Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Michaela erzählt von ihrer Migräne

Das hier ist der sechzehnte Artikel der Serie: Erzähl deine Geschichte.
Mit dieser Serie lade ich andere Migräniker ein, von sich zu erzählen.
Vielen Dank an Michaela, die in diesem Blogpost von ihrer Migräne berichtet.

1. Wie nennst du deine Migräne, welche Worte hast du dafür?
Ein Drache mit unendlich vielen Köpfen – so vielen, wie es unterschiedliche Erscheinungsformen der Migräne gibt.

2. Würdest du sagen, deine Migräne ist eine Krankheit?
Kopf- bzw. Spannungskopfschmerzen waren für mich nie eine Krankheit, wegen sowas geht man doch nicht zum Arzt, die Leute hätten einen für verrückt erklärt. Erst als die Migränespitzen rund 20 Jahre später dazukamen, fing das Umdenken an.

3. Wie bewältigst du Migräne-Attacken am Arbeitsplatz?
Ganz selten schaffe ich es, mit Dehnübungen oder einem kurzen Schlaf im Nebenraum, es abzufangen, aber das ist selten. Autogenes Training und Co – Fehlanzeige – da kein anhaltender Effekt. Und in der Arbeit die ganze Zeit liegen und progressive Muskelentspannung machen, da wäre mein Chef begeistert! Einzige Chance: Triptane schlucken, denn ich habe das Glück, dass sie wirken.

4. Was und/oder wer hat dir am meisten geholfen, mit der Migräne umzugehen?
Keiner! Ich mir selbst! Bin über die Jahre hinweg leider stark vereinsamt (obwohl ich immer ein sehr quirliger und offener, extrovertierter Mensch war) – nicht zuletzt wegen dieser Krankheit, die einen leider auch sehr verändert.

5. Was hat dir am wenigsten geholfen, mit der Migräne umzugehen? Was war der nutzloseste Ratschlag, den du jemals bekommen hast?
Ein Ratschlag – nur ein Einziger? Hier können glaub ich viele eine ganze Liste an nutzlosen Ratschlägen schreiben. z.B.  dieser: „Du musst Dich nur ablenken, Du denkst nur zuviel daran“ (na der Schmerzkalender schreibt sich ja von allein!!).
Oder Aussagen von Neurologen: „Gehen sie wieder in die Psychosomatische, die haben Sie nur nicht richtig erwischt.“
Oder Sie wollen einen auf Antideppressiva schicken – nur wegen der praktischen Nebenwirkung der Schmerzschwellenerhöhung… bedenkt man dann die nicht unerheblichen Nebenwirkungen und eine weitere Abhängigkeit, bekommt man wortwörtlich den Hinweis: „Müssen Sie wissen, ob Sie schlank sein und Schmerzen haben wollen oder dick sein und schmerzfrei.“ Der Arzt hat mich nur noch von hinten gesehen.

6. Was ist die absurdeste/lustigste/schrecklichste/denkwürdigste Situation, in die die Migräne dich gebracht hat?
Es war mal wieder einer seltenen Tage, an denen ich schon mit starken Schmerzen wach geworden bin, aber ich musste unbedingt in die Arbeit. Also fuhr ich mehr oder weniger im Delirium  mit eingeschränktem Sichtfeld in die Arbeit. Es war ja schon ein Glück, dass ich nicht im Acker landete. Wir haben eine Tiefgarage in der Firma, in die ich schon seit Jahren mit perfektem Schwung in meinen Parkplatz (mit vier Betonsäulen umrandet) rückwärts einparke….I
An diesem Tag wurde mir die Migräne ganz schön teuer…..mein Auto lernte den Betonpfosten hautnah kennen.

7. Was würdest du anderen Menschen mit Migräne empfehlen
Ich persönlich habe leider durchweg keine guten Erfahrungen mit Ärzten. Dank einem Neurologen wurde ich letztlich tablettenabhängig (meine größte Horrorvorstellung bis dahin!) bzw. bekam tabletteninduzierten Migränekopfschmerz. Jahrelang war ich in der Endlosschleife mit den Triptanen gefangen und steigerte mich schließlich auf 16 Einnahmetage. Nach mehreren Neurologen, die ich alle am liebsten an die Wand genagelt hätte, hatte ich die Schnauze voll. Ich war stolz darauf, dass ich mich die ganzen Jahre gegen Antidepressiva erfolgreich verwehrt hatte, denn ich wollte ich selbst bleiben. Zuviel Menschen habe ich schon gesehen, die waren nicht mehr wiederzukennen.

Vor 1 Monat habe ich angefangen, online zu recherchieren, wollte keine weiteren Tabletten obendrauf, denn das konnte einfach nicht die Lösung sein. Ich wollte die Ursachen angehen und stieß u.a. auf „Das Migräneprojekt“ und fand mich wieder in verschiedenen Passagen aber auch erkannt, es geht noch viel schlimmer! Ich kenne es nur ohne Aura, mit Licht- und Lärmempfindlichkeit, aber übel ist mir z.B. nur sehr selten und die Triptane wirken meist sehr schnell und sehr gut.

Ich beschloss, unverzüglich einen Triptanentzug auf eigene Faust zu unternehmen, denn so konnte es nicht weitergehen. Die Schlinge würde sich ja immer mehr zuziehen. Parallel dazu verzichte ich auf Koffeingetränke, was ich bisher mit grünem und schwarzem Tee fast täglich zu mir nahm (die Tabletten basieren ja auch auf Koffein, was ich gelesen habe). Dazu startete ich nochmals mit 2 weiteren homöopathisch unterstützenden Mitteln. Ich kämpfte mich durch 2 volle Schmerztage und dann jetzt vier Wochen später kann ich es garnicht fassen. Ich hatte im Durchschnitt nur noch 1 Tag pro Woche Migräne. OK, der Spannungskopfschmerz ist nach wie vor dauerexistent, aber damit kann ich soweit umgehen.
Damit fühle ich mich zum ersten Mal wieder Herr der Lage!

Mein Rat – gebt niemals auf (auch ich wollte schon so oft aufgeben), findet Euren Weg – egal ob mit oder ohne Arzt (denn es gibt sicherlich auch gute Ärzte  man muss sie nur finden) — aber vor allem, macht nicht alles blind mit, sondern behaltet Euren gesunden Menschenverstand! Ihr alle, die so viel mehr Qual durchmachen müssen als ich, habt meinen größten Respekt!

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