Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Methylierung als Ansatz, Migräne zu behandeln

Source: Wikipedia, By Thomas Shafee

Source: Wikipedia, By Thomas Shafee

Sprechen wir also von Methylierung. Mein neuester Behandlungsversuch ist sehr vielversprechend. Er hat meine Dauermigräne abrupt beendet und in eine ab- und zu mal Migräne verwandelt. Zumindest zur Zeit. Methylierung als Methode ist erst mal nicht ganz so einfach zu verstehen. Meine erste Reaktion, als ich von den Erfolgen einiger Migräniker gelesen habe war die: Methylierung? Hä?

Das sich gerade neu bildende Fachgebiet, von welchem ich spreche, ist so neu, dass es noch nicht mal einen einheitlichen Namen hat. Es gibt nur wenige Spezialisten und so weit ich weiß, sitzen die alle in den USA – es sei denn ich leide jetzt auch schon unter Amizentrismus und nehme nichts mehr wahr, was außerhalb dieses Kontinents stattfindet. Manche nennen das, was ich gerade versuche, an mir zu praktizieren “Nutrigenomik”, manche nennen es “Methylierung” und manche nennen es, auf Englisch: “Methylation Genomics” oder auch „Methyl Cycle Genomiks“. Prominenteste Figuren sind vielleicht Dr. Amy Yasko und Dr. Ben Lynch.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der Stoffwechsel oder, eigentlich ganz banal und nichts neues: Biochemie. Neu ist der Ansatz, wie dieses Wissen eingesetzt und dann entspechend behandelt wird. Wenn man sich mit Methylierung beschäftigt, dann könnte man zu dem Schluss kommen, dass es vielleicht keine eindeutige Ursache gibt für Migräne. Ich überlege im Moment immer wieder ob Migräne vielleicht das Resultat eines Zusammenspiels von Stoffwechselprozessen sein könnte, die nicht so richtig laufen, wie sie sollen. Das klingt kompliziert und abschreckend. In Wahrheit, wenn man sich mit Methylierung beschäftigt, merkt man (irgendwann), dass es eigentlich gar nicht so kompliziert ist.

Das Wort Methylierung bezieht sich auf den sogenannten Methylkreislauf. Methylgruppen sind dabei ein Kohlenstoffatom, das mit drei Wasserstoffatomen verbunden ist: CH3. Dieses CH3 und die dazugehörigen Prozesse sind eine wichtige Grundlage unserer Gesundheit. Eine Methylgruppe ist dabei wie eine Währung, die einen wirtschaftlichen Kreislauf in Gang hält. Methylgruppen werden von einem Molekül zum nächsten weitergereicht. Wenn es an einer Stelle zu wenig Methylgruppen gibt, dann beginnt das ganze System zu stottern. Wenn Methylgruppen nicht weiterverarbeitet werden können und es einen Stau gibt, dann funktioniert unser Stoffwechsel nicht ordentlich. Die Folge sind Entzündungen, Immunerkrankungen, Diabetes, Multiples Sklerose, Alzheimer, Schilddrüsenprobleme, Neuropathien, wiederholte Fehlgeburten, psychische Krankheiten, Allergien, Chronische Erschöpfung – die Liste ist lang und geht noch weiter – und, wir ahnen es: möglicherweise auch Migräne.

Die Genetik ist eine Art Instrument, um  Zusammenhänge besser zu verstehen. Sie ist aber, wohlgemerkt, nur eine mögliche Methode von vielen. Das Ziel ist es, den Stoffwechsel in ein neues, funktionales Gleichgewicht zu bringen, indem man nicht funktionierende Stoffwechselprozesse ausgleicht. Was mir persönlich daran gefällt ist, dass die Grundlage dieses Heilungsansatzes reine, faktische, Wissenschaft ist. Das Wort Nutrigenomik, das auch immer wieder benutzt wird, weist darauf hin, wie behandelt wird: ausschließlich mit natürlichen Mitteln. Dazu gehören Vitamine, Aminosäuren, Mineralien und andere Stoffe. Dem Körper werden ganz gezielt Mittel zur Verfügung gestellt, die im menschlichen Körper selbst vorkommen. Keine synthetische Chemie.

Methylierung ist individualisierte Medizin. Das bedeutet, die unverwechselbare und eindeutige Biochemie eines Patienten wird betrachtet und analysiert. Dazu gehören die Gesamtheit aller Symptome (also in unserem Falle alles, was wir noch unabhängig von unserer Migräne vorzuweisen haben), die genetische Basis und der biochemische Status des Patienten, der gemessen werden kann. Außerdem Lebensstil und Umweltfaktoren.

Unsere Gene können uns die entscheidenden Hinweise geben, was in unserem Stoffwechsel nicht stimmt. Was nicht läuft. Bei manchen Leuten können bestimmte Enzyme nicht gebildet werden. Bei manchen funktionieren bestimmte Enzyme zu schnell oder zu langsam. Das reicht um krank zu werden oder Migräne zu bekommen? Oh ja.

Nehmen wir zum Beispiel ein beliebiges, wichtiges Enzym, ohne das der Körper nicht funktionieren kann. Wie wird das Enzym gebildet? Ganz einfach: Es gibt einen DNA-Strang der mit den vier Basenpaaren codiert ist und Anweisungen gibt: Adenosin, Cytosin, Guanin und Thymin. Unsere Computersprachen werden mit nullen und einsen codiert, unser Körper wird mit den vier Basenpaaren codiert. Ein bestimmter DNA Strang also sagt dem Körper, wie er das benötigte Enzym bauen kann und dass er es bauen soll. Manchmal jedoch kommt es zu Fehlern: Wo Adenosin sitzen müsste sitzt plötzlich Thymin, oder wo Guanin sitzen müsste sitzt plötzlich Cytosin. Solche Fehler können auch vererbt werden, über viele Generationen. Womit wir wieder bei der vererbbaren Migräne wären. Ein Fachgebiet, das Berührungspunkte mit diesem Ansatz hat ist übrigens die Epigenetik.

Um das gerade Gesagte gleich wieder zu relativieren: Unser DNA Code ist voll von solchen Fehlern. Oder sagen wir: Varianten. Diese werden SNP genannt, (single nucleotid polymorphism.) Manche Varianten oder SNPs sind weniger schlimm, manche sind ein hundertprozentiger Garant für eine bestimmte Krankheit.

Eines der ersten Gene, das in diesem Zusammenhang sehr gut erforscht wurde ist MTHFR, das das gleichnamige Enzym MTHFR (Methylentetrahydrofolat-Reduktase) bildet, welches widerum zentraler Bestandteil des Methylkreislaufs ist. Das Gen MTHFR C677T wird in Studien immer wieder im Zusammenhang mit Migräne genannt. Nicht, dass sich jetzt alle Migräne auf das MTHFR Gen zurückführen lässt. Mitnichten. Ich zum Beispiel habe die MTHFR C677T Mutation gar nicht.

Aber ich habe andere Probleme gefunden. Ich habe einen SNP, der für meinen Schwefelstoffwechsel zuständig ist und nicht richtig funktioniert. Das Gen heißt CBS (für cystathionine-beta-synthase), die Variation heißt C699T. Diese Entdeckung hat meine Augen für ein ganz neues Problem geöffnet. Ein Problem, mit welchem ich nie und nimmer gerechnet hätte. Das wahrscheinlich zu schnell arbeitende Enzym hat zur Folge, dass zu viel Schwefel und Ammoniak in meinem Körper unterwegs sind und diesen vergiften. Das ist zwar nicht das einzige Problem, das bei mir Migräne auslöst, aber es ist ein sehr bedeutsames und eines das, wie ich lernen musste, viel Migräniker teilen. (Und, nur am Rande viele Menschen aus dem Autistischen Spektrum).

Ich muss allerdings einschränkend sagen, dass eine Genvariante kein festgeschriebenes Urteil ist. Sie ist ein Hinweis auf eine Möglichkeit. Manche Gene drücken sich aus und sind tatsächlich aktiv, manche sind nicht aktiv (silenced) und beeinträchtigen uns nicht. Man nennt das „gene expression“. Man behandelt den Menschen und seine Symptome, nicht den SNP. Und trotzdem: Die Auseinandersetzung mit meinen SNPs hat mich erst dahin gebracht zu verstehen, was mit mir los ist. Es gibt noch einige andere SNPs, die bei mir nicht richtig laufen und bedeutsam sind. Die Erfolge, die sich jetzt schon mit der Behandlung nur eines einzigen SNPs eingestellt haben, lassen mich sehr gespannt sein.

Wer sich ein bisschen ins Thema einarbeiten will, kann zum Beispiel „What is Methylation“ als Suchbegriff bei Youtube eingeben. Nicht frustrieren lassen, es dauert ein bisschen, bis man verstanden hat wie es läuft. In den nächsten Blogposts werde ich weiter von meiner persönlichen Herangehensweise berichten.

20 Antworten zu “Methylierung als Ansatz, Migräne zu behandeln

  1. Christine Februar 17, 2016 um 03:45

    Kann man denn als medizinischer Laie solch einen Gentest selbst interpretieren?

    • Violetta Februar 17, 2016 um 09:57

      Selbst interpretieren kann man das sehr gut, zumindest was die Methylierung angeht. Es gibt mittlerweile einiges an Material dazu. Über die Behandlung allerdings gibt es unterschiedliche Ansichten. Alle sind sich, denke ich, einig, dass es ideal wäre, wenn man immer von einer Ärztin oder einem Heilpraktiker begleitet würde. Da aber die Anzahl dieser Personen extrem gering ist und diese Spezialisten in den USA extrem teuer sind, hat sich eine andere Vorgehensweise eingebürgert. Die Leute gehen das Thema erst mal selbst an und nur wenn sie irgendwo nicht weiterkommen, dann suchen sie Hilfe. Viele kommen damit extrem weit. Weil das so ist, stellen die Spezialisten mittlerweile bewusst Anleitungen und Hilfestellungen ins Netz.

  2. Birgit Februar 18, 2016 um 11:33

    Danke! Sehr spannend, ich habe schon kurz angefangen zu recherchieren. Ich freue mich sehr auf Deine weiteren Ausführungen. Könnte auch ein Thema bei meiner chronischen Müdigkeit sein. Weiterhin viel Erfolg!

    • Violetta Februar 18, 2016 um 12:04

      Zu Chronic Fatigue (also chronischer Müdigkeit oder auch CFS) gibt es einen (unterdessen leider verstorbenen) Methylierungs-Spezialisten Namens Rich van Kroynenburg. Er hat eine Webseite, die Phoenix Rising heißt, wo er das „Simplified Treatment Protocol“ entworfen hat. Er hat ein Forum gleichen Namens, das unter Methylation-Interessierten zu einiger Berühmtheit gelangt ist, weil sich da sehr kundige Leute getummelt haben und dort Informationen zu finden sind, die noch immer Referenz sind. Bekannt ist insbesondere der Thread von einem user Namens Freddd, der seine eigene Variante des Simplified Treatment protocol entworfen hat. Auch wenn die ganze Chose sehr interessant ist, gerade weil sie nicht so komplex erscheint zu Beginn, sollte man erst ein Gesamtbild seiner Methylierung haben und gucken, mit welchen Themen man zuerst einsteigt. Gerade bei uns Migränikern gibt es oft Genvarianten, wo der Einstieg mit B12 und Methylfolat kräftig nach hinten losgehen kann. Hier ein Link.

      • Birgit Februar 18, 2016 um 22:52

        DANKE! Ich kann mich erinnern, dass ich vor über einem Jahr schon mal über Rich van K. gestolpert bin, dann aber zu erschöpft war, um das alles geistig zu raffen. Aber ich habe bald zwei Monate frei und werde diese Zeit sinnvoll nutzen. Und ich bin gespannt auf Deine weiteren Posts. Ich hoffe so sehr, dass Du Deine Situation verbessern kannst. Ich habe auch schon länger den Verdacht, dass meine Allergien (begonnen im frühen Kindesalter) und meine Migräne (begonnen kurz danach), mein Burnout vor ein paar Jahren und die verbliebene Erschöpfung und Fibromyalgie irgendwie zusammenhängen und ich bin dann bei Rich van K. gelandet. Hab dann aber schnell wieder aufgegeben. Dieses Mal nicht 🙂

  3. Josephine Februar 19, 2016 um 23:49

    Liebe Violetta,

    ein ganz toller Artikel. Bedeutet das nun, dass du mit der Einnahme von Mitteln in bestimmten Dosen und in bestimmer Reihenfolge, die sich vielleicht unter „Nahrungsergänzungsmitteln“ zusammenfassen lassen, deinen Stoffwechsel ausbalancieren möchtest?
    Was ich dabei nicht so gut verstehe: Warum nimmt sich der Körper nicht bereits was er braucht aus der täglich sowieso aufgenommenen Nahrung? Oder sind das Substanzen, die unsere Nahrungsmittel nicht enthalten?

    Herzliche Grüße, Josephine

    • Violetta Februar 20, 2016 um 12:32

      Hallo Josephine,
      ja, das ist ein bisschen komplex und ich hoffe, dass ich das in Zukunft noch ein bisschen besser erklären kann. Grundsätzlich: ja, richtig, der Stoffwechsel wird mit Hilfe von Nahrungsergänzungsmitteln ins Gleichgewicht gebracht. Wohlgemerkt, Nahrungserzänzungsmittel heißt nicht irgendein Multivitamin zu nehmen. Davon wird dringend abgeraten. Die Behandlung sollte zielorientiert eingesetzt werden.
      Der Körper würde sich im Idealfall selbst ausbalancieren. Allerdings gibt es eine Menge Faktoren, die ein Ungleichgewicht bedingen. Zum Beispiel haben nicht alle Körper die Möglichkeiten, sich auszubalancieren, weil eben bestimmte wichtige Enzyme nicht so produziert werden, wie man es brauchen würde. Manche Enzyme arbeiten zu schnell und ziehen Stoffe ab, die woanders noch gebraucht würden. Ganze Prozesse im Körper können so zum Stillstand kommen. Das kann dramatische Folgen haben. Wie zum Beispiel in meinem Fall, dass der Körper mit Sulfiten und Ammoniak geflutet wird. Manchmal kann man, wenn zum Beispiel ein Enzym, genetisch bedingt, zu langsam produziert wird, den Prozess beschleunigen, indem man Kofaktoren, die das Enzym bauen sollen, in größeren Mengen als normal zusetzt. Das ist dann wie ein Dominoeffekt, wo dann plötzlich ein ganze Kette in Schwung gerät. Eine faszinerende Erfahrung!
      Liebe Grüße von Violetta

  4. Engelchen Februar 27, 2016 um 00:50

    Liebe Violetta! Vielen Dank für den spannenden Artikel. Ich bin dir so dankbar das du uns immer auf dem laufenden hältst❤️ Ich hab mal eine Frage wegen dem Gentest den du erwähntest: Weißt du das durch den Test den du vor ner Weile gemacht hattest oder hast du dich noch mal testen lassen?Und gibt es da irgendwas zu beachten? Vielen Dank für deine Hilfe

    • Violetta Februar 29, 2016 um 10:14

      Ich werde versuchen, die ganze Chose in den folgenden Artikeln zu vertiefen. Den Gentest macht man nur einmal, dann gibt es noch weitere Tests. Ich werde darueber berichten.

  5. Mary April 2, 2016 um 08:02

    Liebe Violetta,
    ich bin heute zufällig auf deinen blog gestossen und versuche mich gerade einzulesen.
    Toll, ich kann mich in soooo vielen Dingen wiedererkennen!
    Ich habe seit 30 Jahren Migräne und bin seit einem Jahr in der Dauermigräne.Z.Zt. habe ich auch das Gefühl, jeden Tag auf die eigene Hinrichtung zu warten…..“Irgendwann am Tag kommen sie dich holen“…….und dann kommt wieder die tägliche Migräneattacke, die mich wieder in die Hölle schickt, bis ich durch ein Triptan wieder auf die Erde kann 😦
    Da ich merke, dass die Ärtze gar nicht weiterwissen, ausser einen mit Prophylaxen vollzustopfen, suche und suche ich auch nach meinen Auslösern.
    Ich werde gerne auch meine Migränegeschichte erzählen, wenn ich ein wenig besser dran bin.
    Im Moment wird in Richtung Histaminintolleranz und Schlafapnoe gefahndet.

    Nun finde ich das Thema B1 und Molybdenum hochinteressant. Verzweifelt wie ich bin , habe ich direkt die beiden Sachen im Internet bestellt, ohne überhaupt zu wissen, ob ich dafür in Frage komme;) .
    Ist es sinnvoll, dies zu testen?

    Danke für die tollen und hilfreichen Kommentare. Würde sich da auch ein Forum anbieten? Oder sind hier zuwenig Leute, die sich daran beteiligen?

    Danke–Mary

    • Violetta April 3, 2016 um 09:51

      Hallo Mary,
      sowohl Histaminintoleranz als auch die Schwefelgeschichte kannst du relativ leicht erforschen, indem du deine Ernährung für eine Zeit strickt an den vermuteteten Stoff anpasst und diesen weglässt. Insbesondere bei Schwefel ist das Auslassen von schwefelhaltigen Lebensmitteln unerlässlich. Auch mit Zusetzen von Molybdenum und B1 wirst du keine Erfolge erzielen, wenn du den Prozess nicht durch das Weglassen der entsprechenden Lebensmittel unterstützt. Du brauchst keinen Gentest dafür, aber ich würde mir die Teststreifen von Quantofix besorgen. Die geben dir wichtige Hinweise und du bekommst ein Gefühl dafür, ob Schwefel überhaupt ein Thema ist für dich – und ob Lebensmittel oder eben Moly und B1 überhaupt was tun. Ansonsten stocherst du im Dunkeln und die Gefahr ist hoch, dass dein Versuch in einer frustrierenden Erfahrung endet.
      Falls du einen Versuch startest, ich bin sehr an einem Feedback interessiert. Good Luck!
      Liebe Grüße
      Violetta

  6. Mary April 20, 2016 um 09:57

    Liebe Violetta ,
    es ist für mich unheimlich anstrengend, die ganzen Zusammenhänge zu verstehen.
    Die Abgandlungen sind ja auf englisch , aber ich beiße mich durch :))

    Eine Frage habe ich jedoch :MSM wird ja sehr hoch gepriesen. Das dürfte dann aber bei dir ja kontraproduktiv sein.
    Wie kann man das denn feststellen?

    Irgendwie fehlt bei mir noch der Knackpunkt , zu verstehen, ob das alles dann nur ein Zufallsprinzip ist , oder wie man das ganze angehen soll,

    Liebe Grüße aus Köln
    Mary

    • Violetta April 20, 2016 um 12:32

      Ich habe mehrere Monate davor gesessen und den Ansatz verflucht, weil ich es nicht richtig verstanden habe. Ich bin aber immer wieder darauf zurückgekommen, wei ich gemerkt habe, dass was dran ist. Hat sich angefühlt, wie eine neue Sprache zu lernen. Irgendwann schnackelt es.
      Zum MSM: Schwefelhaltig Ergänzungsprodukte können sehr gesund sein und werden immer wieder empfohlen. Das ist auch richtig. Aber NUR wenn man Schwefel richtig verarbeiten kann. Was du z.B. tun kannst, um herauszubekommen, ob du Probleme mit Schwefel hast und entsprechend wahrscheinlich den CBS SNP: Besorg dir die Sulfat-Teststreifen und mach einen Urintest, wie im Post über Schwefel beschrieben. Wenn du schwefelhaltige Medikamente oder Lebensmittelzusätze nimmst, dann würde es zumindest bei mir einen messbaren vorher/nacher Effekt geben.
      Ansonsten empfehle ich die Youtube Videos von Ben Lynch. Das hat noch ein visuelle KOmponente und man kann es immer wieder anhalten. Die CBS Genvariante muss übrigens bearbeitet werden, bevor man mit der eigentlichen Methylierung beginnt. Mit eigentlicher MEthylierung meine ich, dass man den Methylkreislauf unterstützt durch die Ergänzung Methylfolat, MethylB12 (oder HydroxiB12, AdenoB12) und den anderen Vitaminen und Cofaktoren, die an dem Prozess beteiligt sind. Das ist auch der Prozess, der von ben Lynch in seinen Videos rund um das Thema „Was ist MTHFR“ erläutert wird.

  7. Birgit April 21, 2016 um 03:49

    Hallo Mary,
    falls Du es schaffst, in Deutschland Sulfat-Teststreifen aufzutreiben, wäre ich sehr interessiert an der Quelle. Ich finde immer nur Verkäufer, bei denen steht, dass sie nur an Labore und medizinische Einrichtungen oder Schulen versenden.
    Birgit aus Bayern

  8. Violetta April 22, 2016 um 12:17

    So, hier gibts die Sulfat-Teststreifen: Biologiebedarf Thorns. http://www.biologie-bedarf.de/
    Ich habe nachgefragt und der Besitzer hat mir bestätigt, dass an Privatpersonen versendet wird. Lieferzeit bei den Quantofix Teststäbchen 8-10 Tage. Ich werde die Info in den Blogpost einpflegen.

  9. Margot Mai 26, 2016 um 12:07

    Hallo Violetta
    Zuerst vielen herzlichen Dank für all diese Informationen. Ich habe das MTHFR C677T Gen (und unter anderem auch Migräne) und wäre an den Sulfat-Teststreifen interessiert. Wie weiss ich dann aber, wie die Resultate zu lesen sind?
    Dank zum Voraus und liebe Grüsse

    • Violetta Mai 27, 2016 um 00:32

      Alles was über 800 ist, ist verdächtig. Über 1200 ist extrem verdächtig. 1600: mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Bei mir geht die Migräne los ab drei Tagen am Stück über 800. Es gibt aber auch Menschen, die standardmäßig um die 800 haben und keine Probleme. Du bekommst das am besten raus, wenn du dich eine Woche lang schwefelfrei ernährst, oder solange, bis deine Werte unten sind – so zwischen 200 und 400. Ich zumindest und viele andere fühlen sich dann wesentlich besser. z.B: Keine Migräne, der Energiepegel steigt, die Stimmung steigt etc. Weitere Infos mein Artikel zum CBS Gen.

  10. Silvia Juni 15, 2016 um 07:17

    Hallo Violetta, hallo an alle anderen Mitleser.
    Ich habe auch die Störung im besagten CBS-Gen (+/+). Ich habe den Sulfat-Test gemacht und auch jemanden testen lassen, der fit ist wie ein Turnschuh. Unser beider Verlauf ist gleich. Essen wir Schwefelhaltiges (Kohlrabi, Eier, Blumenkohl, Erbsen, Käse…) geht unser beider Schwefelwert bis auf entweder >800 oder höchstens bis >1200 und sinkt aber bis zum nächsten Vormittag wieder runter auf <200 (wenn wir nichts schwefelhaltiges nachgeschoben haben).
    Vermutlich kann man dann davon ausgehen, dass das normal ist, oder? Oder dürfte er bei normalem Schwefelstoffwechsel überhaupt nicht ansteigen? Im Netz stand, dass es bei der CBS-Störung teilweise mehrere Wochen dauert, das bei schwefelarmer Diät der Wert wieder unter 800 ist.
    Ich habe tatsächlich auch den Eindruck, dass meine Migräne und mein erschöpftes Allgemeinbefinden recht unbeeindruckt sind von der mehrwöchigen schwefelfreien Diät.
    Vermutlich ist das bei mir nicht der Schlüssel.
    Haben vielleicht schon einige die Sulfat-Teststäbchen benutzt und können auch ihre Mess-Erfahrungen berichten?? Das fänd ich jetzt sehr interessant.
    Viele Grüße
    Silvia

    • Violetta Juni 17, 2016 um 13:41

      Danke für deinen Erfahrungsbericht! Hier meine Gedanken zu deiner Beobachtung:
      Wie ich geschrieben habe drückt sich nicht jede Genvariante aus. Und: jeder Organismus ist unterschiedlich. Plus, der Sulfat-Pathway ist komplex, es gibt also mehrere Gene und Stoffwechselprozesse, die hier wirken. Zum Beispiel das SUOX-Gen, welches dafür sorgt, dass die Sulfite in Sulfate umgewandelt werden, damit sie ausgeschieden werden können. Je besser SUOX arbeitet, desto weniger Probleme gibt es mit Sulfiten, die zu lange im Organismus verweilen und Schaden anrichten. Eine mögliche Erklärungsvariante also, warum bei dir die Sulfatwerte erst sehr ansteigen und dann schnell wieder abfallen ist, dass SUOX bei dir sehr effektiv arbeitet (und nicht wie bei mir mit Unmengen an Molybdenum angeheizt werden muss, um zurande zu kommen). Außerdem hängt der Urea Cycle noch mit drin, der genügend von einem Stoff Namens BH4 benötigt, um möglicherweise aus den Sulfiten gebildetes Ammonium abzubauen.

      Jetzt kommt lautes Denken ohne Gewähr, weil ich hier ein gesundes Halb- bis Dreiviertelwissen habe, mich aber nicht genügend auskenne: Erstens habe ich den Mechniasmus des CBS+/+ Gens so verstanden, dass es zu schnell arbeitet und damit zu viel Homocystein aus dem Methylierungskreislauf zieht. Allerdings, ich glaube ich hab das irgendwo mal erwähnt, gibt es sehr viele Studien, die zeigen, dass CBS bei +/+ auch langsamer laufen kann. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen, aber ich weiß, dass es da Unklarheiten in der Interpretation gibt. Zweitens wird das Produkt dieser Umwandlung in den Sulfuric-Pathway hineingezogen, anstatt dass z.B. mehr gutes und dringend benötigtes Gluthation gebildet wird. Letzteres kann man prüfen, in dem Taurin gemessen wird. Zu viel Taurin, zu viel Aktivität im Sulfuric Pathway. Dieser Hintergrund, wenn er hoffentlich so stimmt, würde noch immer die Möglichkeit zulassen dass dein CBS Gen überaktiv ist. Weil es einen so hohen Anstieg an Sulfaten gibt, die ausgeschieden werden, wenn auch schnell und anscheinend relativ schadlos.

      Ich weiß, dass mein Lebenspartner, der CBS +/- ist und schwefelhaltige NAhrungsmittel nur so in sich hineinstopft, immer auf 800 ist, wenn er misst. Nie mehr, selten weniger. Meine eigenen Sulfatwerte sind mit der Reduzierung von sulfurhaltigen Nahrungsmitteln sehr schnell, innerhalb von wenigen Tagen, runtergegangen. Ich weiß selbst nicht, was ich daraus schließen soll. Außer dass mein Körper sehr schnell mit Besserung reagiert hat, als ich die Sulfate reduziert habe und sehr schnell mit Verschlechterung reagiert, wenn ich zu viel sulfathaltige Lebensmittel esse. Die Sulfate lassen sich bei mir meistens jedoch erst am übernächsten Tag messen und werden dann nur langsam ausgeschieden. Wenn sich bei dir nichts tut, dann hast du an der Stelle wahrscheinlich keine Probleme. Was nicht bedeutet, dass du mit dem Methylierungsansatz am Ende bist, sondern eigentlich eher im Gegenteil am Anfang. Die Studien, die es zu Migräne und Methylierung gibt, beziehen sich alle auf die MTHFR Genvariante.
      Soweit meine Gedanken, danke nochmal für deinen Bericht und hoffentlich findest du einen anderen Ansatzpunkt, um die Migräne in den Griff zu bekommen.

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