Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Mit Migräne in die Notaufnahme

NotaufnahmeEs gibt viele Gründe, eine ambulante Behandlung bei Kopfschmerzen aufzusuchen. Vorstellig werden können Migräniker, die am Anfang ihrer Karriere stehen und noch keine Diagnose haben genauso wie altgediente Migräniker, die Schmerzen haben, die nicht in den Griff zu bekommen sind, weil sie z.B. zu stark sind oder zu lange dauern. Wenn man mit Migräne ins Krankenhaus geht, dann stellt man sich natürlich die Frage, wie man dort eigentlich behandelt wird und was der Unterschied ist zu den Mitteln, die man zuhause zur Verfügung hat. Um es vorweg zu sagen: In einem ambulanten Setting gibts einige Möglichkeiten. Je stärker ein Migräneanfall zum Beispiel ist, desto schlechter werden Medikemente über den Magen aufgenommen. Allein die Option der intravenösen Medikamentierung bietet einen gewaltigen Vorteil.

Wissen aber die Ärzte in den Notaufnahmen und der ambulanten Versorgung, wie man einen klassichen Migräneanfall mit stärkeren Bandagen abbricht? Wenn man sich anschaut, was diesbezüglich über die Lage in den USA geschrieben wird, dann ist das Ergebnis nicht sehr ermutigend. In der neurologischen Fachzeitschrift Cephalalgia hat es in letzter Zeit ein paar Artikel zu diesem Thema gegeben. Diese legen nahe, sich vor einem Notfall gut zu informieren und niemals unvorbereitet in eine ambulante Aufnahme zu gehen.

Bei der Auswertung einer Untersuchung, wie in amerikanischen Notaufnahmen behandelt wird, stellte sich heraus, dass die meisten Ärzte nicht den bestehenden Empfehlungen folgen. Dabei gibt es eine seltsame Fixierung auf Opiate. In dem Artikel „Current management of migraine in US emergency departments: An analysis of the National Hospital Ambulatory Medical Care Survey“ wird festgestellt, dass fast 59% aller Migräniker in der akuten Behandlung mit Opiaten behandelt werden. Opiate werden übrigens bei Migräne nicht empfohlen, aus mehreren Gründen. Zum einen wird das Ziel, einen Anfall abzubrechen oft nicht erreicht. Die Migräne kommt zudem oft zurück, sodass unter Umständen eine zweite Tour in die Notaufnahme fällig wird. Paradoxerweise sind amerikanische Miräneblogs voll von Ratgebern, wie man sich am besten in einer Notaufnahme präsentiert, um nicht einen Stempel in die Akte zu bekommen, der „Drug Seeker“ heißt. Damit ist eine Person gemeint, die Suchtprobleme hat und eine Krankheit simuliert, um an eine Droge zu kommen. Ensprechend werden sehr viele Migräniker nicht ernst genommen, oft stundenlang liegen gelassen und manchmal sogar gänzlich ohne Behandlung nachhause geschickt. Das ist natürlich deprimierend, weil man zum Abbrechen eines Anfalls gar keine Medikamente braucht, die Suchtpotential haben.

Was ist also die beste Strategie, im Notfall gut behandelt zu werden?

Die richtige Notaufnahme aussuchen:
Wenn man nicht gerade auf dem Land wohnt und keine Wahl hat, dann lohnt es sich, nicht gleich die erstbeste Notaufnahme um die Ecke aufzusuchen. Größere Kliniken und Unikliniken sind im Bereich Kopfschmerzkrankheiten oft besser aufgestellt als kleinere Ambulanzen. Manche große Krankenhäuser haben eine Kopfschmerzambulanz.

Vorausplanen:
Wer weiß, dass er oder sie professionelle Notfallhilfe benötigen könnte, kann sich mit dem eigenen Migränearzt verständigen und ein Notfallprotokoll besprechen. Der eigene Arzt kann z.B. auch ein Empfehlungsschreiben ausstellen, das von dem Migränepatienten in der Ambulanz vorgelegt werden kann.

Zum Abschluss und zur groben Orientierung hier noch eine Liste (erstellt von kanadischen Ärzten), was in der Notfallbehandlung empfohlen wird und was nicht. Das muss natürlich nicht die beste aller Listen sein. Trotzdem ist sie ganz interessant. Die Namen der Wirkstoffe habe ich in der englischen Form gelassen, hier wollte ich mich nicht auf eine Übersetzung einlassen. Meistens stimmen die Begriffe in Englisch und Deutsch mehr oder weniger überein.

  • Stark empfohlen mit vielen und guten Nachweisen: Prochlorperazine
    Stark empfohlen mit mittlerer Menge/Qualität an Nachweisen: Lysine Acetylsalicylic acid, Metoclopramide and Sumatriptan
    Stark empfohlen mit geringer Menge/Qualität an Nachweisen: Ketorolac
  • Bedingt empfohlen mit mittlerer Menge/Qualität an Nachweisen: Chlorpromazine
    Bedingt empfohlen mit geringer Menge/Qualität an Nachweisen: Ergotamine, Dihydroergotamine, Lidocaine intranasal and Meperidine
  • Absolut nicht empfohlen mit mittlerer Menge/Qualität an Nachweisen: Dexamethasone
    Absolut nicht empfohlen mit geringer Menge/Qualität an Nachweisen: Granisetron, Haloperidol and Trimethobenzamide
  • Nicht empfohlen mit mittlerer Menge/Qualität an Nachweisen: Acetaminophen and Magnesium Sulfate
    Nicht empfohlen mit geringer Menge/Qualität an Nachweisen: Diclofenac, Droperidol, Lidocaine intravenous,Lysine Clonixinate, Morphine, Propofol, Sodium Valproate and Tramadol

Eine Antwort zu “Mit Migräne in die Notaufnahme

  1. forest123456 März 16, 2015 um 22:57

    Als ich noch Migräne hatte, wäre das mit der „Notaufnahme“ für mich sowieso kein Thema gewesen. Da wäre ich überhaupt nicht in der Lage gewesen, irgendwo hinzufahren.

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