Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Lara erzählt von ihrer Migräne

Das hier ist der fünfzehnte Artikel der Serie: Erzähl deine Geschichte.
Mit dieser Serie lade ich andere Migräniker ein, von sich zu erzählen.
Vielen Dank an Lara, die in diesem Blogpost von ihrer Migräne berichtet.

1. Wie nennst du deine Migräne, welche Worte hast du dafür?
Ich muss sagen, dass ich früher eigentlich nie einen wirklichen Namen für meine Migräne hatte – außer eben „Migräne“, und das wie viele andere auch in Kombination mit üblen Flüchen. Mittlerweile nenne ich meine Migräne jedoch gerne mal „Gehirndisco“, da bei mir Migräne immer zusammen mit Flimmern vor den Augen auftritt – seitdem kann ich flackerndes Licht wie eben z. B. in der Disco übrigens überhaupt nicht mehr leiden.

2. Seit wann hast du Migräne und wie hat sie sich über die Jahre verändert?
Laut meiner Mutter habe ich eigentlich schon Migräne, seit ich noch sehr jung war. Sie beschreibt, dass ich schon als Kleinkind in diesen Migränephasen oft herumgetorkelt bin wie eine Betrunkene, dabei muss ich auch unglaubliche Kopfschmerzen gehabt haben. Ich selber kann mich daran überhaupt nicht erinnern. Auch was meine Grundschulzeit angeht, kann ich nichts berichten. Richtig angefangen hat die Migräne, wie ich sie heute kenne, für mich definitiv mit Einnahme der Pille. Damals war ich 14 und einmal ist mir abends beim Lesen aufgefallen, dass ich die Wörter nicht mehr richtig erkennen kann, habe mir aber nichts dabei gedacht (war ja schon spät abends) und habs auf die Müdigkeit geschoben. Seither ist es so, dass ich regelmäßig Migräne mit Aura habe, immer zuerst 30 Minuten Flimmern, danach stechende Schmerzen auf der linken Seite des Kopfes, dazu ein extremes Druckgefühl. Manchmal habe ich auch mehrere Auren hintereinander über einen Tag verteilt.

3. Würdest du sagen, deine Migräne ist eine Krankheit?
Ich würde sie nicht nur als Krankheit bezeichnen, sondern vielmehr als Gebrechen.

4. Wie bewältigst du Migräne-Attacken am Arbeitsplatz?
Soweit ich mich erinnern kann, habe ich eigentlich noch nie eine Migräneattacke auf der Arbeit bekommen. Ich erinnere mich nur noch an einige Tag in meiner Schulzeit. Durch die Aura habe ich das „Glück“ – naja, eigentlich kann man diese Hilflosigkeit, die einen überkommt, wenn man halb blind ist, nicht als Glück bezeichnen – sofort handeln zu können. Daher nehme ich – egal in welchen Situationen – immer zuerst eine Ibu 600 gegen die bald eintretenden Schmerzen, dann mache ich mich auf den Heimweg (bzw. lasse mich abholen). Wenn ich alleine unterwegs bin, muss ich eben ausharren, aber glücklicherweise war ich noch nicht oft in solchen Situationen.

5. Was und/oder wer hat dir am meisten geholfen, mit der Migräne umzugehen?
Mir hilft es generell total, wenn während der Attacke eine Person bei mir ist, der ich vertraue. Da wäre an erster Stelle mein Verlobter, der mich oft ablenkt und für mich da ist. Außerdem muss ich an dieser Stelle einmal meinen Neurologen loben, den ich nach 10 Jahren Migräne zum ersten Mal aufgesucht habe, und dessen Erklärungen, was bei einer Attacke eigentlich im Kopf passiert, mich total beruhigt haben. Außerdem stellt er mich nicht auf Medikamente ein, sondern geht mit mir alternative Behandlungsmethoden durch, z. B. die Einnahme von hochdosiertem Magnesium, regelmäßiger Ausdauersport oder Akupunktur.

6. Was hat dir am wenigsten geholfen, mit der Migräne umzugehen? Was war der nutzloseste Ratschlag, den du jemals bekommen hast?
Am wenigsten haben mir die unzähligen Frauenärzte geholfen, die ich in den letzten 10 Jahren immer wieder aufgesucht habe. Niemand wollte mir glauben, dass meine Migräne von der Einnahme der Pille kommt – und das, obwohl die Pille bei Migräne mit Aura in den Packungsbeilagen sogar kontraindiziert ist! Leider habe ich mich lange, lange Zeit immer wieder „beruhigen“ lassen, sodass ich die Pille letzlich 8 Jahre lang eingenommen habe. Abgesetzt habe ich sie dann auf eigene Faust, ohne Ratschlag eines Frauenarztes. Daher haben Frauenärzte für mich in den letzten Jahren leider sehr an Vertrauenswürdigkeit verloren.

7. Was ist die absurdeste/lustigste/schrecklichste/denkwürdigste Situation, in die die Migräne dich gebracht hat?
Im Jahr 2005 hatte ich dann ein ganz schlimmes Erlebnis mit Symptomen, die sich wie ein Schlaganfall angefühlt haben (halbseitige Lähmung, Sprechen und Schlucken nicht möglich). Das Ganze hat sich aber innerhalb einer halben Stunde komplett zurückgebildet und danach hatte ich „nur“ noch Kopfschmerzen. Die absurdeste Situation ist die, dass ich in der Oberstufe einen Englischlehrer mit extrem schwarzem Humor hatte. Da ich neu an der Schule war und kaum jemanden kannte, war ich ohnehin verunsichert, und der Lehrer teilte uns zu Beginn der ersten Englischstunde mit, dass wir mit ihm nur Englisch sprechen dürften, sonst würde es Sechsen hageln. Als ich dann, wenige Wochen später, einen Migräneanfall in der Stunde bekam, habe ich mich kaum getraut, den Lehrer anzusprechen, da ich in diesem Zustand kaum einen englischen Satz zustandegebracht hätte. Also habe ich eine Stunde lang alles ausgesessen, bis ich es nicht mehr aushielt, zum Lehrer ging und ihm auf Englisch irgendetwas über Kopfschmerzen entgegengestammelt habe. Daraufhin musste er lachen und erklärte mir, ich dürfe ruhig auch Deutsch mit ihm sprechen.

8. Was würdest du anderen Menschen mit Migräne empfehlen
Ich würde anderen Menschen empfehlen, sich einen guten Neurologen zu suchen, der vielleicht sogar Spezialist auf dem Gebiet ist und der nicht nur Medikamente als einzige Maßnahme ansieht. Es gibt so viele Dinge, die wirklich helfen! Das mit dem Ausdauersport scheint bei mir nämlich tatsächlich anzuschlagen. Und versucht nicht, euch irgendwie als Simulanten abtun zu lassen, die ja „eigentlich gar nichts haben“!

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