Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Warum das Migränetagebuch wichtig ist

Auch der Hangover nach dem Migränetag gehört ins Tagebuch

Mein schlampig geführtes Migränetagebuch. Ohne Begleitsymptome, aber wenigstens mit einem dokumentierten Hangover.

Viele von uns führen ein Migränetagebuch und ich denke, dass die Dokumentation unserer Krankheit eine der wichtigsten Pflichten von uns Migränikern ist. Wer einmal im Monat zur Menstruation Migräne hat oder alle paar Monate mal, braucht vielleicht kein Migränetagebuch. Aber für alle anderen, die immer wieder und in regelmäßigen Abständen Migräne haben, ist das Migränetagebuch unverzichtbar. Warum aber ist die langfristige Dokumentation unserer Migräne so wichtig? Weil, wie meine Neurologin gerade richtig bemerkte, Migräniker dazu tendieren, die Migräne zu bagatellisieren.

Die Geschichte meiner Migränetagebücher ist lang. Seit vielen Jahren führe ich ein Migränetagebuch. Angefangen habe ich mit einem ausgedruckten Din-A 4 Blatt, dass ich mir von der DMKG heruntergeladen hatte. Dann habe ich festgestellt, dass das nicht meinen Bedürfnissen entsprochen hat und habe eine neue Version selbst in Excel gestaltet. Dann, als ich mit der Diät angefangen habe, habe ich beschlossen, dass jetzt alles besser wird und habe das alte Buch weggeworfen. Ich könnte mich heute noch ohrfeigen dafür. Was habe ich getan? Ich habe den Beweis, dass meine Migräne immer schlimmer geworden ist über die Jahre und Jahrzehnte, weggeworfen. Vor einem knappen Jahr dann habe ich wieder angefangen zu dokumentieren, als ich gemerkt habe, dass meine Migräne wieder mehr geworden ist und ich mir nichts vormachen sollte. Migränetagebuch 2.0 sozusagen. Es ist recht schlampig geführt und in der Form, wie ich es mache (siehe Foto), ist es auch nicht wirklich übersichtlich. Am besten ist immernoch eine ganze Monatssicht auf einem Blatt, in die man einträgt.

Der Beweis für uns selbst.
Der meiner Ansicht nach wichtigste Grund, ein Migränetagebuch zu führen ist, dem Selbstbetrug entgegenzuwirken. Fast alle Migräniker betrügen sich, wenn es um die Einschätzung ihrer Migräne geht. Oh ja, wir sagen „Meine Migräne ist schlimm,“ oder „Ich habe oft Migräne.“ Aber es gibt immer einen Teil in uns, der die Migräne bagatellisiert. Ich zum Beispiel schreibe grundsätzlich alle Migränen auf, aber ich schreibe nicht alle Zustände auf, die mit der Migräne kommen. Die in Wahrheit aber auch Migräne sind. Diese ganzen Tage mit wenig Migräne, diese Tage mit nur Schwindel und Konzentrationsproblemen, diese Tage mit Energieproblemen, und diese Tage mit neurologischen Symptomen wie tauben, kribbeligen Armen. Wenn ich diese Tage als Migränetage aufgeschrieben hätte, dann wäre ich theoretisch zertifizierte chronische Migränikerin. Dann hätte ich in Wahrheit nämlich fünfzehn Migränetage. Und nicht zehn. „Jeder Mensch lügt,“ sagt Dr. House und wenn es um die Migräne geht, denke ich, er hat recht. Ich habe mich schon so an das ewige schlapp sein, an das Ziehen im Kopf gewöhnt, dass ich es gar nicht mehr merke. Das habe ich mir vorgenommen. Ab jetzt wird jedes Zucken aufgeschrieben. Auch die sogenannten Begleitsymptome sind Migräne!

Erkennen, wann die Migräne chronisch wird.
Nur wenn man die Migräne richtig dokumentiert merkt an auch, wenn man sich auf die gefährlichen fünfzehn Tage im Monat zubewegt, die einen offiziell zu einem Menschen mit chronischer Migräne machen. Ich will hier nicht das Fass aufmachen, dass ich denke, dass Menschen mit zehn Migränetagen schon nicht mehr arbeitsfähig sind. Aber egal, wo man die Grenze setzt: Nur mit einer klaren Dokumentation weiß man wirklich, wo man steht und wann man sich in einen Bereich hineinbewegt, der einem mit rotem Blinklicht, lautem Hupen und Sirenengetöse klar macht: so geht es nicht weiter. Du musst etwas ändern. Du musst dich um deine Migräne kümmern. Chronifizierung von Migräne lässt sich oft vermeiden.

Der Beweis für andere.
Kein Mensch, es sei denn er hat auch regelmäßig Migräne, weiß, was es bedeutet, so viele Tage im Monat Schmerzen zu haben. Wir müssen uns nicht vor irgendwelchen Leuten mit einem Migränetagebuch rechtfertigen. Aber, es gibt Menschen, denen hilft ein Blick in unser Tagebuch weiter, wenn sie uns helfen wollen und können. Das kann auch die eigene Familie sein. Viel mehr aber sind es natürlich die Ärzte (die vielen), die wir im Laufe unserer Migränekarriere aufsuchen. Die müssen uns glauben, die müssen uns einschätzen können. Und am besten können sie das, wenn sie eine Dokumentation sehen, die so genau wie möglich ist. Ärzte sind so ausgebildet, dass sie eigentlich nur an das glauben, was man messen kann – einer der Gründe, warum es so lange gedauert hat, Krankheiten wie die Migräne überhaupt ernst zu nehmen. Die Migräne kann nicht durch einen Bluttest gemessen werden. Aber wir können sie messen, so genau wie möglich. Durch unser Tagebuch. Und dazu gehören auch die Begleitsymptome der Migräne.

2 Antworten zu “Warum das Migränetagebuch wichtig ist

  1. Lina November 20, 2014 um 09:49

    Hey!
    Das leidige Thema vom migräne Tagebuch hat mich auch lange verfolgt, bin aber von einem Neurologen auf die App von der schmerzklinik kiel hingewiesen worden. Im App Store einfach als migräne app zu finden. Das handy hat man ( meistens ) dabei und man denkt eher daran etwas einzutragen als in irgendeinen Kalender, der doch leider immer wieder mal verschollen ist und viel zu oft irgendwelche Attacken vergessen werden. Obwohl ich normalerweise eher kein Freund davon bin alles übers handy zu regeln, bin ich absolut von diesem System überzeugt und empfehle sie gerne weiter. Jede Attacke wird einzeln bearbeitet mit Dauer, Schmerzstärke, Art des Schmerzes, Medikation, Aura, usw. Ebenfalls wird abgefragt ob die Medikamente halfen und in welcher Art und Weise die Attacke den Alltag berinträchtigte. Für jeden Monat erhält man eine Auswertung des Programms mit durchschnittlichen Werten und einen genauen Überblick darüber wie oft man beispielsweise Triptane genommen hat ( schützt auch vor dem übergebrauchsks).. Unkompliziert kann man sich mit wenigen Klicks ein Backup an eine Email Adresse schicken lassen um das ganze auch in ausgedruckter Form in der Hand zu halten.
    Nebenbei gibt es noch einen Reiter für migräne wissen, einen chronifizierungs Schnelltest sowie einen Triptan check. Ich selbst arbeite auf der Neurologie und empfehle diese Art des schmerzkalenders gerne an Schmerzpatienten weiter!
    Einen Versuch ist es denke ich auf jeden Fall wert, ach ja und die App ist natürlich kostenfrei 🙂

    Liebe Grüße Lina

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