Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Kategorie-Archiv: Erste Phase: Der Entzug

Wie lange dauert die Entzugsphase und wie bereite ich mich darauf vor?

Molli hat einen Kommentar geschrieben und gefragt, wie lange wohl diese erste Phase des Entzugs dauert. Wer einen engen Terminkalender hat, will diese unangenehme Phase natürlich auch einigermaßen planen. Ich werde im folgenden meine Erfahrungen und das, was ich darüber gelesen habe zusammenfassen.

Was bedeutet eigentlich Entzug in diesem Zusammenhang?  Entzug bedeutet, dass alle koffeinhaltigen und Gefäße zusammenziehenden Stoffe abgesetzt werden, damit sich die entzündeten Gefäße im Hirn beruhigen und heilen können. Vor allem für die, die so viele Schmerzmittel nehmen, dass sich daraus eine chronische Migräne entwickelt hat, ist es wichtig, diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen. Mehr von diesem Beitrag lesen

Tag 11 – Ende der ersten Phase und Fazit

Jetzt nach elf Tagen betrachte ich die erste Phase als abgeschlossen. Es fühlt sich zumindest so an.

Um nochmal das Lehrbuch wiederzugeben: Die erste Phase dauert im Schnitt ein bis zwei Wochen. Die wesentlichen Elemente sind:
1. Entzug von Coffein, wozu alle coffeinhaltigen Lebensmittel und Getränke gehören und
2. Entzug von allen gefäßverengenden Schmerzmitteln, dazu gehören z.B. Triptane und alle Kombinationspäparate mit Coffein.

Die ersten Tage waren harsch, wie unten nachzulesen ist, aber mittlerweile fühle ich mich so frisch und munter, dass ich mir selber kaum glauben kann. Ein Teil von mir ist extrem pessimistisch. Er rechnet mit einem Placeboeffekt und wartet auf die nächste Migräne. Der andere Teil ist euphorisiert hoffnungsvoll, dass jetzt endlich Schluss ist.

In der nächsten Phase wird es vor allem um die Ernährungsumstellung und die Auseinandersetung mit Triggern unterschiedlichster Art gehen. So, und jetzt gehe ich feiern.

Tag 10 – Den Schmerz beschreiben

Warum gibt es eigentlich nur ein einziges Wort für Schmerz? Für Schnee, Regen und alles dazwischen haben wir immerhin auch ein paar Worte, die genauer definieren, was da vor sich geht. Bei Schmerz ist das nicht so. Schmerz ist Schmerz. Schmerz kann nur mit hilfe eines Adjektivs beschrieben werden, eigentlich auch nur mit einem prädikativen Adjektiv.  Der Schmerz ist pochend, kann man da sagen. Mehr von diesem Beitrag lesen

Tag 9 – Neue Wahrnehmungen

Die letzten Tage hatte ich  immer wiederkehrende Prä-Migränesymptome wie das Aurasymptom von gestern oder die geschwollenen Gefäße, die Druck auf den Kopf ausüben. Nichts von alledem hat bisher in eine richtige Migräne gemündet. Ob das jetzt schon eine wirkliche Besserung ist? Man wird sehen. Ich muss korrekterweise  sagen, dass ich natürlich schon mit der Lebensmittelumstellung begonnen habe. Aber darüber werde ich genauer berichten, wenn die Coffein und Tabletten Enzugsphase vorbei ist. Wenn es eine Besserung gibt, dann hat diese natürlich auch mit der Ernährungsumstellung zu tun. Aber ich schreibe jetzt hier nicht weiter, ich traue dem Braten nicht. Zu oft habe ich nach irgendwelchen neuen Prophylaxen gedacht, dass alles Gut wird. Bisher war alles nur ein vorübergehender Placeboeffekt. Mehr von diesem Beitrag lesen

Tag 8 – Die Aura Klaue

Die Bezeichnung Aura für Symptome, die vor dem Migräneanfall auftreten, fand ich schon immer sehr unpassend. Wenn ich visuelle Erlebnisse hätte, na gut. Aber wenn ich auf meine tauben Hände starre und um mich herum wackelt die Welt, dann kommen mir alle möglichen Wortassoziationen, wie zum Beispiel Teigfladen. Oder Zombikrallen. Aber nicht Aura. Mehr von diesem Beitrag lesen

Tag 7 – Migräne am Morgen

Das morgendliche Erwachen ist etwas ganz besonderes im Leben vieler Migräniker. So auch für mich. Das Erwachen, egal ob mit dem Klingeln des Weckers oder viel zu früh gegen fünf aufgewacht, kann über Wohl und Wehe eines Tages entscheiden. Die Migräne nistet sich gerne in den Morgenstunden im Kopf ein, sie ist immer früher dran als man selber und somit gut vorbereitet und klar im Vorteil. Wenn ich verschlafen die Augen öffne und vor mich hindämmere, dann spüre ich sie manchmal schon, wie sie bereit ist und in den Startlöchern sitzt. Trotzdem ist sie dann meist noch keine ausgewachsene Migräne, sie dämmert noch ein wenig entspannt mit mir mit. Lässt mich dabei in dem Glauben, dass es sich bei dem Pulsieren im Kopf nur um eine geringe Verspannung handelt, die vielleicht auch gering bleibt. Dann, wenn ich ein paar Minuten wach und herumgeturnt bin und denke, ach, ich nehme mal noch kein Medikament und warte ab, dann schlägt sie zu. Mehr von diesem Beitrag lesen

Tag 6

Man meint, alles würde sich noch immer um den nicht zu konsumierenden Kaffee drehen, schließlich pockert mein Kopf noch immer. Sanft, zugegebenermaßen. Aber ich schaue dann gar nicht mehr hin heute morgen, als der geschätzte Lebenspartner seine Espressokanne auf den Herd stellt. Ich sage schon “seine”. Noch nicht einmal eine Woche ist rum, ich kämpfe noch mit dem Entzug – aber schon habe ich mich so weit von der Droge distanziert, dass ich keinen eigenen Bezug mehr zu ihr habe. Oder zur Espressokanne, die wir vor zwei Monaten nach langen Diskussionen beim lokalen Italienischen Delikatessenladen erstanden haben. Made in Italy, mit voller Leidenschaft zum Kaffe gekauft. Mehr von diesem Beitrag lesen

Tag 5

Wieder ein Tag, der mit dem Gefühl von Schmerz beginnt. Mann, das nervt. Der Schmerz macht mich mal wieder zur Schlaftablette. Ich bin wie in Zeitlupe. Ich laufe langsam, muss mich aufraffen aufzustehen, ins Bad zu gehen, meine Zähne zu putzen. Alles ist so unglaublich anstrengend. Jeder Schritt erfordert alles an Willenskraft und Muskelkraft die ich habe. Zwischendurch fällt mir immer wieder auf, dass ich schlaff und gebückt dastehe. Und dann möchte ich mich hinsetzen, einfach nur hinsetzen und sitzenbleiben. Nichts denken, denken ist auch zu anstrengend. Ich denke an die Zeit vor ein paar Jahren, als ich regelmäßig im Plänterwald joggen war. Da konnte ich noch jeden Migräneanfall mit einer Tablette killen und mein Energiereservoir war noch genügend gefüllt. Mit der Zeit ist der Energiespeicher irgendwie leer gelaufen. Von der Migräne vampirisch abgesaugt.

Ich denke pausenlos an meinen Coffeinentzug und verstehe nicht, wie ich, als sehr gemäßigte Kaffeetrinkerin, noch am fünften Tag so rumeiere. Der geschätzte Lebenpartner fragt mich mitleidig, wie lange denn diese Entzugsphase so dauert. “Bis zu zwei Wochen im Schnitt”, grolle ich. Sein Blick spricht Bände: So lange? Ach du liebe Güte, noch nicht mal Halbzeit.

Tag 4

Tag vier ohne Kaffee und ohne Medikamente. Mein Kopf ist heute besser, aber es ist noch immer da. Wenn ich auf meinem Schädel entlangtaste, spüre ich wie wund alles ist. Ich stelle meinen Kindle auf vorlesen, lasse Dr. Buchholz (oder vielmehr die knarzige Computerstimme) weiter erzählen und schließe die schmerzenden Augen. Er erzählt von einem Mann, der furchtbare Migräne bekam immer wenn er Sex hatte. Der Mensch war geheilt, nachdem er mit dem Koffein aufgehört hatte. Was, einfach so? Ich rede mir ein, dass ich vielleicht das folgende Diätprogramm gar nicht machen muss und alles schon mit dem Coffeinentzug erledigt ist. Dass das Program, das ich da gerade versuche, bei mir nicht wirken könnte, denn jeder Mensch und jede Migräne tickt ein wenig anders – daran will ich jetzt gar nicht denken. Ich will auch nicht daran denken was jetzt wäre, wenn ich in dieser Phase eine der auf der Migräneskala ganz, ganz oben angesiedelten Attacken bekäme.

Tag 3

Weiter im Bett liegen und röcheln. Mein Kopf ist heiss, als ob ich Fieber hätte. Der Superhund hat Langeweile und stubst mich mit seiner nassen, kalten Nase. Ich drehe mich nur stöhnend herum und ignoriere ihn. Ich stelle mir vor, dass nach allen Qualen alles gut wird und meine Migräne auf fast nichts zusammenschrumpft. Nur so lässt sich dieses Elend ertragen. Gute Güte, was haben die Menschen früher ohne Medikamente gemacht? Es gibt diese Familiengeschichte über meine Urgroßmutter, die ständig mit einem Essiglappen auf dem Kopf im Bett lag. Meine Mutter hat sich mehrmals die Woche mit einem Coffein-Mischpräparat weitergeholfen. Sie hat ihre Dosis “kontrolliert”, indem sie sie immer nur in geviertelten Tablettenmengen erhöht hat. Als ich sie das letzte mal ansprach, war sie bei über 6 Tabletten pro Einnahme. Ich überlebe seit Jahren nur mit Triptanen. Es soll da dieses vererbbare Migräne-Gen geben, ich glaube da sofort dran.

Wie dem auch sei, ich halte durch, indem ich mir das bessere Leben vorstelle, das nach all diesem Elend auf mich wartet. Ich muß nur dran glauben. Mit dieser Art Verzweiflungsglauben müssen Religionen entstanden sein. Ich glaube jetzt einfach an eine wahre Chance auf ein Leben mit wenig Migräne. Ich gründe The first Church of a Life after Migraine und werde alle, die durch die Migräne Entzugshölle gehen mit einem Leben in einem migränereduziertem Himmel belohnen.

Tag 2

Autsch. Mein Kopf bläst sich zu einem wild pochenden Zeppelin auf und ich liege geplättet im Bett. Ich merke, dass doch was dran ist an den chronisch entzündeten Blutgefäßen, ich sehe sie regelrecht vor mir, diese Stränge, die durch meinen Kopf gehen und sich entsetzt weiten, wo nichts mehr da ist, was sie in Form hält. Kein Kaffee, keine Tabletten. Ich beschließe, doch keine Triptane zu nehmen und den von Dr. Buchholz angekündigten und empfohlenen Entzug in Kauf zu nehmen.

Zwei Stunden später gibt es nur noch Schmerz und Atmen in meinem Leben, ersteres ist vor allem da, zweiteres versuche ich mit Mühe und Not aufrecht zu erhalten. Christiane F. kommt mir in den Sinn. Mann, denke ich, wie gut, dass ich nie Drogenabhängig war.  Hahaha, lacht eine Stimme in mir, was glaubst, du, was Kaffee ist und was glaubst du, warum du gerade so elend da rum röchelst. Coffein ist ein Alkaloid und damit eine psychoaktive Droge. Absetzen kann zu Entzugserscheinungen führen.

Tag 1

Hab ich doch gesagt, kein Problem damit, den Kaffee abzusetzen. Nun ja, ich sitze ein wenig ratlos vor einem Glas Apfelsaft morgens. Was soll ich in Zukunft trinken? Mein Kopf ist ein wenig angespannt, aber sonst ist alles ok.

Der Entzug

Nur die Harten kommen in den Garten
Erster Schritt des Programms: Entzug.
Kein Coffein, keine guten Migräne Schmerzmittel mehr und keine Schmerzmittel, die irgendwie Coffein oder andere Blutgefäße-Zusammenziehenden Mittel beinhalten.

Beim Lesen des Buches passiert etwas, was ich einige Tage später ganz klar als Verleugnungsstrategie erkennen kann. Was soll das, denke ich, ich bin weder schmerzmittelabhägig noch koffeinabhängig. Warum sollte ich aufhören, Kaffee oder Tee zu trinken? Schließlich gehöre ich nicht zu den Leuten, die jeden Tag Schmerzmittel nehmen. Und: ich trinke ohnehin nur verdünnten Kaffee. Ich nehme Triptane nur wenns unbedingt sein muss, schließlich will ich, dass die Dinger noch ne Weile helfen. Ich kann verantwortlich mit diesen Dingen umgehen. Warum soll ich das alles sein lassen?

Es gibt ein theoretisches, rationales Verstehen in mir, das den Zusammenhang zwischen dauerhaft entzündeten Blutgefäßen und Gefäße verengenden Chemikalien wie Coffein oder Triptanen sieht. Trotzdem sehe ich nicht, was das mit mir zu tun haben soll. Zwischen meinen Migräneattacken liegen stets 1-2 Wochen, in welchen alles ok ist. Meistens.

Ich erwäge noch ernsthaft ein Abkürzen des Programms und denke mir: na, das mit den Tabeletten weglassen entscheide ich später. Entschluss also erstmal: Ich setz ein paar Tage den Kaffee ab, mal sehen was passiert.