Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Süßer Schlaf!

SchlafSchlaf ist in meiner Migränewelt mein wichtigster Verbündeter. Ich kann schlafen, schlafen, schlafen. Und ich muss es auch.

Meine optimale Schlafdauer ist neun Stunden und meistens schaffe ich es auch, mich daran zu halten. Ein regelmäßiger Schlafrhythmus ist für mich entscheidend, um einen klaren Kopf zu behalten. Oft wache ich nach sechs oder sieben Stunden mit einer ganz leichten Migräne auf. Wenn ich dann aber weiterschlafe bis meine neun Stunden erreicht sind, ist der Kopf wieder frei. Schlaf – langer Schlaf, kann so über Wohl und Wehe eines ganzen Tages entscheiden.

Für Menschen, die so viel Schlaf brauchen wie ich, ist es manchmal nicht so einfach, dem Körper das zu geben, was er braucht. Die Arbeit jagt einen früh aus dem Bett, unsere Partner brauchen wesentlich weniger Schlaf, die Kinder, Hunde oder Nachbarn haben andere Pläne. Einfach früher ins Bett zu gehen ist leichter gesagt als getan. Wir haben einen Biorhythmus, eine ideale Zeit und Dauer für unserem Schlaf, und je genauer wir dem folgen, desto besser läuft es mit der Migräne.

Unsere Gesellschaft ist leistungsorientiert, was bedeutet, dass viel schlafen schnell mit Faulheit gleichgesetzt wird. Manche prahlen damit, dass sie pro Nacht nicht mehr als sechs Stunden brauchen oder weniger. Wer um sieben schon an der Arbeit ist, wird bewundert. Wenn ich um zehn auftauche, auch wenn ich hellwach bin und in der Lage, Bäume auszureißen, dann stehe ich nicht so gut da. Egal wie die sozialen Mechanismen rund um den Schlaf sind, für mich ist es Fakt: Nur wenn ich meine neun Stunden habe, bin ich hellwach und kann was wegschaffen. Wenn ich Migräne habe, auch wenn es nur eine Minimigräne ist, liegt mein Leistungspensum höchstens bei 50%. Es ist nicht so einfach, seiner Umwelt die Bedeutung von Schlaf verständlich zu machen.

Auch wenn ich Migräne habe, ist der Schlaf mein Verbündeter. Manchmal kann ich eine Migräne einfach wegschlafen, wenn sie leicht ist nur mit Aspirin, wenn sie schwer ist mit einem Triptan. Schlafen unterstützt den Erholungsprozess und beschleunigt die Wirkung der Tabletten. Außerdem ist schlafen natürlich eine Methode, dem Schmerz zu entgehen. Wir schließen die Augen, segeln davon und die Qual hat erst mal ein Ende.

In der aktuellen Ausgabe der neurologischen Zeitschrift Cephalalgia werden Untersuchungen vorgestellt, die sich mit dem Zusammenhang von Kopfschmerzerkrankungen und Schlaf beschäftigen.

Interessant ist dabei, dass viele Migräniker und Menschen mit Spannungskopfschmerzen offensichtlich Schlafstörungen haben. In einer Norwegischen Studie geht man davon aus, dass es eine gegenseitige Beeinflussung von Kopfschmerzen und Schlafstörungen gibt. Ich bin immer misstrauisch, wenn Menschen mit Migräne und Spannungskopfschmerzen in einen Topf geworfen werden. Meine eigenen Erfahrungen bestätigen diese Studie jedenfalls nicht. Aber Migräne tickt bei jedem anders.

Man hat dagegen keinen Zusammenhang zwischen Schlafapnoe (also Atemunterbrechungen oder – lähmungen während des Schlafs) und Migräne gefunden. Das ist vielleicht für einige interessant, die Schnarchen oder von seltsamen Atemsymptomen aufwachen und sich fragen, ob das am Ende Schuld an der Migräne ist.

Eine weitere Erkenntnis war, dass Medikamente, die gegen Schlaflosigkeit, Schlafapnoe, Zähneknirschen oder das Restless-Leg-Syndrom verschrieben werden, tendentiell prophylaktisch gegen Migräne wirken. All diese Medikamente wirken auf den Serotonin- und Dopaminhaushalt ein. Schon lange werden Prophylaxen verschrieben, die vor allem in den Dopaminhaushalt eingreifen. Dazu gehören z.B. der Betablocker Propranolol genauso wie das Antidepressiva Amitriptylin. Was uns diese Studie sagt ist, dass es neben den Standardmedikamenten, die zur Migräneprophylaxe verschrieben werden, noch unendlich viele andere Möglichkeiten gibt, die man versuchen kann.

A propos Restless-Leg-Syndrom (Syndrom der ruhelosen Beine): Restless-Leg-Syndrom ist laut Studie eine klare Begleiterkrankung von Migräne. Wie viele von euch haben unruhige Beine, vor allem beim Einschlafen?

 

12 Antworten zu “Süßer Schlaf!

  1. Schnarchen Hasser August 29, 2014 um 10:11

    Na hoffentlich liesst das meine Frau nicht, ich nehme meine Migräne immer als Ausrede für das Schnarchen her. (: Da wird wohl wahrscheinlich doch bald ein CPAP Gerät oder eine Spange gegen Schnarchen her müssen… Danke jedenfalls für den tollen Beitrag. (:

  2. majorneryz August 30, 2014 um 22:02

    Ja – ich hab abends vor dem Einschlafen teils (nicht immer) so komische unruhige Beine, die hin- und herzucken… es tut nicht weh oder so, aber es ist scheusslich!
    Zum Glück hab ich das nicht jeden Abend, das wäre grausig.
    Aber kennen tu ich dieses Phänomen sehr gut!

  3. Highly Sensitive Person (High Sensation Seeker) Juni 14, 2015 um 11:20

    Hallo Violetta,

    auch ich kenne die unruhigen Beine – hauptsächlich vor dem Einschlafen. Aber ich muss mal beobachten, ob das hauptsächlich an ereignisreichen Tagen der Fall ist oder auch an normal verlaufenden Tagen… Sehr interessant ist das!

    Danke und Grüße,
    Julia

  4. Highly Sensitive Person (High Sensation Seeker) Juni 14, 2015 um 11:54

    Hallo Violetta,

    ich bin es nochmal. Einen interessanten Artikel habe ich hier gefunden, wo es um Migräne, Restless Leg und Hochsensibilität geht.
    Da ich hauptsächlich in Sachen Hochsensibilität unterwegs bin und keine Migräne – zumindest kein Kopfweh – habe, habe ich mir darüber noch nicht so wirklich Gedanken gemacht. Aber ein Zusammenhang könnte evtl. bestehen. Ich wollte dich darüber nur informieren – vielleicht hilft es dir bei der Recherche – in folgendem Artikel werden Hochsensibilität (hauptsächlich), Migräne und Restless Leg in Zusammenhang gebracht:

    http://www.anerkennung-sozial.de/2014/02/hochsensibilitat-teil-1-%E2%80%93-hochsensibel-blos-empfindlich/

    Mir geht das Ganze jetzt immer mehr durch den Kopf, da ich relativ oft vor dem Einschlafen mit meinen Füßen strample bzw. zappele – wie wenn ich die Eindrücke des vergangenen Tages von mir abschütteln wollte…

    Ganz liebe Grüße,
    Julia

  5. dominique Oktober 22, 2015 um 09:24

    hab grade diesen blog gefunden….gucke jetzt ma ob der noch aktuell ist…sehr geil finde ich deine aussage über schlaf…mich lachen alle aus weil ich immer über schlafmangel klage aber 7-8 std die nacht habe….aber es reicht mir nicht….habe seit über 20 jahren Migräne, seit 10 jahren habe ich fast alle Prophylaxen probiert, jetzt die letzte bevor Botox kommen soll….grüße !

  6. dominique Oktober 24, 2015 um 06:55

    Hi Violetta….ich habe schon 6 Jahre Topamax hinter mir 🙂 Soll ich dir hier berichten oder per Mail ?
    Jetzt nehme ich Lamotrigin, bin gespannt, kenne das auch gar nicht weiter, auch keinen der es schon probiert hat. Bin auch aufgrund von Kind und arbeit noch nicht dazu gekommen hier alles zu lesen leider…:-) Grussi

    • Violetta Oktober 24, 2015 um 11:29

      Das ist doch mal wirklich interessant. Sechs Jahre ist eine lange Zeit. Also, wenn du ein bisschen Lust am Schreiben hast, dann kannst du gerne einen persönlichen bericht in der „Ich“-Form schreiben und ich poste ihn dann einfach. Ich schreib dir eine email!

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