Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Migräne ist gut behandelbar?

AOK_Migraene_BuchHeute flattert die Nachricht bei mir herein, dass Die MigräneLiga und die AOK gemeinsam ein Büchlein herausgegeben haben, das den Namen trägt: „Migräne ist gut behandelbar„.
Sehr schön, dieser Titel. So positiv. Nur komisch, dass er mit der Realität rein gar nichts zu tun hat. Ich kann das ja bei Kommerzblättern verstehen, die verkaufen wollen, dass sie die Realität verzerren und Wunder versprechen, wo es keine gibt. Aber warum, so frage ich mich, lässt sich z.B. ein Verein wie die MigräneLiga auf sowas ein. Ich dachte, die versuchen sachliche Informationen zum Thema Migräne zu geben und im Interesse aller Migräniker dafür einzutreten, dass die miserablen Zustände besser werden. Natürlich sagt der Titel noch nichts über den Inhalt aus. Obwohl er das eigentlich sollte. Ich würde ja die Lage zur Migräne so beschreiben: es gibt immer mehr Behandlungsmöglichkeiten für Migräne, aber leider sind die meisten keine wirkliche, dauerhafte Hilfe; sehr viele bringen außerdem starke Nebenwirkungen mit sich. Aber das ist natürlich kein Titel. Und was ist mit Ernährung? Wird da endlich mal über Lebensmitteltrigger geschrieben?

P.S. Was mir da auffällt. Komisch. Warum nur ist dieser Satz „Migräne ist gut behandelbar“ genau der Satz, den unser bestverdienendster deutscher Migränespezialist immer wieder von sich gibt, zuletzt in der besten Werbereportage für unsere wenigen deutschen Migränespezialisten, die man sich vorstellen kann. Ist dieser am Ende schon wieder maßgeblicher Infolieferant für diese Ausgabe gewesen? Ist dieses Heft in Wahrheit wieder eine Bomben-Werbung für diese handvoll Ärzte, die sich einen Ast daran verdienen, dass ihnen verzweifelte Migräniker die Tür einrennen und sie eine mittelmäßige aber teure Behandlungsoption nach der nächsten an ihnen ausprobieren können? Ich will damit nicht sagen, dass man sich nicht um kompetente Ärzte und die unterschiedlichen Behandlungen auf dem Markt kümmern sollte. Ganz im Gegenteil. Jeder Migräniker tickt anders and muss in seinem Leben viel versuchen, um Behandlungen zu finden, die halbwegs helfen. Aber eines muss klar sein: Der Migränemechanismus ist noch immer nicht ausreichend erforscht und es gibt keine vernünftige Behandlung, die auch schweren Migränikern das Leben leichter machen würde. Migräne ist behandelbar. Und wer das behauptet, der stellt sich in meinen Augen der Realität. Aber sie ist nicht gut behandelbar. Wer das behauptet, hat ein anderes Interesse, als Betroffene realistisch aufzuklären und ihnen zu helfen.

Nachtrag:
Gerade habe ich hier noch eine interessante Aussage von einem Fachmann gefunden, die ich nicht vorenthalten will:
„Die heute verfügbaren Therapien gegen Migräne und Cluster-Kopfschmerz bieten vielen Patienten keine Hilfe”, so Prof. Jean Schoenen (Liege, BE) auf dem Europäischen Schmerz-Kongress EFIC 2011 in Hamburg vor mehr als 4.000 Experten aus 75 Ländern. „Medikamente zur Prävention von Migräne-Attacken wirken bei nur 50 Prozent der Betroffenen, jene gegen akute Anfälle bei 70 Prozent.“

11 Antworten zu “Migräne ist gut behandelbar?

  1. forest123456 September 23, 2014 um 11:21

    Man stelle sich vor es würde jemand ein Patentrezept gegen Migräne haben und es gäbe keine Migräniker mehr ( immerhin ca 10 Millionen Betroffene ) in Deutschland.
    würden sich da nicht einige Pharmafirmen, Ärzte, Kliniken und auch der Verein welcher sich Rheuma-Liga nennt, die Augen reiben, wenn die Melkkuh weg wäre, an der alle bisher blendend verdient haben.

    Unser Gesundheitssystem ist leider so aufgebaut, dass auch der ehrlichste Arzt da mitmachen muss, den Patienten möglichst lange krank zu halten, da er sonst nichts verdient.

    Auch viele Betroffene haben aus meiner Erfahrung an einer echten Heilung oft kein wirkliches Interesse und tragen ihre Krankheiten wie eine Monstranz vor sich her, die es zu hegen und pflegen und zu beweihräuchern gilt.

  2. Peter S. September 23, 2014 um 12:14

    @forest123456: Das wäre doch für die fürchterlich: Da stände in der Zeitung: Größter Hersteller von Migränemittel muss Konkurs anmelden. Viele Arbeitsplätze sind gefährdet.

    @All: Leider sieht die Realität anders aus. Heilung? Gut behandelbar? Naja „gut behandelbar“ sieht in meinen Augen anders aus. Ärzte tappen meist im Dunkeln. Meist sind sie ratlos. Wat nu?
    Anderen Arzt suchen? „Nee, kann leider Ihnen nicht sofort einen Termin geben. Kommen Sie in drei Monaten wieder.“ Oder: „Wieviel Triptane wollen Sie haben? 12? Nein, Sie bekommen von mir nur zwei verschrieben.“ Drei Monate warten, bis der Schmerz weg ist? Nur zwei Triptane? Was mache ich denn, wenn am dritten Tag die Migräne wiederkehrt? Ausharren? Von wegen Migräne ist gut behandelbar. Was ist, wenn die verschriebenen Medikamente nicht mehr wirken. Nein, gar nichts mehr wirkt?

    Nachdenkliche Grüße
    Peter

    • forest123456 September 23, 2014 um 13:30

      Ich war nach 25 Jahren Migräne auch schon bei Triptanen und hab dann im Februar meine Ernährung komplett umgestellt. Seitdem KEINE MIGRÄNE MEHR

    • dasmigraeneprojekt September 24, 2014 um 10:05

      Hallo Peter,
      viele Menschen sind genau damit konfrontiert. Sie können nicht jeden Tag Triptane nehmen und egal was sie machen, die Migräne kommt trotzdem. Die Welt wäre erschüttert, wenn alle sich diese Menschen mal auf die Straße stellen würden.
      Liebe Grüße
      Violetta

      • forest123456 September 24, 2014 um 10:38

        Antwort zu Violettas Beitrag von oben ( da hab ich keinen Antwortbutton)

        Trigger haben für mich jetzt keine Bedeutung mehr.

        Ich vermeide weitgehendst Kohlenhydrate, vor allem solche mit hohem glykämischen Index bzw. was ich noch wichtiger finde einer hohen glykämischen Last. Eine Liste gibt es hier >>>
        http://jumk.de/glyx/

        Bekannt ist diese Ernährungsform als Logi Methode >>>http://de.wikipedia.org/wiki/Logi-Methode.

        Eine noch radikalere Methode wäre „LCHF“ low carb high fat. >>> http://lchf.de/

        Das finde ich zwar etwas übertrieben, aber wenn man bedenkt, dass eine möglichst „ketogene“ Ernährungsform sich nachweislich positiv auf Epilepsie auswirkt, die wie Migräne eine neurologische Erkrankung ist, macht das alles Sinn.

        Ich kann natürlich nicht garantieren, dass andere Migräniker denselben Erfolg haben, der sich bei mir eingestellt hat, aber einen Versuch wäre es sicher wert.

      • dasmigraeneprojekt September 25, 2014 um 10:41

        Gerade habe ich von einer Studie gelesen, die den Zusammenhang von Übergewicht und Migräneattacken aufzeigt. Demnach kann Übergewicht Migräne auslösen. Ich dachte, das interessiert dich vielleicht. Das ist die Studie: Verrotti A, Agostinelli S, D’Egidio C, Di Fonzo A, Carotenuto M, Parisi P, Esposito M, Tozzi E, Belcastro V, Mohn A, Battistella PA. Impact of a weight loss program on migraine in obese adolescents.

  3. forest123456 September 25, 2014 um 12:30

    Was mich betrifft habe ich mich bereits davon verabschiedet irgendwelche Trigger zu berücksichtigen. Als meine Migräne vor 25 Jahren losging hatte ich definitiv kein Übergewicht und viel mehr Sport und körperliche Bewegung als heute. Ich hatte zwar in der Vergangenheit den Eindruck, das bestimmte Lebens- bzw. Genussmittel Migräneanfälle begünstigen würden.
    Jetzt nach meinem weitgehenden Kohlenhydratverzicht ist das alles kein Thema mehr.
    Heute ernähre ich mich sogar zu einem nicht geringen Anteil von Sachen, die ich vorher eher vermieden hatte wegen Triggergefahr.

    Ich gebe das gerne zu, dass die Aussicht kein Brot, Reis, Kartoffeln, Nudeln, sonstige Getreideprodukte und zuckerhaltige Sachen mehr zu essen ( bzw. nur noch in geringen Mengen ) bei manchen Unbehagen auslöst und ein gehöriges Maß an Disziplin erfordert.

    Wenn man erstmal umgestellt hat, kann man aus meiner Sicht aber gut damit leben und allemal besser als die ewige Migränequälerei.

    • forest123456 September 25, 2014 um 13:08

      Ja, und wie schon geschrieben, bin ich nicht irgendeinem Ernährungs-Programm gefolgt, dass versprochen hätte, dass es gegen Migräne hilft.

      Die Migräne blieb dann einfach aus als ich das durchgezogen habe. Für mich ist das fast wie ein Wunder. Aber wahrscheinlich ist das alles zu unglaublich simpel, dass es jemanden vom Hocker reisst.

      :-)))

      • dasmigraeneprojekt September 25, 2014 um 14:24

        Was ich extrem interessant finde an deiner Erfahrung, ist dass sich hier wieder der Zusammenhang zwischen Migräne und Epilepsie zeigt. Du hast darauf hingewiesen, eine kohlehydratarme Ernährung zeigt gute Erfolge bei Epileptikern. So ist es ist auch kein Zufall, dass Epilepsiemittel Eingang in die Migränebehandlung gefunden haben. Und: doch, doch, deine Erfahrung sollte uns alle vom Hocker reißen. Wie oft berichten schon Leute, dass sie nach 25 Jahren plötzlich ihre Krankheit loswerden? Vielleicht mache ich mal einen Versuch… Wenn man erst mal eine brutale Umstellung der eigenen Ernährung hinter sich hatte, dann kanns nicht mehr so schlimm werdern. Aber was isst du denn dann zum Frühstück? Und wovon wirst du satt? Würde mich mal interessieren…

      • forest123456 September 28, 2014 um 05:08

        Ich will jetzt nicht anfangen hier low-carb Rezepte aufzuzählen. Prinzipiell stellt sich das Sättigungsgefühl genauso ein wie mit „normaler“ Ernährung. Nur dass man halt dann einfach weniger Energie in Form von Kohlenhydraten zu sich nimmt.
        Da dann der Insulinspiegel, der maßgeblich von der Kohlenhydrataufnahme abhängt, im Körper konstanter bleibt, hält das Sättigungsgefühl sogar noch länger an.

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