Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Ein Besuch bei der Neurologin

Ach ja. Heute war mal wieder ein Besuch bei meiner Neurologin fällig.
„Ich habe zehn Migränetage im Monat,“ sage ich. „Die Intensität ist zurückgegeangen, dank Sport und B2, aber es sind noch immer zehn Tage, an welchen ich zu nichts zu gebrauchen bin.“
Die Neurologin nickt, hört erst mal meinen Herzschlag ab, klopft mir mit einem Hämmerchen auf die Knie und die Arme. „In ihrem Fall ist eine Prophylaxe dringend anzuraten,“ sagt sie dann mit ernstem Blick. Sie ist nicht mal hektisch, sondern signalisiert, dass sie sich Zeit nimmt für mich. Rückt ihre schwarz gerahmte Brille gerade.
Ich weiß das durchaus zu würdigen. Ich versuche, nett zu sein. „Wissen sie, ich habe keine guten Erfahrungen gemacht mit den Prophylaxen,“ sage ich. „Propranolol hat meinen Blutdruck gesenkt, Angstzustände ausgelöst und Autoimmunreaktionen der Haut verursacht.“
Sie nickt, verstehend. „Ich würde ihnen raten, es mit Topiramat zu versuchen.“ Gott, schon wieder, denke ich. Warum wollen nur alle, dass ich dieses Zeug nehme? „Wissen Sie,“ versuche ich es vorsichtig, „meine Denkfähigkeit ist so ziemlich das letzte, was nicht eingeschränkt ist. Zumindest wenn ich keine Migräne habe. Und das sind immerhin zwanzig Tage im Monat.“
„Botox hilft vielen,“ sagt sie. „Dafür müssten sie aber 15 Tage Migräne im Monat haben, sonst zahlt die Kasse nicht.“
Das ist der Moment, wo der Arztbesuch zu einem Geschacher wird, wie auf eine Basar. Medikamente fliegen durch den Raum, werden angeboten, gewogen, hin- und hergeschoben. Alles, was FDA approved ist. Da gibt es ein neues Medikament, es heißt Namenda und wird gegen Alzheimer eingesetzt. Gute Güte, denke ich. Alzheimer.
„Ich weiß nicht so recht,“ sage ich.
„Es ist ihre Entscheidung,“ sagt sie.
Ich verspreche, mir alles bis zum nächsten mal durch den Kopf gehen zu lassen. Sozusagen. Dann verabschiede ich mich freundlich und gehe.
Das Angebot hat mich wieder nicht überzeugt. Ich bin keine gute Patientin. Bis zum nächsten mal auf dem Basar.

Eine Antwort zu “Ein Besuch bei der Neurologin

  1. Clara Februar 3, 2015 um 03:59

    Tja. Im Grunde kann ich das schon verstehen. Sie sind Ärzte, sie wollen helfen, sie haben aber eben nichts anderes als Prävention durch Mittel, die für was anderes gedacht sind als Migräne, Triptane oder Schmerzmittel a,b, c auf Lager. Was sollen sie machen? Was sollen sie Dir raten? Im Grunde können sie nur den Status Quo aufnehmen und durch winken. Ich selbst war schon über ein Jahr nicht mehr beim Neurologen. Bringt nichts. Ich nehme nur noch sehr selten Triptane, einfach weil Sumatriptan in keiner Dosierung bei mir wirkt und Allegro in nur sagen wir mal 50% der Fälle.
    Migravent nehme ich regelmässig und mir hilft das m.E. schon etwas.

    Wenn ich merke, dass es soweit sein könnte, nehme ich Novalgin und warte ab. Wenn ich einen richtig heftigen Anfall habe nehme ich Allegro und Novalgin ein paar Stunden später. Die Migränediät habe ich sausen lassen. Hat mich nicht weiter gebracht. Ich verzichte auf bestimmte Dinge wie Rotwein, Balsamico, Parmesan und Avocados und vor allem Fertigprodukte jeglicher Art, ansonsten esse ich wozu ich Lust habe und trinke auch wieder Kaffee. Es hat meine Anfälle nicht verstärkt, im Gegenteil, sie sind weniger geworden und vor allem weniger heftig.

    Ich gebe der Migräne und der Verzweiflung darüber, dass sie mich getroffen hat aber auch nur noch wenig Raum. Ich hab die Krankheit akzeptiert. Geht es mir wirklich schlecht sage ich Sachen ab. Und versuche mich damit nicht mehr zu stressen. Ich versuche generell unnötigen Ärger zu vermeiden und mich von Menschen fern zu halten die mich aufregen. Bei mir ist die Anfallsintensität stark mit meinem Seelenleben verknüpft.

    Heute ist so ein Tag an dem ich mit Nackenschmerzen und pochenden Kopfschmerzen aufgewacht bin. Gleich werde ich Schmerztropfen nehmen und dann mal weiter sehen. Auslöser ist Streit innerhalb der Familie der so eine Art never ending story darstellt. Und weil ich das jetzt kapiert habe, werde ich mich da raus ziehen.

    Letztlich wird uns gegen die Migräne niemand anderer helfen können als wir selbst.
    Leider…

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