. 14 Jahren. Manifestierte sich mit 18.
Ca. alle zwei Monate eine heftige aber zum Glück nur kurze Attacke (10 h). Aura, Kopfschmerzen, heftige Übelkeit.
Erreichte den Höhepunkt als ich im Alter von 40 eine 36h Attacke hatte und eine ganze Nacht lang durch die Gegend wanderte und alle 15 min den leeren Magen immer wieder entleeren musste.
Mit 44 folgte nach einem privaten und beruflichen Neuanfang ein ganzes Jahr ohne Anfall.

3. Würdest du sagen, deine Migräne ist eine Krankheit?

Ich würde sagen es ist Teil eines Syndroms, das für die Schulmedizin noch zu komplex ist.

4. Wie bewältigst du Migräne-Attacken am Arbeitsplatz?

Früher teilweise durchhalten, oft aber krankmelden.
Heute einfach Telefon abstellen und sofort hinlegen (mit Triptan).

5. Was und/oder wer hat dir am meisten geholfen, mit der Migräne umzugehen?

Nur die Zeit und Erfahrungen im eigenen Leben die mich stark machten.

6. Was hat dir am wenigsten geholfen, mit der Migräne umzugehen? Was war der nutzloseste Ratschlag, den du jemals bekommen hast?

Alle Hausarzt-Ratschläge: Mit 14 bekam ich Effortil Tropfen (sollte blutdrucksteigernd wirken) gegen meine „Kreislaufschwäche“.
Der letzte Arzt riet mir zu Beta-Blockern. Ich bin jedoch überzeugt, dass die chemische Keule nur im Notfall hilft. Ansonsten macht es jegliche Medikamenten Gewöhnung nur noch schlimmer.

7. Was ist die absurdeste/lustigste/schrecklichste/denkwürdigste Situation, in die die Migräne dich gebracht hat?

Im Alter von 23 war ich während meiner Ausbildung zum Krankenpfleger auf einer psychiatrischen Station eingesetzt. Ich musste einen Patienten zu Fuss über ein großes Klinikgelände zu einer Röntgenuntersuchung begleiten. Auf halben Weg setzte ein starkes Flimmerskotom ein. Ich konnte den labilen Patienten ja nicht einfach alleine lassen. Also dauerte es fast anderthalb Stunden bis wir wieder zurück waren. Er erzählte mir ununterbrochen, dass er der bemitleidenswerteste Mensch auf dieser Erde sei und ich litt Höllenqualen, was leider nicht zu ihm durchdrang.

Mit 37 waren wir in Nepal auf dem Flug nach Lukla. Die Piloten waren sehr nett, überhaupt waren alle Nepali nett und ich wollte ihnen echt nicht das schöne kleine Flugzeug vollk……. Also hielt ich tapfer durch und musste dann noch mit Engelsgeduld unserem Führer erklären, dass wir heute nicht weitergehen können. Er war sehr besorgt um mich und meine Frau musste ihm klar machen, dass es keinen Sinn hatte, alle 10 min nach mir zu schauen.

8. Was würdest du anderen Menschen mit Migräne empfehlen?

Die Migräne als Teil des eigenen Daseins, aber nicht als Teil der eigenen Persönlichkeit zu akzeptieren. Nach beinahe 40 Jahren erlebte ich ein Jahr ganz ohne Migräne. Jetzt bin ich auf der Suche nach den Hintergründen.
Niemals aufgeben. Es gibt einen Weg da raus.

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