Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Die sieben Punkte des Migränemanagements

sevenImmer wieder fällt mir auf, dass es zwar sehr viele Menschen gibt, die schon jahrelang Migräne haben, dass es aber trotzdem auch sehr viele Menschen gibt, die sich noch nie mit ihrer Migräne auseinandergesetzt haben. Oder sie fangen gerade erst an, das zu tun. Deswegen schadet es nicht, sich mit ein paar Grundlagen zu befassen.

 

Die sieben Punkte des Migränemanagements

1. Die Migränediagnose
Viele Menschen schleppen sich jahrelang. Manche gehen gar nicht zum Arzt, weil sie denken, dass sie halt irgendwie Kopfschmerzen haben und versuchen, mit rezeptfreien Schmerzmitteln über die Runde zu kommen. Manche gehen zum Arzt, bekommen aber keine zufriedenstellende Diagnose und schleppen sich weiter.
Managen: einen kompetenten Arzt und Spezialisten finden, der nicht locker lässt und sauber diagnostiziert, dann therapiert. Das kann Jahre dauern und eine Menge Ärzte verschleißen.

2. Wissen aufbauen
Wenn man weiß, dass man Migräne hat und vor allem, was für ein Typ von Migräne, dann kann man anfangen, sich selbst schlau zu machen. Es gibt zwei Gründe, warum das sehr wichtig ist. Erstens sind Migräne und die dazugehörigen Mechanismen individuell sehr unterschiedlich. Zweitens: Migräne ist noch sehr unerforscht und es gibt oft Ansätze, die helfen, aber von kaum einem Arzt unterstützt werden.
Managen: Sich selbst zum Spezialisten ausbilden. Wissen ansammeln. Über die eigene Migräneart, aber auch über den eigenen Körper: was man braucht, wie man reagiert, wo die eigenen Grenzen sind. Blogs lesen: wem hilft was, was für Therapieansätze gibt es?

3. Trigger identifizieren
Jeder Arzt sagt, dass es Trigger gibt und gibt sogar zu, dass es Lebensmitteltrigger gibt. Aber eine Systematik haben wir damit noch lange nicht. Nur wenn wir unsere Trigger klar identifiziert haben können wir sie meiden.
Managen: Herausfinden, was die eigene Migräne triggert. Das Internet ist voll vom Beispielen: Gerüche, Lärm, Licht, Lebensmittel usw.

4. Prävention
Wer mehr als drei Tage Migräne im Monat hat, braucht eine Prävention. Das müssen nicht immer die drei Pharmahämmer sein, die die Ärzte standardmäßig anbieten. (Können sie aber). Es gibt eine ganze Palette von präventiven Möglichkeiten, und nur wer Punkt 2 auch befolgt, nämlich Wissen aufzubauen, wird eigene präventive Ansätze finden, die sich gegenseitig ergänzen werden und helfen. Auch das vermeiden von Triggern kann eine Prävention sein.
Managen: Akzeptieren, dass man bei häufiger und starker Migräne präventiv tätig werden muss. Die Schmerztablette allein genügt nicht.

5. Akute Behandlung
Je mehr Schmerz wir erdulden, desto höher ist das Risiko, dass die Migräne immer häufiger kommt und immer stärker wird. Ein Migräneanfall sollte so früh wie möglich mit adäquaten Mitteln abgebrochen werden.
Managen: hier ist die Zusammenarbeit mit dem Arzt gefordert, um zu entscheiden, was am besten geeignet ist, um einen Migräneanfall abzubrechen.

6. Notfallbehandlung
Für viele Migräniker gibt es eine Art Standardbehandlung, die meistens hilft. Wenn diese allerdings versagt, dann sollte einen mit dem Arzt abgesprochenen Plan B geben. Gnadenloses, verzweifeltes Überdosieren sollte vermieden werden. Das ist ein problematischer Punkt, denn Ärzte bieten eine solche Überlegung meistens nicht einfach von sich aus an. Hier hilft es natürlich, wenn man sich selbst gut kennt und weiß, welche Extremmomente entstehen können. Wer weiß, dass er oder sie zu extrem starken Attacken neigt oder Attacken, die über längere Zeit anhalten, braucht einen Fahrplan für die Notaufnahme. Am besten mit dem Arzt absprechen und sichergehen, dass die jeweilige Notaufnahme auch weiß, wie sie zu behandeln hat.
Managen: Plan B und Notaufnahmenplan mit dem Arzt zusammen entwickeln.

7. Unterstützung
Migräne ist nicht sichtbar (meistens) und ist stigmatisiert. Nicht-Migräniker können nicht einschätzen, was es bedeutet, auch Ärzte sind fehlbar. Mit Migräne haben wir unser ganzes Leben zu tun und das kann extrem frustrierend sein. Therapien schlagen nicht an oder nur kurz, unsere Beziehung leidet, wir bekommen Probleme an Arbeitsplatz, verlieren unsere Lebenslust. Oder unser Arzt verliert die Lust daran, uns zu behandeln.
Managen: sich vernetzen, eine Wissenspolster haben und Kontakte pflegen.

4 Antworten zu “Die sieben Punkte des Migränemanagements

  1. Peter Schwirkmann Januar 17, 2015 um 13:05

    Danke Violetta. Anders hätte ich es auch nicht ausdrücken können.

    Leider gibt es echt Ärzte, die meinen Migräne wäre eine psychische Erkrankung.
    Allerdings ist Migräne eine neurologische Erkrankung. Zwar gibt es auch psycho-
    logische Einflüsse, aber einen großen Einfluss hat Stress, positiver wie negativer.

    Bei mir sind es beides, die Migräne auslösen kann. Meist auch unregelmässige Lebensweise.
    Das hatte ich ja bereits erwähnt.

    Gruß und deine migränefreie Zeit
    Peter

    • Violetta Januar 17, 2015 um 16:41

      Viele Migräniker kennen das, den Ratschlag vom Arzt, doch mal einen Psychologen aufzusuchen. Ich kenne das auch. Das ist dann spätestens das Zeichen, sich einen neuen Arzt zu suchen.

  2. Highly Sensitive Person (High Sensation Seeker) Juni 13, 2015 um 23:06

    Hallo Violetta,

    erstmal vielen lieben Dank für diese wunderbar informativen Seiten, die du hier zusammengestellt hast. Die Tochter meines Cousins hat Migräne und ein paar andere Verwandte auch.

    So wie du gerade über Migräne informierst, so informiere ich die Menschen in meinem Blog über Hochsensibilität – was aber keine Krankheit darstellt, sondern ein Wesensmerkmal.

    Dieses wird immer mehr in Verbindung u.a. mit Migräne gebracht.

    Hast du dir schon mal überlegt, evtl. auch hochsensibel zu sein? Wahrnehmungsstark? Detailreich? Kreativ?

    Du kannst auch mal kurz hier schauen, falls dich das Thema interessiert:
    http://hochsensibelsein.de/hat-die-migraeneforschung-das-hochsensibilitaetsgen-gefunden/

    Natürlich lade ich dich auch gerne in mein Wohnzimmer ein, sofern du magst – dort darfst du es dir auch auf einem bequemen Sessel gemütlich machen:
    https://hochsensibel1753.wordpress.com/herzlich-willkommen/

    Ganz liebe Grüße und weiterhin gutes Gelingen mit deinem Blog hier,
    Julia

    • Violetta Juni 14, 2015 um 12:57

      Hallo Julia,

      eine sehr interessante Seite hast du da. Ich habe mich noch nie dezidiert mit Hochsensibilität befasst (immerhin weiß ich, was es bedeutet, ha). Ich würde mich selbst auch als extrem aufnahmefähig bezeichnen und nicht gut fähig, mich gegenüber Reizen in der Umwelt abzuschirmen. Ich kriege immer alles mit. Deshalb wohne ich jetzt auch auf dem Land (und habe trotzdem noch die gleiche Migräne).

      Herzliche Grüße
      Violetta

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: