Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Ich habe Migräne

Verstanden?Die gesellschaftliche Bewertung von Migräne lässt sich sehr schön an unserer Sprache und ihrer Bedeutung aufzeigen. Ich werde das mal am Beispiel der Multiple Sklerose verdeutlichen.

Warum ich Multiple Sklerose als Beispiel nehme: Es gibt ungefähr genauso viele Menschen mit Multiple Sklerose wie mit Migräne. Die Belastung, die im alltäglichen Leben durch eine Krankheit auftritt, wird, wie ich im letzten Artikel erwähnt habe, mit einem Wert ausgedrückt, der DALY heißt. Die durchschnittliche Belastung ist laut DALY bei Multiple Sklerose geringer als bei Migräne.

Gesetzt folgende Situation: Ein Mann sagt zu seiner Nachbarin: „Ich habe Multiple Sklerose.“
Wie wird die Nachbarin reagieren? Nun, vermutlich würde sie sagen: „Das ist ja furchtbar, das tut mir so leid. Kann ich irgendwas für Sie tun?“ Sie wird denken, dass der Nachbar mit eine furchtbaren Krankheit geschlagen ist, die sein ganzes Leben definieren und einschränken wird. Nun zur Migräne.
Wenn ein Mann zu seiner Nachbarin  sagt: „Ich habe Migräne,“ dann reagiert diese wahrscheinlich anders. Je nach Kontext wird sie aber wahrscheinlich sagen: „Dann legen Sie sich doch hin.“

Worauf ich hinaus will: Migräne wird nicht als Krankheit wahrgenommen und nicht als Phänomen, das einen durchgängigen Effekt hat, der die Lebensqualität reduziert. Obwohl die Lebensqualität im Durchschnitt bei Menschen mit Multiple Sklerose besser ist als bei Migränikern, wird der Schweregrad der Krankheit rein subjektiv gravierender wahrgenommen als bei Migräne.

Die Bedeutung: „Ich habe Migräne,“ wird je nach Kontext als aktuelle, kurzfristige Einschränkung betrachtet. Ist die Bedeutung „Ich habe Migräne,“ klar ein allgemeine Aussage im Sinne von: „Ich habe immer wiederkehrende Migräneattacken“, dann wird Migräne noch immer nicht als Krankheit bewertet, die gravierende Einschränkungen in der Lebensqualität mit sich bringt.

Was also könnte man tun, um hier eine Bedeutungsänderung zu initiieren? Vielleicht sollte man sagen: „Ich bin Migränekrank“. Das würde zu einer Irritation beim Gesprächspartner führen und vielleicht helfen, zu einer anderen Einschätzung zu kommen. Vielleicht hat jemand eine Idee. Es hängt alles zusammen: Die Marginalisierung von Migräne, die geringe Forschung, die schlechte Ausbildung der Ärzte, das Herunterspielen der Betroffenen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: