Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Twenty One Pilots – Migraine

8 Antworten zu “Twenty One Pilots – Migraine

  1. viviane30 November 30, 2014 um 01:15

    Tut das gut!! Dass endlich mal die Migräniker aus ihren Verstecken aus Scham und „ich will keinen mit dieser seltsamen Krankheit belästigen“ kommen und auf sich bzw. uns aufmerksam machen!

    • Violetta November 30, 2014 um 11:54

      Genau das hat mich auch fasziniert. Der Typ kommt cool rüber, ist nicht wehleidig, sondern sagt was Sache ist. Das ist natürlich nicht mehr so einfach, wenn die Migränetage zu viele werden und man etwas älter wird. *Hust Hust* Auch für schwere Krankheiten macht man halt immer besser Politik, wenn man gesund und frisch aussieht, und nicht krank und schwach. Keiner will uns während einer Attacke sehen, denke ich.

      • Rebecca Juni 28, 2015 um 13:02

        So, wie ich das verstanden habe, schafft er sich mit „blurryface“ (wird in diesem Stück aber nur implizit erwähnt) aber genau eine Kunstfigur, die auf diese fiese, träge, unfrische und – scheint mir zumindest arg so: auch migräneassozierte – Seite in ihm anspielt. Also, sowohl mit dem Album, als auch durch die Erwähnung von blurryface in den Texten, als auch durch die „Maskierung“ mit den geschwärzten Händen und Nacken. Und dadurch, dass er’s ironisiert, ist es immer noch cool, zugleich aber auch real. Und sichtbar, obwohl er so jung ist.

        Ich bin dem link mal gefolgt, weil mich das seit einigen Monaten ziemlich beschäftigt, diese Frage, wie man Schmerz künstlerisch aus einer Tabuzone holen kann, ohne ihn dabei zu glorifizieren, oder auch herunterzuspielen. Die band mag ich echt gern, daher herzlichen Dank für den Hinweis!

      • Violetta Juni 30, 2015 um 10:35

        Rebecca,
        als ich den Blogpost über meinen Besuch im Walker Art Center geschrieben habe, ist wie von selbst ein ähnlicher Ansatz herausgekommen. Die Selbstwahrnehmung, dass es da eine andere Person gibt in mir, oder eine andere Seite, die sich zeigt, wenn ich im Migränemodus bin. DIe Hirnchemie der Migräne ändert meine Persönlichkeit, so empfinde ich das, und das geht weit über den Schmerz hinaus.
        Interessante Gedanken von dir. Danke.
        Violetta

  2. Rebecca Juni 30, 2015 um 13:18

    Liebe Violetta,

    ja, das war mir auch bei deiner Assoziation zur „Winged Victory“ – Statue aufgefallen – als ob das Hirn einen manchmal vorwarnt, was passieren wird – und kenne ich auch von mir sehr gut.

    Es gibt in der Traumaforschung den Begriff der „Dissoziation“, den man leider nur sehr, sehr grob mit „Bewusstseinsspaltung“ übersetzen kann, was leider oft fälschlicherweise direkt in die Schizo-Ecke gestopft wird. Migräne ist übrigens ein potenziell traumatisierender Schmerz, das wissen viele gar nicht – dabei kann man diesen Spaltungsmechanismus im Umgang mit der Migräne sogar nutzen. Z.B. um nicht sich selbst von der Welt, sondern einen „gesunden“ Teil des eigenen Bewusstseins von dem schmerzbelasteten Teil abzugrenzen. Manche Imaginationsstrategien beruhen auf dem Prinzip. Man kann auch lernen, besser mit der Außenwelt zu kommunizieren, obwohl man gerade tief in sich selbst drinsteckt – wobei das, wie ich finde, schon eine der größten Herausforderungen ist.. Naja, das ist, wie man vielleicht merkt, mein persönlicher Ansatz der nichtmedikamentösen Migränebehandlung und ich bin mal lieber still, bevor ich anfange in der Gegend rumzudozieren ;).

    Jedenfalls mag ich grad solche bands und überhaupt künstlerischen Ansätze, die die Dinge angstfrei beschreiben. Um noch mal auf dein „Winged Victory“ – Erlebnis zurückzukommen: Ich finde das sehr spannend, dass du kurz vor dieser miesen Attacke, noch diese hübsche Assoziation hattest. Ich glaube, man sollte in diesem Sinne nicht übersehen, dass nicht jedes Hirn solche Assoziationen findet und dass ein Migränegehirn aufgrund seiner neurophysiologischen Besonderheiten nicht nur den Schmerz, sondern auch umgekehrt spezielle sensorische und kognitive Fähigkeiten mit sich bringt. Ich sag meinem das machmal auch ;).

    Viele Grüße
    Rebecca

    • Violetta Juli 3, 2015 um 11:44

      Es gibt sehr viel zu entdecken, wenn man mal genauer hinschaut. Entspanntes genauer hinschauen ohne hypochondrisch(er) oder ängstlicher zu werden, ist allerdings nicht so einfach. Das wiederum spricht sehr dafür, dass sich Migräniker nicht isolieren, sondern versuchen, sich in einem produktiven, sozialen Migränekontext zu bewegen. Wo der Kontext sein soll? Keine Ahnung…

      • Rebecca Juli 3, 2015 um 16:51

        Na, ich glaube, es gibt mittlerweile so einige interessante Ansätze für produktive Kontexte: Literatur, Blogs, auch künstlerische Projekte und wissenschaftlich angeleitete Foren – wobei ich mir da bei den großen Kliniken und Forschungseinrichtungen auch manchmal etwas mehr Offenheit und Respekt für alternative Ansätze wünschen würde. Aber solange sich Vielfalt generell entwickeln kann, macht das Hoffnung, finde ich.

        Ich finde Hypochondrie und Angst entstehen nicht unbedingt durch übermäßige Beschäftigung mit Themen, sondern vor allem durch Unberechenbarkeit und eben gerade die mangelnde Einschätzbarkeit und Unkenntnis darüber, wie Schmerz funktioniert. Schmerz ist mies, Angst, vor ihm machtlos zu sein, ist noch viel schlimmer. Aber du hast vollkommen recht, man muss eine Balance finden.

        Es gibt eine sehr geile CD zur Schmerzmeditation auf der HP der Schmerzklinik Kiel. Da geht es darum, körperliche Vorgänge durch Imagination real verändern zu lernen. Da ist auch immer die erste Phase, den Schmerz zu visualisieren und wahrzunehmen, auch zu sehen, wo er begrenzt wird und wo kein Schmerz mehr ist. Und im zweiten Teil geht es darum, ihn aktiv zu bekämpfen durch Gegenbilder, wie Kälte, oder indem man sich vorstellt, dass man die Blutgefäße verengt und entkrampft. Sehr spannend und gar nicht so schwer, wie es klingt.

        Ich bin grad sehr geschwätzig, stelle ich fest. Es ist so heiß hier grad, da denkt man doch öfter ans Köpflein ;).

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