Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Schweregrade von Migräne

Immer wieder mal beschließt eine größere deutsche Zeitung, Migräne zum Aufmacher zu machen. So jetzt gerade der Spiegel. Die Ergebnisse sind meist mehr oder weniger fürchterlich. Ich habe jetzt keine Möglichkeit, mir auf die Schnelle das Heft zu kaufen, aber ich habe mir den Teaser-Artikel auf SPON über Triptane angeschaut. Was mir dabei auffällt.

Der Artikel ist interessanerweise nicht mal so schlecht, finde ich. Aufschlußreicher als der Artikel waren allerdings die Kommentare. Fehlendes Fachwissen und Provokateure gibt es in Foren und Kommentarbereichen sowieso immer. Aber auch unter denen, die selbst mit Migräne Erfahrung haben zeigen sich tiefe Gräben. Die, die unter schweren Attacken aber wenigen im Monat leiden, die, die offensichtlich eher leichte Migräneerscheinungen haben und die, die schwere und häufige Attacken haben. Man kann Migräniker in noch viele Gruppen mehr einteilen.

Ich möchte nur mal zum Nachdenken anregen. Zwischen den von mir genannten verschiedenen Gruppen bestehen wichtige Unterschiede. Unterschiede, die die ganze Welt bedeuten können. Unterschiede in Lebensqualität, Schmerzerfahrung, psychosozialen Folgen etc. Wer jede Woche zwei Tage Monstermigräne (plus einen Tag hangover) hat, hat existentielle Nöte. Angefangen von der Arbeitsfähigkeit und Karriereoptionen bis hin zu Beziehungsthemen. Wer ein paar mal im Jahr Migräne hat, hat diese Themen nicht auf einer existenziellen Ebene. Wer ständig geringe Migräne hat, hat andere Kämpfe zu bestehen als andere, die ab und zu starke Migräne haben. Und so weiter.

Was ich zu diesem Thema wichtig finde: Migräne ist sowieso schon eine verschwiegene Krankheit. Wenn aber die, die welche haben, nur sich selbst kennen und keine Ahnung haben, wie es anderen so geht, dann kommt es dazu, dass sich in der Kommunikation zwischen Migränikern und Nicht-Migränikern ein verzerrtes Bild ergibt, weil die Migränikerin nicht in der Lage ist, dem Nicht-Migräniker ein halbwegs umfassendes Bild davon zu geben, was Migräne bedeutet oder bedeuten kann. Damit aber nicht genug. Es tun sich auch Gräben von Unverständnis oder sogar Konflikt zwischen dem mit starker Migräne und der mit leichter Migräne auf. Wenn eine Person mit leichter Migräne behauptet, man könne Migräne generell mit Kopfdrehen und Gähnen wegbekommen, oder mit Paracetamol oder wie auch immer—dann ist das nicht dazu angetan, über Migräne aufzuklären oder Migränikern ein wie auch immer geartetes Gefühl des sich im anderen Wiedererkennens zu geben. Natürlich, wir haben es schon schwer, uns genug Erfahrungen und Fachwissen über unsere eigene Migränevariante anzueignen. Dann noch dahin zu kommen, andere Varianten zu verstehen, das scheint mir bei der Informationslage in Deutschland noch weit weg zu sein.

Damit wäre ich auch bei einem der Gründe, warum ich diesen Blog gestartet habe. Zum einen, um der Unsichtbarkeit und dem Unwissen gegenüber Migräne entgegenzuwirken. Aber es geht nicht in erster Linie um die Nicht-Migräniker. Es fängt bei uns selber an. Wir müssen uns selbst besser informieren, was wir vermutlich erst dann tun, wenn wir denken, dass wir eine Krankheit haben und kein Symptom, dass mit Stress etc zu tun hat. Das Wissen über und das Anerkennen von verschwiedenen Schweregraden von Migräne ist dabei entscheidend.

Hier mal eine Idee zur Diskussion: Ich würde vorschlagen, dass unsere Ärzte mal Kategorien entwickeln, in die Leute eingeteilt werden können. Kategorien, die einen Schweregrad beschreiben, der aber auch änderbar ist. Das macht es leichter, sich selbst einzuschätzen, aber eben auch andere. Dazu sollte viel mehr informiert werden. Wer ein mal im Monat Migräne hat, sollte auch ein bisschen was darüber wissen was es bedeutet, zwölf schwere Migränetage zu haben. Und umgekehrt. Bei einer Krankheit wie Migräne sind wir selber gefährdet, andere nicht ernst zu nehmen und uns durch fehlendes Wissen eine Grube zu graben. Warum wohl gibt es in Deutschland so wenig Gruppen, die Öffentlichkeitsarbeit oder gar Lobbyarbeit für Migräne machen?

Eine Antwort zu “Schweregrade von Migräne

  1. majorneryz Januar 23, 2014 um 12:49

    Das stimmt so dermaßen zu 100% … Danke Dir!

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