Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Angelika erzählt von ihrer Migräne

Das hier ist der dreizehnte Artikel der Serie: Erzähl deine Geschichte.
Mit dieser Serie lade ich andere Migräniker ein, von sich zu erzählen.
Vielen Dank an Angelika, die in diesem Blogpost von ihrer Migräne berichtet.

1. Wie nennst du deine Migräne, welche Worte hast du dafür?
Einen Namen habe ich für meine Migräne noch nicht gefunden. Sie ist auf jeden Fall sehr wandelbar, sie überrascht mich immer wieder mit einem neuen Gesicht. Bei einer Aufstellung ( so ähnlich wie eine Familienaufstellun) wurde mir klar, wie hartnäckig und standhaft meine Migräne ist. Die Person, die meine Migräne darstellte wich nicht von der Stelle, sie stand fest wie ein Baum. Der Anblick war für mich sehr beängstigend.

Ich beschreibe meine Migräne immer mit den Worten: es fühlt sich so an, als ob mir jemand mit einen Schlagbohrer in meinen Kopf bohrt. Ich möchte mir in dem Moment den Kopf abschlagen.

2. Seit wann hast du Migräne und wie hat sie sich über die Jahre verändert?
Ich gehe jetzt in mein fünfzigstes Migränejahr, wow ein halbes Jahrhundert, da kann ich ja mit meiner Migräne Jubiläum feiern. Ich habe sie in meinem 3. Lebensjahr bekommen, für die Wandlungsfähigkeit meiner Migräne werden die 700 Worte nicht ausreichen. Als Kind war es Nahrungsmittelabhängig (z. B. Würtschen). Als Jugendliche kam Schulstress dazu und natürlich die hormonelle Migräne alle 4 Wochen, die war besonders schlimm. Während meiner Schwangerschaft ging es mir blendend, nicht ein Migräneanfall!!! Seit 1997 wurde es ganz schlimm und ich kenne bis heute nicht den Grund. Ich hatte auch im Laufe der Jahre einige Operationen, Blinddarm, Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule und Endometriose, so schlimm, dass mir Gebärmutter und 1 Eierstock entfernt wurden.

Ich war 2x in der Schmerzklinik Kiel. Das erste Mal war ich 2 Jahre schmerzfrei danach, ich war so glücklich. Dann kam beruflicher Stress hinzu, ich lies ihn zu (als Migränekranker ist man ja sehr pflichtbewusst und alles ist wichtiger, als die eigene Gesundheit) und bin wieder ganz böse in die Migräneattacken hineingeschlittert. Ich habe aber seitdem den Eindruck, dass der Schmerz viel mit „Druck“ zu tun hat, ich bin verkrampft, dann setzt der Nackenschmerz ein und meist über Nacht ist meine Migräne wieder da. Das alles ist jetzt aber nur eine superkurze Beschreibung.

3. Würdest du sagen, deine Migräne ist eine Krankheit?
Ja, Migräne ist eine Krankheit. Aber sie hat mir gezeigt, wie ich gesünder leben kann. Ich habe sehr viel von meiner Migräne gelernt. Ich habe meinen Körper perfekt durch sie kennengelernt. Ich möchte fast sagen, aus jeder Migränehölle habe ich ein klein wenig Positives gezogen und habe mich immer wieder aufgerappelt.

4. Wie bewältigst du Migräne-Attacken am Arbeitsplatz?
Da ich meistens schon am frühen Morgen mit Migräne aufwache, ich aber in der glücllichen Lage bin, morgens vor Arbeitsbeginn noch ca. 2 Stunden für mich habe, entwickle ich mich in diesen 2 Stunden durch Einnahme eines Triptans (Maxalt) von einem Zombie in eine ansehnliche Frau. Wenn es aber ganz böse kommt, bleibe ich zu Hause. Die Triptane retten mich meistens und ich schaffe die Arbeit, irgendwie….

5. Was und/oder wer hat dir am meisten geholfen, mit der Migräne umzugehen?
Als Medikament die Triptane.
Ich möchte hier meinem Mann von Herzen danken, dass er seit 35 Jahren mir eine so große Hilfe ist. Er hat mich nie im Stich gelassen und er hat viel, sehr viel mit meiner Migräne durchgemacht. Er unterstützt jede Idee, die ich habe. Mir kommen gerade vor lauter Rührung die Tränen. Meine Mutti, meine Freundin, alle sind  für mich da. Ein Arzt hat mir auch sehr geholfen, er war der 1. Arzt von dem ich mich verstanden fühlte, leider lebt er nicht mehr. Und Professor Göbel und sein Team aus der Schmerzklinik Kiel haben mir auch sehr geholfen. Das Team vom TCM Institut im St. Hedwigs Krankenhaus in Berlin kann ich sehr weiterempfehlen und die Hochschulambulanz für Naturheilkunde in der Chariteé in Berlin Mitte ist auch sehr gut.

Physiotherapeutische Behandlungen sind für mich sehr unterstützend, meine Ernährungsumstellung und morderater regelmäßiger Ausdauerspor sind äußerst wichtig und meine Diziplin.

6. Was hat dir am wenigsten geholfen, mit der Migräne umzugehen? Was war der nutzloseste Ratschlag, den du jemals bekommen hast?
Am wenigsten hat mir ein psychosomatischer Kuraufenthalt geholfen. Wie gesagt, ich habe seit meinem 3. Lebensjahr Migräne und das geschulte Psychologenteam vorort, war eindeutig der Meinung, mein Mann sei an meiner Migräne schuld, unfassbar.
Eine Psychologen in Berlin hat mir  gesagt, ich solle doch froh sein, dass es die Triptane gibt, dann ist doch alles gut; und das in einer Phase, in der ich monatlich 15-20 Tage Migräne hatte.
Alle meinen es gut, aber niemand, der nicht betroffen ist, hat wirklich eine Ahnung. Es gab 1000 nutzlose Ratschläge. Z.B. kein Leitungswasser zu trinken, oder aber viel Leitungswasser zu trinken….

7. Was ist die absurdeste/lustigste/schrecklichste/denkwürdigste Situation, in die die Migräne dich gebracht hat?
Bei einem ganz besonders schlimmen Anfall, rief mein Mann die Feuerwehr und die wollten mich tätsächlich mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus bringen, da saß ich dann vor Schreck aber doch wieder aufrecht. Der Hubschrauber ist nicht gelandet, aber die Feuerwehr brachte mich ins Krankenhaus, dort war ich nur noch ein heulendes, hechelndes Wrack. Vor lauter Hyperventilieren, verkrampften sich meine Hände dermaßen, so dass ich wie ein Zombie dort auf dem Bett lag. Ich musste trotz meines Anfalls darüber lachen. Man sieht, auch Migräne bringt einem zum Lachen….., das nennt man wohl Galgenhumor.

8. Was würdest du anderen Menschen mit Migräne empfehlen
Auf jeden Fall einen geregelten Tagesablauf und dementsprechend einen regelmäßigen Wach-Schlafrythmus, regelmäßige Mahlzeiten, viel stilles Wasser trinken, versuchen auf den eigenen Körper zu hören. Das Wort „NEIN“ lernen.

Eine Antwort zu “Angelika erzählt von ihrer Migräne

  1. Mina November 9, 2015 um 09:52

    Liebe Angelika,
    vor zwei Jahren war ich selbst in der Schmerzklinik Kiel und dort gemeinsam mit einer Angelika zu Gast, vielleicht warst du ja diese? Wir haben gemeinsam Barfußtraining gemacht und ich habe zum Geburtstag eine Karte von dir erhalten, auf die ich leider nie antworten konnte, da deine Adresse fehlte.
    Liebe Grüße von Lina

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