Das Migräne Projekt

Eine die auszog, ihre Migräne zu besiegen

Kategorie-Archiv: Forschung

7 Tage Migraine World Summit

Heute ist der letzte Tag des Migraine World Summits. Wer es dieses Jahr nicht geschafft hat, kann auch im Nachhinein für 70 Dollar Zugriff auf alle Interviews inklusive ihrer Transkriptionen bekommen. Ich denke, der Betrag ist nicht zu hoch angesetzt für die Fülle an Informationen, die man bekommt. Kopfschmerzspezialisten aus aller Welt haben berichtet, was sich an der Front der Migräneforschung und -behandlung tut. Ich persönlich fand die Vorträge nicht nur informativ. Sie waren viel mehr.

Mit der Zeit, wenn so viel und kompetent über Migräne gesprochen wird, bekommt man ein anderes Gefühl zu seiner eigene Krankheit und man wird in die Lage versetzt, sich selbst und die Optionen die man hat, neu zu bewerten. Ich zum Beispiel habe ein besseres Gefühl dafür bekommen, welche Fülle es an Behandlungsmöglichkeiten gibt und wie sich ein Kopfschmerzspezialist darstellt – im Vergleich zu einem Neurologen zum Beispiel, der nur ein paar Stunden Ausbildung zu Kopfschmerzkrankheiten im Studium hatte und sich danach nicht weiter gebildet hat. Ich kann jetzt besser einschätzen, wer kompetent genug ist, um zum Beispiel bei einem Fall komplexer chronischer Migräne zu helfen. Das ist Patienteninformation der besten und wichtigsten Sorte, denn sie hilft uns, dran zu bleiben und nicht gleich nach den dritten oder fünften Arzt aufzugeben.

Mein Horizont hat sich erweitert, zum Beispiel was Behandlungsmöglichkeiten anbelangt, die ich vorher mit Stirnrunzeln betrachtet habe. Es gibt ein großes Spektrum an Optionen, und jeder Schritt, und sei er auch noch so klein, wird uns weiter in Richtung Besserung bringen. Sowohl die beiden Moderatoren als auch mindestens eine der interviewten Aktivistinnen berichteten, dass sich ihre Migräne nach vielen Jahren oder Jahrzehnten in Remission befindet und zwar deshalb, weil sie hart daran gearbeitet haben. Von chronischer Migräne zu einer handvoll Migränen im Jahr zu kommen passiert nicht über Nacht, sondern mit vielen Behandlungsschritten und Lifestyle-Änderungen. Und bestimmt nicht mit: was soll ich schon machen, ich nehm halt Triptane.

Was Remission anbelangt: Ich muss gestehen, dass dieser Begriff in meinem eigenen Denksystem bisher keine große Rolle gespielt hat. Natürlich wollen wir alle, dass die Migräne irgendwie besser wird. Aber, für die meisten von uns liegt ein langer Weg hinter uns, auf welchem die Migräne eher schlimmer geworden ist, nicht besser. Meine Mutter zum Beispiel hatte ihr Leben lang Migräne. Nicht nur von ihr habe ich gelernt, dass Migräne etwas ist, das man wie einen Fluch nicht mehr los wird und bis zum bitteren Ende ertragen muss. Das kann so sein und wenn es so ist, dann ist es umso wichtiger, bewusst mit der eigenen Krankheit umzugehen. Trotzdem ist es nicht unrealistisch, dass die Migräne, auch chronische Migräne, in Remission geht. Obwohl ich diesen Blog betreibe und immer wieder betone, dass man mit Selbstverantwortung weiter kommt, nicht zuletzt aus eigener Erfahrung, merke ich, wie hartnäckig sich negative Gedankenmuster halten. Bei mir selbst. Ich muss mich nach dieser Veranstaltung jetzt fragen, ob ich selbst wirklich, wirklich daran glaube, dass ich meine Migräne erfolgreich bekämpfen kann, sodass sie in Remission geht. Und: was ist nötig, um dahin zu kommen und bin ich bereit, diese Schritte und Veränderungen auch wirklich zu gehen. Paula Dumas, eine der Moderatorinnen und Veranstalterinnen sagte in einem Interview, dass sie mit dreißig nie daran geglaubt hätte, dass sie so weit in Kampf gegen die Migräne kommen könnte. Und da sitzt sie jetzt, voller Energie und Leben, mit höchstens einer Migräne im Monat.

Der Migraine World Summit hat jede Menge ermutigende Beispiele vorgestellt. Und er hat klar gemacht, dass niemand wirklich „alles versucht hat“, was es an Behandlungsmöglichkeiten gibt. Alle Spezialisten waren sich einig, dass wir, was die Forschung zu Kopfschmerzkrankheiten anbelangt, uns in einer sehr aufregenden Zeit befinden. Es gibt eine Menge Neue Behandlungsmöglichkeiten in der Pipeline. Es gibt keinen Grund aufzugeben.

 

The Migraine World Summit vom 23.-29. April 2017 – online und für alle

Keine medizinische Basis mehr gegen die Pille bei Migräne mit Aura

Die Pille wird oft nicht mehr für Frauen verschrieben, die unter Migräne mit Aura leiden.

In 2013 schon gab es Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Verfahrensweise  –  von diversen Ärzten, aber auch von der deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Ich habe das damals in einem Blogpost bereits diskutiert und meine Verwunderung darüber ausgedrückt, dass die WHO diese Leitlinie ungewöhnlich schnell und auf Basis von ungewöhnlich wenig Studien etabliert hat. Mehr von diesem Beitrag lesen

Die Dopamin-Migräne

gehirnEs gibt einen Dschungel an Möglichkeiten, wenn es um den Migränemechanismus geht. Noch immer wissen wir nicht, was die Migräne auslöst – manche mutmaßen, es könne unterschiedliche Gründe für die Krankheit Migräne geben. Wir stochern in möglichen Triggern herum, unendliche an der Zahl wie es scheint, die in der Lage sind, den entzündlichen Prozess im Hirn ins Laufen zu bringen. Manche Trigger sind offensichtlich und jeder hat schonmal davon gehört. Rotwein zum Beispiel, dessen Ursache wahrscheinlich in einer Verarbeitungsschwäche von Tyramin liegt. Es ist immer gut, wenn man versucht, einem Trigger auf den Grund zu kommen und den Mechanismus zu verstehen. Insbesondere wenn der Trigger in der Biochemie verankert ist. Mehr von diesem Beitrag lesen

Ist Migräne das Resultat eines fehlgeleiteten Immunsystems?

EntzündungDem Zusammenhang von Migräne und dem Immunsystem wird immer mehr Beachtung geschenkt. Neuere Forschungen legen nahe, dass das Immunsystem eine Schlüsselrolle bei neurologischen Erkrankungen spielen könnte.

Viele Krankheiten haben ihre Wurzeln im Immunsystem und dazu gehören nicht nur die anerkannten Autoimmunkrankheiten wie z.B. Diabetes Typ 1, Crohns oder Multiples Sklerose. Auch für Krankheiten wie z.B. Autismus oder Epilepsie werden bereits die  immunologischen Ursachen erforscht. Fehlgeleitete Immunzellen, so schrieb der Spiegel in einem Artikel schon 2012, führten zu entzündlichen Prozessen im Gehirn, die Epilepsie auslösen können. Mehr von diesem Beitrag lesen

CGRP: Steht eine Revolution in der Migränebehandlung bevor?

CGRPWenn es nach Dr. Peter Goadsby von der University of California, San Francisco geht, dann steht uns in fünf Jahren eine Revolution bei der Migränebehandlung bevor. Dr. Goadsby ist an der Entwicklung des CGRP Medikaments gegen Migräne beteiligt. In einem sehr interessanten Interview äußert er sich zum Stand der Forschung. Die Ergebnisse der zweiten Forschungsstufe seien dramatisch gut, sagt er in dem Interview. Die CGRP Antagonisten sollen spezifisch in den Migränemechanismus eingreifen und keine anderen Körperfunktionen mit Nebenwirkungen belasten. Mehr von diesem Beitrag lesen

Unverträglichkeit von Topiramat

TopiramatIch hatte nicht vor, diesen Monat zu einem Topiramat-bashing Monat zu machen. Es gibt definitiv Menschen, denen Topiramat hilft. Eher aus Zufall fällt mir jetzt schon wieder ein Papier in die Hände, das in der aktuellen Ausgabe der medizinischen Fachzeitschrift Cephalalgia nachzulesen ist. Dr. Jeff Donat, ein Neurologe, der sein Leben in einer kanadischen Kopfschmerzklinik bestritten hat, hat darauf hingewiesen, dass es zwei Studien gibt, die nachweisen, dass Topiramat von 44% aller Migräniker nicht vertragen wird. Dagegen wird Topiramat nur von 17% der Epilepsiepatienten nicht vertragen. Naja, denke ich mir dazu, Topiramat ist ja auch ein Epilepsiemedikament, und nicht wirklich ein Migränemedikament. Mehr von diesem Beitrag lesen

Starke Migräneattacken führen zu noch mehr starken Migränettacken

TiermodellWenn ich mehr Migräneforschung fordere, dann gibt es immer auch einen Teil in mir, der sich windet. Weshalb? Weil der größte Teil der Schmerzforschung am sogenannten Tiermodell durchgeführt wird. Dass lebenden, empfindungsfähigen Wesen Schmerz zugefügt wird, um Wissen zu gewinnen, gefällt mir nicht. Ich hätte es gerne anders. Es gibt schon genug Menschen, die Schmerzen haben, mit denen kann man auch forschen. Es gibt auch Ansätze, Schmerz am Computer zu simulieren. Ich würde mich sehr gerne für Migräneforschung zur Verfügung stellen. Allerdings nicht solchen Projekten, wie diesen hier (frisch von 2014), die ich im Journal Pain gefunden habe. Mehr von diesem Beitrag lesen