Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Susanne erzählt von ihrer Migräne

Das hier ist der achte Artikel der Serie: Erzähl deine Geschichte.
Mit dieser Serie lade ich andere Migräniker ein, von sich zu erzählen.
Vielen Dank an Susanne, die in diesem Blogpost von ihrer Migräne berichtet.

1. Wie nennst du deine Migräne, welche Worte hast du dafür?
« Böse Migräne » wenns besonders schlimm ist, sonst einfach nur « Migräne ».

2. Seit wann hast du Migräne und wie hat sie sich über die Jahre verändert?
Ich hatte schon mit 6-7 Jahren Migräne. Meine Eltern sagten mir, dass diese bösen Kopfschmerzen, bei denen mir so übel wurde und ich oft brechen musste, « Migräne » heissen. Meine ganze Familie hat das – mein Vater besonders schlimm, meine Mama auch oft (etwas weniger), Großmutter, Tanten und Onkels beider Familien, meine Schwester … aber niemand so schlimm und oft wie ich.

Als ich in die Pubertät kam, war die Migräne schlagartig weg. Bis ich 22 war. Da bekam ich – im Frühling 1992 – einen solchen Migräneanfall, dass ich nicht mehr richtig sehen konnte. Ich war bei einem Freund in Lyon zu Besuch und hing irgendwann nur noch in einem Sessel, mir war speiübel und ich sah Sterne … und alles mögliche andere, was nicht da war. Von da an habe ich leider immer häufiger Migräne gehabt. Ab 1993 bekam ich über Monate Ergotamin : ohne jeden Erfolg. Meist nahm ich Unmengen von Ibuprofen gegen die Migräne. 1995 verschrieb mir eine Neurologin Sumatriptan (Immigran). Das half ! Nur war ich nach dem Immigran einfach nur noch ein « Schluck Wasser in der Kurve ». Ich konnte dann nichts mehr tun, aber alles war besser als diese schlimmen Schmerzen. Ich bekam später Maxalt, dann Relpax (dies hilft mir am besten, bisher). Ein Neurologe verschrieb mir Pizotifen als Prophylaxe – dies hatte als einzige Wirkunge, dass ich innerhalb von 4 Wochen 10kg zugenommen habe, die Migräne aber immer noch genauso vorhanden war. Irgendwann hab ich das Zeug in die Tonne gekloppt und ebensoschnell die 10kg wieder verloren, wie ich sie zugenommen hatte – das war aber leider auch schon der einzige «Effekt» dieser Prophylaxe.
Heute würde man bei mir sicher von chronischer Migräne sprechen, aber das Wort mag ich gar nicht, man klingt dann so krank und wie ein Pflegefall … also daher lieber « böse Migräne ».

3. Würdest du sagen, deine Migräne ist eine Krankheit?
Oh ja.

4. Wie bewältigst du Migräne-Attacken am Arbeitsplatz?
Ich nehme bei den ersten Anzeichen Relpax. Ohne das wäre ich arbeitsunfähig.

5. Was und/oder wer hat dir am meisten geholfen, mit der Migräne umzugehen?
Die Triptane haben mir bisher am meisten geholfen. Ansonsten hilft mir eigentlich nichts, wenn ich einen Anfall bekomme. Nun hoffe ich sehr auf die Migränediät. Vielleicht traue ich mich auch noch mal an eine Prophylaxe.

6. Was hat dir am wenigsten geholfen, mit der Migräne umzugehen? Was war der nutzloseste Ratschlag, den du jemals bekommen hast?
Da gibt es so viel … ein verrückter Arzt sagte mir, als ich mitten im Studium war, ich solle gefälligst dieses Studium an den Nagel hängen und drei Kinder kriegen, dann hätte ich soviel zu tun, dass ich für Migräne und so einen Mist gar keine Zeit mehr hätte … zu dem bin ich einmal gegangen und dann nie wieder …
Dann gibt es so viele Leute, die meinen « Du hast zu viel Stress » – aber das ist Quark : ich habe Migräne mit und ohne Stress, das spielt überhaupt keine Rolle.

7. Was ist die absurdeste/lustigste/schrecklichste/denkwürdigste Situation, in die die Migräne dich gebracht hat?
Ich war bei Freunden auf dem Land in deren Dienstwohnung, in der sie aber nur ihr Wohn- und Esszimmer hatten (Schlafzimmer waren in einem anderen Haus, weiter weg), sie waren Landtierärzte weit weg auf dem platten Land … mitten im schönsten Essen kam – Peng ! – die Migräne. Ich konnte nicht dort sitzen bleiben, mir war so schlecht … ich wollte mich nur irgendwo hinlegen … aber es gab dort weder ein Bett noch eine Couch … Die Freundin meinte dann (es war ihr sichtlich etwas peinlich, denn es war ein schicker Abend, an dem eine Verlobung gefeiert wurde, wir waren alle elegant angezogen, ich im « kleinen Schwarzen »), da gäbe es noch den « Abstellraum für die kranken Tiere », dort sei eine Matratze für Tiere (verletzte Hunde etc.) … Ich sagte nur : « ich leg mich egal wo hin, mir ist das alles gleich, und wenn da schon ein kranker Hund gelegen hat, dann legt sich jetzt ein kranker Mensch im kleinen Schwarzen da auch hin, ist ja eh alles dasselbe » … so kam ich dann in diesen Abstellraum. Ibu eingeworfen in hoher Dosierung, und sehr, sehr spät in der Nacht konnte ich im Abendkleidchen (angereichert mit etlichen Tierhaaren) wieder dort raus und irgendwann dann in unsere « richtige » Unterkunft …

8. Was würdest du anderen Menschen mit Migräne empfehlen
Einen wirklich guten Arzt, auch wenn man dafür Jahre suchen muss. Ich habe noch keinen solchen, aber ich geb nicht auf.
Und sich informieren, so viel es nur geht. Ich probiere deshalb jetzt die Migränediät, ich hab vorher wirklich sehr viele Dinge gegessen, die zu den Migräneauslösern gehören, und will das jetzt mal durchziehen.
Es gibt auch sehr gut informierte Selbsthilfegruppen, da kann man auch einiges lernen, auch wenn man nicht unbedingt immer alles glauben und befolgen sollte – es bleibt aber eine sehr gute Informationsquelle.

Eine Antwort zu “Susanne erzählt von ihrer Migräne

  1. majorneryz April 21, 2014 um 03:57

    Lieben Dank, dass Du meine Geschichte eingestellt hast 🙂

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